
| | | Heidi Keppel | | | | | Tipps für entspanntes Reiten II Von › Heidi Keppel
Diese Woche wollen wir uns genauer mit den Grundvoraussetzungen für entspanntes Reiten befassen, die ich Ihnen zur Erinnerung nachfolgend nochmals aufgelistet habe.
1. Seelisches Gleichgewicht von Reiter und Pferd 2. Positive geistige Grundeinstellung von Reiter und Pferd 3. Grundsätzliche körperliche Fähigkeit zu entspanntem Reiten 4. Seelische, geistige und körperliche Übereinstimmung zwischen Reiter und Pferd 5. Individuell angepasste Leistungsanforderung bzw. Erwartungshaltung 6. Ausschaltung störender Außenfaktoren (soweit dies möglich ist) |
Der erste Punkt, das ‚seelische Gleichgewicht von Reiter und Pferd', klingt vielleicht etwas hochtrabend, bedeutet aber genau genommen einfach ‚innere Zufriedenheit'!
Wie wohl jeder Mensch schon irgendwann festgestellt hat, kann man in unglücklichem und unzufriedenem Zustand nicht viel erreichen und besitzt auch nicht die innere Bereitschaft dazu. Durch die daraus resultierenden Misserfolge wird man noch frustrierter, und damit beginnt sich der Teufelskreis zu drehen.
Ganz ähnlich ergeht es unseren Pferden. Auch sie kennen Missmut und Unzufriedenheit, woraus verständlicherweise Arbeitsunwilligkeit resultieren kann. Als besonders sensible Tiere haben sie darüber hinaus auch noch das Problem, dass sie die Stimmungen ihres jeweiligen Reiters intensiv fühlen können, was sie oft zusätzlich irritiert und verunsichert.
Deshalb ist es auch besonders wichtig, dass der Reiter zuerst sein eigenes seelisches Gleichgewicht findet, bevor er mit seinem Pferd zu arbeiten beginnt. Da man sich natürlicherweise nicht immer in einem glücklichen und zufriedenen Grundzustand befinden wird, muss man lernen abzuschalten, was durch verschiedene Atem- und Meditationstechniken jeder mit ein wenig Übung erreichen kann.
Darauf hier näher einzugehen, würde wohl den Rahmen dieses Artikels sprengen, weshalb ich Ihnen raten würde, diesbezüglich auf diverse literarische Ratgeber, die ja mittlerweile massenhaft zur Verfügung stehen, zurückzugreifen.
Wie sieht es aber nun mit dem seelischen Gleichgewicht des Pferdes aus? Was können wir als Besitzer oder Reiter tun, um unserem Pferd jene ‚innere Zufriedenheit' zu verschaffen?
Nun, Pferde sind eigentlich sehr genügsame Tiere, und so reicht es meist völlig, wenn die Fütterungs-, Haltungs- und Reitbedingungen in etwa ihren natürlichen Ansprüchen entsprechen.
Dies bedeutet bezüglich der Haltung, dass ausreichender Auslauf, Beschäftigung und soziale Kontakte zu Artgenossen gewährleistet sein sollten, wobei auch individuelle Bedürfnisse beachtet werden sollten.
So braucht z.B. ein Vollblüter sicherlich eine weitläufigere Auslaufmöglichkeit als ein Kaltblut, manche Pferde haben ein großes Spielbedürfnis, andere wiederum sind eher reservierte Einzelgänger, die einen Platz zum Zurückziehen benötigen, um sich vor Aufdringlichkeiten anderer Pferde schützen zu können.
Dies sind nur einige Beispiele, weshalb jeder Pferdebesitzer sein eigenes Tier ausgiebig beobachten sollte, um seine persönlichen Vorlieben und Abneigungen erkennen zu können.
Auch die Fütterung sollte auf den jeweiligen Pferdetyp und die Leistungsbeanspruchung abgestimmt werden, wobei auch eine eventuelle Schwer- bzw. Leichtfuttrigkeit oder vorhandene Verdauungsstörungen Beachtung finden sollten, da sich dahinter unter Umständen Nahrungsmittelallergien bzw. -unverträglichkeiten verbergen können.
Bei Pferden, die unter chronischem Husten leiden, sollte beobachtet werden, ob nach der Verfütterung bestimmter Futtermittel (z.B. Karotten, Äpfel, Brot, Hafer, etc.) regelmäßig stärkere Hustenattacken auftreten, was ebenfalls für eine Allergie sprechen würde.
Eine Tatsache, die ebenfalls viele Pferde- und Reitstallbesitzer vernachlässigen, ist der Umstand, dass ein leerer Bauch für Pferde, die sich in der Natur viele Stunden lang mit der Nahrungsaufnahme beschäftigen, nicht gesund und auch nicht gerade angenehm ist.
Für uns Menschen ist die Verfütterung von pelletierten Fertigfuttermitteln zwar sehr praktisch, Pferde brauchen aber für eine gute Verdauung und auch als Beschäftigungsmöglichkeit größere Mengen Heu oder Weidegang. Stroh kann zwar das Kaubedürfnis zum Teil befriedigen, aber es wirkt verstopfend und kann sich so unter Umständen auch schädlich auswirken.
All diese Faktoren haben nun zwar nichts direkt mit dem Reiten zu tun, aber es wird wohl für jeden Menschen nachfühlbar sein, dass eine gesunde Verdauung das Wohlbefinden enorm steigert und damit eine gute Basis für das erwünschte seelische Gleichgewicht darstellt.
Was die Reitbedingungen selbst anbelangt, so sollte man vor allem Stress und Hektik, aber auch einen aggressiven Umgangston (von Gewaltanwendungen ganz zu schweigen) bei der Arbeit mit Pferden tunlichst vermeiden. Als Beute- und Fluchttiere versuchen Pferde nämlich, solchen anscheinend bedrohlichen Situationen möglichst aus dem Weg zu gehen. Werden Sie daran aber gehindert, entsteht in ihnen eine ungeheure Anspannung, die sich meist in vermehrter Nervosität und Unkonzentriertheit zeigt und in Folge zu Verspannungen und Widersetzlichkeiten führen kann.
Es gilt also in erster Linie, eine angenehme, harmonische Atmosphäre zu schaffen, damit es dem Pferd leicht fällt, sich auf die reiterlichen Hilfen zu konzentrieren, womit wir bei Punkt 2, der positiven geistigen Grundeinstellung von Reiter und Pferd, angelangt wären, welche wir dann nächste Woche näher besprechen wollen.
Siehe auch › Autoren-Messeseite
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