Klar, eine S-Dressur fährt man nicht mal eben mit Links. Im Wesentlichen unterscheiden sich die Dressuren im Behindertenfahrsport auch nicht von denen für den Regelsport.
Im 100 x 40 m großen Dressurviereck wird das Gespann in verschiedenen Gangarten vorgestellt, dabei werden bestimmte Hufschlagfiguren (Volten, Zirkel, Schlangenlinien) gefahren.
Die Prüfungsteile, die für behinderte Sportler nicht fahrbar sind, werden ausgeklammert (z.B. das Fahren von Volten mit einer Hand). Bewertet werden die Selbsthaltung und Losgelassenheit der Pferde, die Reinheit der Gangarten, Sauberkeit der Ausführung, Stellung und Biegung bei Wendungen, etc.
Die Schwierigkeit einer Dressur ergibt sich auch durch die Abfolge der unterschiedlichen Gangarten und Figuren. Und diese WM-Dressur war besonders kniffelig! Nervös waren alle, man konnte das Knistern in der Luft förmlich spüren.
Eine andere Änderung im Reglement der IPEC (Internationale Paralympische Komitee für Pferdesport) ließ die Fahrer dagegen ruhiger schlafen: die Prüfung Präsentation würde nicht mehr am stehenden Gespann durchgeführt, sondern (zum Vorteil derer, die mit einer 'Kombi-Kutsche' sowohl in Dressur und Kegelfahren wie auch im Marathon antreten) während der Dressur am fahrenden Gespann.
Die Bewertung von Stilechtheit, Sauberkeit und Korrektheit des Gespanns würde als 15. Wertnote in die Dressurnote eingerechnet. Die gefürchteten kritischen Blicke auf Lackschäden, Reste von Putz- und Schmiermitteln an versteckten Stellen oder ein etwas knitteriges Jackett würden auf die Entfernung etwas milder ausfallen.
Der Donnerstag begann wieder kalt und sonnig und für die meisten, besonders die Helfer, viel zu früh. Zeitiges Füttern der Pferde, Wasser schleppen, Putzen, Nachflechten der über Nacht verrutschten Zöpfe, Kontrolle des Geschirrs, noch einmal den letzten Staub von der Kutsche putzen, Gespannnummern anbringen: die üblichen Aktivitäten.
Bei Opal stand schon früh der Hufschmied vor dem Stall, über Nacht hatten sich Sielkes Mann Jens, Julia, Doris und Andreas die Kühlaktionen geteilt, nun sollte wieder beschlagen werden.
Zügig brachte der Hufschmied das Eisen wieder an, ließ rund um die lädierte Stelle die Nägel aus: für die Dressur müsste das reichen. Aber - sollten sie jetzt schon ausprobieren ob Opal noch lahmt? Nein, lieber noch ein wenig Zeit zum Verschnaufen für Opal, Sielke wollte noch warten; sie musste erst als letzte deutsche Starterin in die Dressur.
Für die anderen wurde es schon Ernst, jetzt hieß es Daumen drücken für die Dressur. Als erster deutscher Starter musste Bernhard Bücker mit seinem Welsh-Pony Kurbaums Flop und seinem Beifahrer Christian Niehoff ins Dressurviereck.
Aber dies war nicht Flops Tag, lustlos und 'guckig' absolvierte er seine Prüfung, nichts lief so wie sonst, selbst auf die Hilfen seines Fahrers wollte er nicht reagieren, schaltete auf stur: schade. So reichte es nur für den 6ten Platz in Grad II.
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