
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Der Sponsor dieses Buches nennt es "Fotoband". Im Vorwort spricht der Geschäftsführer der Reed Exhibitions Deutschland GmbH, Hans-Joachim Erbel, von einem Bildband. Und genau das ist es: Ein Buch aus und mit Bildern, fast ohne Text.
Der Text beschränkt sich auf das Titelblatt, das Vorwort auf der Rückseite des Titelblatts, technische Daten auf der letzten Seite und die Namen der Akteure, die zu Beginn des jeweiligen Abschnitts genannt werden. Alles andere ist Bild. Im Regelfall Bild von Rand zu Rand. Manchmal wird montiert, zwei Bilder nebeneinandergestellt, ein Bild in ein anderes eingeklinkt, selten eine Serie montiert. Es sind auf jeden Fall die Bilder, die sprechen. Und wie sie sprechen!
Aus dem Vorwort:
| Diese Magie in Bildern einzufangen, bedarf es eines wirklich großen Könnens. Thorsten Schneider, der Fotograf dieses Bildbandes, ist ein solcher Könner, dem es gelang, die einmalige Atmosphäre aus "Rücken der Nacht" einzufangen und dies mit den höchsten Ansprüchen und Anforderungen seines Metiers zu verbinden. Die Kunst der Pferdefotografie verlangt nicht nur nach großem handwerklichen Wissen um das richtige Licht und den genauen Winkel, sie bedarf vor allem jenem "gewissen Etwas", jenem Gefühl für Stimmung, Stellung und Spannung, die wirkliche Meister auszeichnet.
Wir, die Reed Exhibitions Deutschland GmbH, sind sehr stolz darauf, daß Thorsten Schneider aus seinen Fotos diesem Bildband gestaltete. Hiermit können wir uns das einzigartige Erlebnis des HOP-TOP abends immer wieder ins Gedächtnis rufen. Noch einmal erleben wie die wundervollen Momente, in denen uns die Akteure - die zu den ganz Großen der internationalen Schoßsinne gehören - und ihre Pferde in Erstaunen und Bewunderung versetzen und uns darüber alles andere vergessen ließen. | | |
Warum muß man die Show selbst erlebt haben? Das Buch gibt auch demjenigen eine Ahnung der Show, der sie gar nicht erlebt hat.
Die Abbildungen hier im Text können natürlich aufgrund der Abmessungen keinen angemessenen Eindruck wiedergeben. Können Sie sich vorstellen, wie diese Bilder wirken, wenn sie im Format A3 = 2 x A4 vorliegen?
Durch die Verkleinerung gehen sehr viele Einzelheiten verloren. Außerdem vergröbern sich die Kontrastverhältnisse, so daß alles viel schematischer wirkt. Beim Bild in der Mitte z. B. können Sie die Barthaare des Pferdes zählen - immerhin kann man sie auf der Verkleinerung noch erahnen.
Die Fotos geben nicht nur einen Eindruck von dem wieder, was einmal war. Die Bilder weisen über sich selbst hinaus - obwohl sie eingefrorenen Momente sind, hat doch die Phantasie keine Schwierigkeiten, den Ablauf zu ergänzen, dem sie entnommen sind.
Mehr noch: Der Schnappschuß, das isolierte Bild einer Bilderfolge, das so vom Auge gar nicht wahrgenommen werden kann, präsentiert uns eine Wirklichkeit, die wir in der Show selbst nicht erleben können. Deshalb hat das Foto im Zeitalter der bewegten Bilder nach wie vor seinen Stellenwert. Im Foto ist die Schönheit des Pferdes und seiner Bewegungen erst recht erlebbar.
In Wirklichkeit nimmt das Auge eine ununterbrochene Folge von Bildern wahr, obwohl noch nicht einmal das stimmt. Denn wir denken uns die Wahrnehmung wie die Produktion der Illusionen im Kino oder im Fernsehen, als schnelle Abfolge von Einzelbildern. Das Auge ist aber kein Kino und auch kein Fernseher. Das Auge pickt aus der Fülle des Geschehens einzelne Bilder heraus, die besonders haften bleiben, an die man sich vielleicht erinnern kann. Diesen Prozeß unterstützt die Fotografie. Sie isoliert sprechende Bilder, die dem gesamten Geschehen einen besonderen Sinn verleihen.
Das ist eigentlich die Aufgabe des Fotografen: Die sinnstiftenden Bilder zu finden in der Fülle des Geschehens. Selbstverständlich braucht er dazu ein gutes Werkzeug, und er muß auch damit umgehen können. Das alleine reicht aber nicht aus, denn sonst könnte ja jeder, der sich so einen Apparat leisten kann und sich mit der Bedienungsanleitung vertraut gemacht hat, hervorragende Fotos schießen. Das ist aber gar nicht so einfach, wie jeder weiß, der von seinen Fotos enttäuscht war. Er glaubte, den entscheidenden Moment erfaßt zu haben, das Foto jedoch war nichtssagend.
Thorsten Schneider hat ein Auge für Bilder. Natürlich ist er abhängig von den Akteuren und der Beleuchtung. Ein gut ausgeleuchteter Schimmel vor einem dunklen Hintergrund ist schon die halbe Miete, und wenn er dann auch noch richtig steht und die Bewegung günstig erfaßt wird, ist die Chance nicht schlecht, daß ein hervorragendes Foto entsteht.
Schwieriger ist die Sache mit Rappen vor schwarzem Hintergrund. Das Pferd von Arnaud Gillette ist zwar nicht wirklich schwarz, aber wenn Schweif, Mähne und Behang nicht weiß wären, hätte der Fotograf schlechte Karten, zumal der Reiter schwarz gekleidet ist und schwarze Haare hat und der Hintergrund ebenfalls sehr dunkel, fast schwarz gehalten ist. Immerhin ist der Reiter von weißer Hautfarbe.
Als Foto gibt diese Kombination aber trotzdem wenig her, wenn nicht gerade der volle Scheinwerfer auf dem Paar steht, wie auf dem eingeklinkten Foto in der Montage. Der Fotograf hat sich vermutlich aus diesem Grunde in die Montage gerettet, die Pferd und Reiter in unterschiedlichsten Sprungpositionen zeigen.
Mir persönlich haben die Bilder von Frédéric Pignon am besten gefallen, und ich vermute mal, daß sie auch dem Fotografen am besten gefallen haben, denn sie nehmen im Buch den breitesten Raum ein und bilden gewissermaßen den Höhepunkt - was aber lediglich der Dramaturgie des Musicals entspricht: dieses Schaubild war das vorletzte.
Jedes dieser Fotos würde sich vorzüglich als Poster in jedem beliebigen Teenager-Zimmer eignen. Tatsächlich hat der Fotograf auf der Equitana 2005 eine ganze Reihe von Postern angeboten, teilweise signiert von den Reitern. Leider gibt es darüber kein Angebot im Internet. Sollten Sie Interesse daran haben, schreiben Sie bitte den Fotografen direkt an: › info@bombit.de
Das Buch zeichnet die Show getreu nach, obwohl manche Schaubilder nur knapp, andere ausführlich geschildert werden. Das liegt teilweise auch an den Schwierigkeiten, angemessene Bilder produzieren zu können. Wo kein Licht ist, kann auch die Digital-Fotografie nicht zaubern. Andererseits eignen sich manche Nummern nicht besonders gut für sensationelle Fotos, die im Gedächtnis haften bleiben, andere wiederum bieten eine Fülle davon. Kein Wunder, daß der Fotograf dort zugreift, wo dem Leser das Auge übergehen wird.
Dieses Buch eignet sich ganz vorzüglich als Geschenk für Jugendliche, um deren Pferdebegeisterung ordentlich Futter zu geben, und darüberhinaus für alle diejenigen, die entweder diese Show oder einige Akteure erlebt haben oder dies gern tun würden, als Vorgeschmack sozusagen. Denn die Stars dieses Buches begegnen uns immer wieder, auch auf der Equitana 2005. Die Lektüre dieses Buches dürfte den Genuß der nächsten Liveveranstaltung erheblich steigern.
Noch mehr Vorschaubilder können Sie unter der Adresse » 2003 RHYTHMEN DER NACHT finden.
erschienen 13.03.05
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