Auf der Pressekonferenz wurde Lucien Gruss neben der Spanischen Reitschule und Herbert Stein als Highlight vorgestellt. Ihn fand ich dabei vergleichsweise am wenigsten attraktiv.
Er brachte einen Schimmel und einen Rappen mit, die von zwei Mädchen an der Leine geführt wurden, und ließ die beiden steigen. Das war's.
Später versuchte sich einer der Spanier an diesem Trick und hatte ebenfalls Erfolg. Das sollte alles sein? Ich hatte keine Idee, wie die dazugehörige Nummer aussehen sollte.
Desto größer die Überraschung, als ich die volle Show erleben konnte. 4 Schimmel und 4 Rappen in der Manege - das ist Zirkusakrobatik!
Auf unsichtbare Winke hin drehten sich die Pferde um die eigene Achse, wechselten die Plätze, spielten auf die eine oder andere Art Ringelreihen.
Mal liefen alle Rappen nebeneinander, dann hintereinander, die Schimmel ebenso, dann wieder bildeten sie eine bunte Reihe, wechselten auf ein unsichtbares Kommando die Hand, und schließlich stiegen sie sogar.
Sie stiegen in gemischter Reihe und dann wieder sorgfältig nach Farben geordnet, und schließlich arbeitete der Meister nur noch mit kleinen Grüppchen, dann nur noch mit einem Pferd. Dieses stieg und lief auf seinen Hinterbeinen und drehte sich auf Kommando seines Meisters.
Lediglich die Dekoration des Hintergrundes störte nach meinem Gefühl. Meistens zauberten die Bilder eine ganz wunderbare Stimmung, die das Schaubild erst richtig herausbrachten, aber hier wirkte es eher chaotisch, unruhig, lenkte ab - man hatte Mühe, die Pferde zu erkennen, vor allem die Rappen.
Die letzte Nummer innerhalb dieses Schaubildes war eine mit drei Rappen - sie wirkte wie ein Schattenspiel vor dem dunklen Projektionsbild.
Rappen in einer Abendshow sind überhaupt ein Problem. Selbst wenn mehrere Spotscheinwerfer eingesetzt werden, hat das Auge Mühe, die Pferde zu identifizieren, da üblicherweise der Rest des Geschehens in Dunkel getaucht ist, damit die Hauptsache schön herauskommt. Wenn diese aber schwarz ist, funktioniert der ganze Zauber nicht mehr. Schwarze Pferde müssen mit viel Licht vor weißem Hintergrund präsentiert werden, und selbst dann sind Einzelheiten innerhalb des Pferdekörpers nicht auszumachen. Kein Vergleich zum Ausdruck eines Schimmels, der sich natürlich unter diesen Umständen optimal präsentieren kann.
So kommen also völlig sachfremde Gesichtspunkte zum Tragen, an die man zunächst überhaupt nicht denkt. Kein Wunder, daß so viele Artisten mit Schimmeln arbeiten. Schimmel machen im Scheinwerferlicht einfach mehr her.
Nächste Woche mehr...
Quellen
Fotos
© Werner Popken
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