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Bericht Zu den Themen Reitunterricht, Urlaub, Welsh A, Zucht · Galerie: Eisenbahn
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Eisenbahn

 
 
 
Sergio, England?
Erbitterter Widerstand, Ausschnitt
aus Seite 18, Überfälle (Eisenbahn)


Vor einigen Tagen habe ich eine Buchreihe entdeckt, die zu sehr günstigen Preisen Grundschulkindern Teilaspekte unserer modernen Welt nahebringen möchte. Da habe ich mich für meinen Neffen und meine Nichte eingedeckt. Für den Jungen war das Buch über die Eisenbahnen gedacht.

Sein Vater ist mein jüngerer Bruder, und der war in seiner Jugend ganz vernarrt in Eisenbahnen. Er spielte in jeder freien Minute mit seiner Modelleisenbahn, interessierte sich aber auch für die richtige Eisenbahn und wollte dort später arbeiten. Natürlich ist alles anders gekommen, aber die Faszination für die Eisenbahn ist immer noch da und hat sich weitervererbt.

Nun konnte ich nicht widerstehen und warf einen Blick hinein - mit der Folge, daß ich das Buch sorgfältig von vorn bis hinten studiert haben. Diese Art von Büchern ist außerordentlich faszinierend. Und da darin auch Pferde vorkommen, hatte ich mein Thema für die Galeriegeschichte dieser Woche.


Eisenbahn,
Originaltitel: Windows on the World: Trains and Railways, 1992 London


Kommentar
Von   Werner Popken

Gesamtansicht<br> linker Teil einer Doppelseite · © 2008
 
Gesamtansicht
linker Teil einer Doppelseite
Bestimmt hat diese Literaturgattung auch eine Geschichte. Irgend jemand muß einmal damit angefangen haben, Texte und Bilder zu mischen und damit ein Buch zu gestalten. Man kann weder den Text noch die Bilder weglassen - das eine bezieht sich auf das andere.

Sehr selten findet man Autoren, die ihre Bücher auch illustrieren, oder Maler, die auch die Texte zu ihren Bildern verfassen. Im allgemeinen scheint es sich um zwei verschiedene Talente zu handeln, die selten in ein und derselben Person vereint sind.

Bei Comic-Autoren ist das noch am ehesten der Fall, obwohl einige der berühmtesten Comics ebenfalls in dieser Art Arbeitsteilung entstanden sind (zum Beispiel Asterix: Uderzo + Goscinny,  Der Seher, oder  Yakari: Derib + Job).

Auch in diesem Fall zeichnet für den Text jemand anders verantwortlich: Sydney Wood. Möglicherweise haben die beiden das Konzept vorher besprochen, vielleicht ist es ihnen vom Fachlektor sogar vorgegeben worden. Das Buch mag Zug um Zug entstanden sein, bis sich die Einzelteile wie ein Puzzle zu einem fertigen Ganzen zusammengeschoben haben.

Möglicherweise hat der Textautor vorgegeben, worüber er schreiben möchte, und dann abgewartet, bis die Illustrationen fertig waren, um dann seine Texte in bezug auf die Illustrationen zu erstellen. Denn ganz eindeutig beziehen sich die Texte auf die Bilder, bis auf den einleitenden Text, der die Überschrift erläutert, die gewissermaßen das Thema der Doppelseite darstellt. Die von mir ausgewählte Illustration erscheint auf der linken Seite einer solchen Doppelseite, die "ÜBERFÄLLE" betitelt ist.

Im Kasten links unten wird ein Sabotageakt vorgestellt, den Indianer verüben, oben rechts auf der nächsten Seite ist noch ein weiterer kleiner Kasten eingerückt, der die Wichtigkeit der Eisenbahn für die Armee darstellt, die gesamte Doppelseite ist dem Überfall von Banditen auf einen Zug gewidmet. Während die Indianer aus politischen Gründen Verbrechen verübten, taten dies die Banditen aus rein kriminellen Motiven. Das Resultat war ganz ähnlich, konnte aber den Siegeszug der Eisenbahnen nicht aufhalten. Für das Buch ist diese Doppelseite lediglich eine Episode, die Gelegenheit bietet, ein Stück pittoreske Eisenbahngeschichte vorzuführen.


Indianer

Abgeschnitten · © 2008
 
Abgeschnitten
Gesucht! · © 2008
 
Gesucht!
Gewalttätige Verbrecher · © 2008
 
Gewalttätige Verbrecher
Für die Indianer ging es um das Überleben; die Einleitung zum Kapitel macht das unmißverständlich klar:

Die Eisenbahn hatte zwar viele Vorteile, brachte aber auch Gewalttaten mit sich. Die Strecken, die nach Westen gebaut wurden, führten quer durch das Indianergebiet, und die Indianer begannen schon bald, das "Eiserne Pferd", wie sie die Eisenbahn nannten, zu hassen. Sie verscheuchte die Tiere aus den Prärien und ermöglichte das Abschlachten der großen Bisonherden, die den Indianern bisher Nahrung und Kleidung geliefert hatten. 1876 besiegten die Sioux unter ihrem Häuptling Sitting Bull die Truppen von General Custer, die die Arbeiter an der Northern Pacific Line beschützen sollten. Die Schlacht am Little Bighorn endete mit einem der wenigen Siege der Indianer. Doch auch dieser Sieg konnte das unaufhaltsame Vordringen der Bahnlinien nicht stoppen.


Das für diesen Beitrag ausgewählte Bild ist mit folgendem Text versehen:

Erbitterter Widerstand

Die Indianer versuchten, ihr Land und ihre Bisons zu schützen, indem sie fertige Streckenabschnitte wieder zerstörten. Manchmal überfielen sie auch die Streckenarbeiter. Die Arbeiter der Kansas Pacific Line mußten lernen, mit Waffen umzugehen, und die Gesellschaft ging sogar so weit, ihre Passagiere zu bewaffnen. 1867 überfielen Krieger der Cheyenne bei Plum Creek in Nebraska eine Mannschaft von Arbeitern, und töteten alle bis auf einen. William Thompson blieb am Leben, weil er sich totstellte, sogar als er skalpiert wurde.

Man muß sich vorstellen, was passierte, als der nächste Zug über diese Strecke fuhr. Es herrscht offensichtlich Krieg. Die Weißen führen durch die Eisenbahner einen indirekten Krieg gegen die Indianer, denen die Lebensgrundlage entzogen wird; die Indianer führen einen offensichtlichen Krieg gegen die Eisenbahner, die die unmittelbare Ursache für den Untergang der indianischen Kultur sind.

Der Häuptling führt die Aufsicht von seinem Pferd aus und trägt einen prächtigen Kopfschmuck, während die arbeitenden Indianer eine einfache oder doppelte Feder tragen. Ich vermute, daß diese Einzelheiten sorgfältig recherchiert sind. Die Muster auf den Lendenschürzen werden historisch überliefert sein. Der Illustrator kann sich sachliche Fehler kaum leisten. Hinter dieser und allen anderen Zeichnungen steckt also viel Aufwand, um die Informationen zu beschaffen.

Die restlichen Textbeiträge beziehen sich auf verschiedene verbrecherische Aktionen. Rund um die Illustration werden unterschiedliche Anschläge vorgestellt. Ein Bandit schneidet gerade den Telegraphendraht durch, um die Kommunikation der Eisenbahner mit der Verwaltung zu unterbrechen. An den beiden Pferden können wir unmittelbar ablesen, wie genau der Illustrator informiert ist. Das sind nicht irgendwelche Pferde, sondern Quarter Horses, die gut ausgebildet sind. Der kletternde Bandit ist sich sicher, daß sein Pferd sich nicht vom Fleck rühren wird, auch wenn die Schlacht noch so stark tobt. Denn auf der anderen Seite wird wild geschossen.

Eines der Pferde ist offenbar angeschossen worden und umgefallen; der Bandit steigt gerade ab, den Revolver in der Hand, während sein Pferd zusammenbricht. Die einzelnen Textbausteine werden mit Hilfe von Linien den entsprechenden Bildelementen zugeordnet, mit mehr oder weniger Treffsicherheit. So zeigt die Linie, die im letzten Bild links sichtbar ist, auf ein Reiterbein, obwohl der Text sich nicht auf diesen Reiter bezieht. Es wird darin ganz allgemein erklärt, daß die Bahnräuber sich dort gut verstecken konnten, wo die örtlichen Farmer oder Geschäftsleute gegen die Eisenbahn waren, weil letztere wirtschaftliche Einbußen befürchteten und die Verbrecher deckten.

Gewalttätige Verbrecher

Die gefürchtetste Bande von Bahnräubern wurde angeführt von den Brüdern Jesse und Frank James und ihren Partnern, den Youngers. Ihren ersten Zug überfielen sie 1873 in Iowa. Sie lockerten eine der Schienen und befestigten ein Seil daran. Als der Zug herankam, zogen sie das Schienenstück heraus, und der Zug entgleiste, wobei der Zugführer ums Leben kam und mehrere Fahrgäste verletzt wurden.



Illustrationskunst

Vierspännige Postkutsche · © 2008
 
Vierspännige Postkutsche
Steigen · © 2008
 
Steigen
Ochsengespann · © 2008
 
Ochsengespann
Diese Illustrationen sind nicht nur außerordentlich gut recherchiert, sie sind auch sehr liebevoll gestaltet und plastisch ausgearbeitet. Ich habe keinen Begriff davon, wie viel Arbeit in einer solchen Zeichnung steckt. Auf jeden Fall können diese Leute alles darstellen, was sie wollen, aus jeder Perspektive und in jeder beliebigen Genauigkeit.

Die Überfallseite benutzte zum Teil die Vogelperspektive, die sehr gut geeignet ist, eine große Übersicht zu liefern. Das Indianerbild wiederum wurde aus einer Perspektive gezeigt, die ein Betrachter hätte, wenn er ebenfalls auf einem Pferd säße. Den zweiten Satz Illustrationen, der diesen Abschnitt begleitet, habe ich aus dem vorherigen Abschnitt entnommen, "AUF NACH WESTEN" betitelt.

Auf dieser Doppelseite bekommt der Leser einen Begriff von den unendlichen Weiten Amerikas und der Entwicklungsrichtung von Osten nach Westen. Auch dieses Bild ist aus der Vogelperspektive gezeigt, wobei sowohl der Winkel als auch Abstand größer gewählt sind. Dadurch bekommt man einen sehr guten Eindruck sowohl von der Landschaft als auch von der Landnahme. Im Zentrum des Bildes vereinigen sich zwei Bahnlinien zu einer, die schnurstracks zum Horizont führt, begleitet von einer Telegraphenlinie.

Am Schnittpunkt der beiden Eisenbahnlinien hat sich eine kleine Siedlung gebildet, die anscheinend auch Stützpunkt für die Post ist, denn die Postkutsche fährt gerade vierspännig davon, und zwar im Schritt, wie man deutlich sehen kann. Bei meiner Reproduktion auf dem Bildschirm hat man ungefähr den Eindruck, den ich auch im Buch habe. Als ich diese Seite eingescannt hatte und geeignete Ausschnitte suchte, konnte ich erst in der Vergrößerung die subtile Kunst des Illustrators so richtig bewundern; in der normalen Größe wirken die Bilder nicht so gewaltig.

Eine unglaubliche Fülle von Einzelheiten ist in diesen Bildern untergebracht, so daß man wünschen möchte, die Kinder wollten sich die Bilder mit der Lupe anschauen. Gedacht, getan - ich greife die Leselupe meines verstorbenen Vaters, die ich von ihm geerbt habe und bisher noch nicht benötige, und betrachte denselben Ausschnitt im Buch mit diesem Hilfsmittel, und siehe da: das ist der Eindruck, den ich auch mit meinem Grafikprogramm produzieren konnte.

Ergo werde ich meinem Neffen empfehlen, sich diese Bilder mit der Lupe anzuschauen, und am besten eine solche gleich mit beilegen. Sollten Sie jüngere Kinder haben und diese Sachbücher mit Illustrationen besitzen, probieren Sie doch einmal diesen Lupentrick aus - vielleicht erleben Sie auch eine Überraschung, so wie ich.

Im wilden Westen scheint man die Kumte an der Deichsel gelassen zu haben, denn ich glaube nicht, daß der Illustrator sich diese Einzelheit ausgedacht hat. Vor einigen Tagen hatte ich irgendwo etwas über den Treck der Siedler nach Westen gelesen, kann mich aber jetzt nicht erinnern, wo und in welchem Zusammenhang das war. Jedenfalls wurde dort erwähnt, daß die berühmten Planwagen meistens von Ochsen gezogen wurden, sonst von Maultieren.

Auch diese Einzelheit hat unser Illustrator getreulich wiedergegeben, wobei interessanterweise der Wagen von sechs Paarhufern gezogen wird, während das Pferd hinten angebunden ist. Im Tender der Lok sind Hölzer säuberlich aufgeschichtet, genau zugeschnitten auf die Breite des Tenders. Auch das ist eine wesentliche Einzelheit, die vorher schon erläutert worden war: die Eisenbahnen im Wilden Westen wurden mit Holz befeuert, was leichter und billiger zu beschaffen war als Kohle.

Ich finde es großartig, daß in unserer technisierten Zeit Illustrationskünstler gedeihen, die mit dem Stift in der Hand Welten auferstehen lassen, die längst vergangen sind. Im Falle des Wilden Westens oder anderer Illustrationen zum Thema Eisenbahnen hätte man vielleicht auf Originalfotografien oder Filmszenarien zurückgreifen können, für die man die vergangene Zeit mit viel Aufwand und Akribie nachgestellt hat. Das Ergebnis würde vermutlich nicht so gut überzeugen wie die Zeichnungen, die zudem noch den Vorteil haben, daß der Zeichner nach Belieben Szenen zusammenstellen kann, die in Wirklichkeit so nicht vorgekommen sind.

Außerdem zieht der Künstler vermutlich viel mehr Befriedigung aus seiner schöpferischen Tätigkeit, als wenn er lediglich vorgefundene Fundstücke zusammensetzen würde. Wer Pferde und Menschen in jeder Haltung, aus jeder Richtung und in jeder Bewegung darstellen kann, mehr oder weniger ausgeführt, als Strichzeichnung oder als nahezu fotorealistische Malerei, fühlt sich vermutlich sehr wohl in seiner Haut. Ich jedenfalls bewundere diese Leute und glaube, daß Kinder anhand dieser Arbeiten mehr über die Welt lernen können als über bloße Fotos.

Zum Schluß war ich neugierig, wer sich Sergio nennt. Ich fand bei der Suche nach "Sergio Illustrator" zwei Illustratoren, die als Sergio (Illustrator) firmieren, aber beide stilistisch weit von unserem Sergio entfernt sind (» Sergio Baradat oder » Sergio Bardaat - er ist sich wohl nicht so sicher, wie er seinen Nachnamen schreiben soll - und » Martinez, Sergio). Selbst auf der Webseite des Verlags findet man nichts, weder bei der deutschen Tochter » Dorling Kindersley Deutschland noch bei der englischen Mutter » Discover more at dk.com. Aber immerhin habe ich den Originaltitel » Trains and Railways : Windows on the Worlds als zwölf Jahre altes, gebrauchtes Buch mit leichten Gebrauchsspuren (immerhin Riß auf einer Seite) für US$ 12.50 gefunden, aber auch dort wird lediglich der Textautor erwähnt. Die deutsche Ausgabe, die ich gerade erworben habe, wird für 3,95 EUR verkauft. Sollten Sie an dieser Buchreihe interessiert sein, fragen Sie Ihren Buchhändler, stöbern Sie wie ich im Warenhaus oder im Internet!



Quellen / Verweise


  1. Eisenbahn, Wissen ist stark, ISBN 3-89893-496-9, Köln 2003, Lizenzausgabe
  2.  Der Seher, Galeriebeitrag Ausgabe 176
  3.  Yakari, Galeriebeitrag Ausgabe 174
  4. » Sergio Baradat
  5. » Sergio Bardaat
  6. » Martinez, Sergio
  7. » Dorling Kindersley Deutschland
  8. » Discover more at dk.com
  9. » Trains and Railways : Windows on the World
  10.  Ponyspektakel, Eine Menge Spaß, das wollen die Leute!
      Ausgabe 282 · Teil 1
  11.  Das ist wie mit jungen Frauen, Ein Weihnachtsgeschenk und Züchterweisheiten
      Ausgabe 283 · Teil 2


Fotos
©  Werner Popken





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