| | |  | | Auch als Fahrpferd interessant |  |  |  |
| Was die Zucht anbetrifft, so kört er selbst: "Ich schaue mir das Fohlen an, und ganz gefühlsmäßig sage ich mir: der gefällt mir, der ist jetzt gekört. Da spielt es dann gar keine Rolle mehr, ob der dann auch noch wirklich gekört wird." Am besten gefallen ihm die Vollblutaraber, und deshalb möchte er gerne, daß seine Welsh-A im Ausdruck und in der Kopfform in diese Richtung gehen. Das hat er inzwischen ganz gut im Griff. Aber die Zucht ist ja nur die eine Seite der Medaille; die produzierten Pferde müssen einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden. Die Familie Siemers hält eine ganze Reihe von Zuchthengsten, die von befreundeten Züchtern in Anspruch genommen werden, die meistens nur ein oder zwei Zuchtstuten haben. Die Siemers stellen die Fohlen dann auf der Zuchtschau vor, wie wir das gerade in Tannenhausen erlebt hatten ( Ponyspektakel), und nehmen sie später zur Aufzucht und Ausbildung auf. Danach können sie dann vermarktet werden, als Reitpferde oder als Fahrpferde. "Man muß immer was haben, für jeden Bedarf. Wenn einer anruft und man sagt, ich habe im Moment nichts, spricht sich das sehr schnell herum. Dann ist man bald außen vor." Das leuchtet mir ein. Die Wünsche des Kunden sind Befehl. Ob der nun Ponies für die Kinder braucht, Turniere beschicken will oder sich für den Fahrsport interessiert - der Züchter muß für alle Gelegenheiten ein Angebot machen können. Siemers zögert auch nicht, seine Beziehungen spielen zu lassen und sich gegebenenfalls ein geeignetes Pferd zu besorgen - einen guten Überblick über den Markt hat er. Insofern ist die Mitgliedschaft in einem Zuchtverband sinnvoll, wenn man diesen nicht als Verbindung von Konkurrenten, sondern als Vermarktungsgemeinschaft sieht, was er sinnvollerweise im Idealfall ist. Dabei gehen seine Verbindungen recht weit, bis an die Landesgrenzen und darüber hinaus. Neulich suchte jemand ein Schimmelgespann. Kein Problem für Enno Siemers; die Pferde gingen nach Frankreich. Auch in die Schweiz ist schon verkauft worden. Ein paar Anekdoten illustrierten seine Hilfestellung bei der Beschaffung geeigneter Pferde. Als Ostfriese kann Siemers sich über das Platt recht gut mit den holländischen Friesen verständigen. So leistete er für jemanden Hilfestellung auf einem holländischen Pferdemarkt, der ein Vierergespann zusammenstellen wollte. Das eine Pferd sollte 2000 EUR kosten. Als Siemers die Augenbrauen hochzog, korrigierte sich die Verkäuferin auf 1000 EUR. Nach kurzer Rücksprache mit dem Kunden war das Pferd gekauft. Das nächste Pferd, das Enno Siemers seinem Kunden empfehlen wollte, sollte 500 Gulden kosten. Da bedauerte er: Gulden habe er leider nicht, nur Euro. Darauf wandte sich der Verkäufer an seinen Sohn, der dann vermittelte. Auch dieses Pferd wurde gekauft - und Siemers hatte seinen Spaß und war um eine Anekdote reicher. Dieses Schnäppchen ist jetzt das beste Pferd im Stall des Besitzers, obwohl es das billigste war; dieser ist übrigens sehr vermögend und hätte leicht auch mehr zahlen können. Alleine die Geschirre und die Kutschen hätten Unsummen verschlungen, versichert Siemers, und setzt hinzu, daß der Eigentümer aber genau wie er immer betont, daß sein Wohlstand nicht eigentlich eigener Verdienst sei, sondern daß er im Leben einfach viel Glück gehabt habe. Das bezieht sich bei Enno Siemers insbesondere auf die Zucht, in der er über die Maßen erfolgreich war und ist. "Wenn einer behauptet, er habe genau die Pferde gezüchtet, die ihm immer vorgeschwebt hätten, und rechnet sich das persönlich an, dann hat er was nicht verstanden. Zucht ist immer auch Glückssache. Man kann was probieren, aber was dabei herauskommt, das weiß man nicht." Diese Aussage hatte ich schon gehört, zum Beispiel vom erfolgreichen Islandpferdezüchter Ulrich Kollmeyer, der seine Rolle genauso nüchtern sah ( Zuchterfolge).
| |