
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Linda Tellington Jones hat das Geleitwort geschrieben.
| | Als ich dieses Buch zum erstenmal in den Händen hielt, zogen mich die wunderschönen Fotos in ihren Bann. Bilder voller Harmonie. Bilder, die Geschichten erzählen. Pferde sind Persönlichkeiten, jedes Einzelne hat einen Charakter, der sich in seinem Verhalten und in seinem Äußeren offenbart. | | |
Wenn Linda Tellington Jones das sagt, will das etwas heißen, denn diese Frau hat sich mit Pferdepersönlichkeiten auseinandergesetzt wie kaum jemand sonst. Das Leben mit den Pferden will auch in einem Buch inszeniert werden. Es beginnt mit der Geburt:
- Geburtstagsmorgen
- Die ersten Bocksprünge
- Die Welt öffnet sich
- Ausflüge
- Entgegenkommen
- Leben lernen
- Sitten und Gebräuche
- Sensible Kommunikation
- Traditionen
- Hochsommer
- Kacis Welt
- Sorgen
- Das Obst wird reif
- Herbstwinde
- Gelassenheit hält gesund
- Sichere Partnerschaft
- Zaumzeug
- Freundschaft verpflichtet
- Sensibilität
- Das Leben des Pferdes
- Winterlichter
- Zeitvertreib
- Wintervergnügen
- Ende der Milchzeit
- Die Zeit des Wachstums
- In Erwartung
- Die Geburt von Somnus
- Rätsel Somnus
- Troia und ihr Bewunderer
- Die besten Freunde
Dieses Buch schildert nicht einfach nur eine Idylle - dann wäre es vielleicht geeignet, Sehnsüchte zu wecken, könnte diese aber nicht befriedigen. Es ist ein Buch für Pferdefreunde, vorzugsweise solche, die selbst noch kein Pferd haben. Anhand der Schilderungen der erfahrenen Pferdeleute wachsen die Leser in deren Rolle hinein.
Pferdebesitzer, die sich vielleicht noch nicht so ganz sicher sind, ob sie den rechten Pferdeverstand entwickelt haben, werden von diesem Buch ebenfalls profitieren. Ich möchte das an einem zufällig ausgewählten Kapitel demonstrieren:
| SENSIBLE KOMMUNIKATION Pferde und Menschen haben eine sehr ähnliche Körpersprache. Das erleichtert Ihnen die Kommunikation mit Ihrem Pferd.
Gesichtsausdruck, Haltung, Gesten und Muskeltonus spiegeln das Befinden eines Pferdes ebenso deutlich wider, wie es bei uns der Fall ist. Es ist wissenschaftlich erwiesen, daß alle Säugetiere einschließlich des Menschen grundsätzlich viele Ähnlichkeiten aufweisen. Alle empfinden Freude, Zusammengehörigkeit, Schmerz, Sehnsucht und Furcht, und alle drücken diese Gefühle weitgehend gleich aus.
Wenn wir etwas von unserem Pferd wollen, uns aber nicht klar ausdrücken oder es sonstwie nervös machen, kann die Reaktion des Pferdes darin bestehen, daß es gähnt, sich die Lippen leckt, blinzelt oder sich so wenig und so langsam wie möglich bewegt. Damit sagt es auf Säugetierart, daß sich unwohl fühlt oder sich nicht sicher ist, was es tun soll.
Sie können Ihr Pferd beruhigen, indem Sie wegschauen, den Kopf senken, sich ein Stück entfernen oder ihm den Rücken zuwenden. So verhält sich auch ein Pferd, das an einem anderen näher vorbeigehen muß, als ihm lieb ist. Und Menschen, die in einem Aufzug eng zusammengepfercht sind, zeigen die gleiche Reaktion. Woanders hinzuschauen macht die Situation erträglich, wenn wir unangenehm eng mit Fremden zusammenstehen.
Wenn wir friedfertig seufzen und die Schultern fallen lassen, wird in der Regel auch das Pferd seufzen. In der Erregung atmet es flach, und wenn die Spannung nachläßt, seufzt es tief auf. Beugt sich der Mensch zusätzlich noch nieder und berührt etwas mit den Händen, wird das Pferd sich entspannen und neugierig wissen wollen, ob da vielleicht etwas Eßbares zu finden ist.
Wenn sich der Mensch angewöhnt, möglichst sensibel zu kommunizieren, wird das Pferd auch schon auf minimale Signale wie den Atemrhythmus reagieren. Gleichmäßiges und gelassenes Atmen beruhigt, auch wenn das Pferd seinen Reiter oder Fahrer noch nicht einmal sieht. Auch das Atmen im Gleichtakt entspannt und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Seite 34 | | |
Selbstverständlich ist dieser Text mit den aussagekräftigsten und liebenswertesten Bildern illustriert, die ich Ihnen hier aber nicht zeigen will. Der Text belegt nämlich schon, was ich Ihnen beweisen will: Hier wird keine finnische Idylle beschrieben, hier geht es um ganz normale Pferde-Menschen-Geschichten, wie sie ständig überall auf der Welt stattfinden.
Natürlich gibt es nicht überall so schönen Schnee und auch die Landschaft sieht in Finnland anders aus als anderswo. Dieser Einwand würde aber auf jeden anderen Standort ebenfalls passen. Davon abgesehen gibt es nach meiner Einschätzung nichts, was typisch finnisch wäre. Die Finnen lieben sogar dieselben Pferderassen wie wir!
Mit anderen Worten: Dieses Paradies kann überall Realität werden, wo ein Kontakt zur Natur möglich ist. In unserem Lande ist das fast überall der Fall. Die Großstädte sind umgeben von ländlichen Regionen; nach wenigen Kilometern ist man in den meisten Gegenden schon von sehr viel Natur umgeben.
Ich gebe zu, nicht überall wird man Pferde laufenlassen wollen - dazu ist die Ackerfläche oft zu wertvoll. Aber die Autoren haben mit ihrem Buch sicher nicht behauptet, daß es in Finnland keine städtischen Regionen gäbe oder daß man dort überall seine Pferde laufenlassen könne. Auch in Finnland wird es Einschränkungen wie bei uns geben. Wer also das finnische Paradies in Deutschland realisieren möchte, wird sich vielleicht bewegen und einen geeigneten Standort suchen müssen.
Es gibt aber keinen Grund, das Paradies nur in der Ferne zu suchen. Es kann hier und jetzt Realität werden, zumindest in der Phantasie und im Herzen. Vielleicht ist diesem Buch ein ähnlicher Erfolg beschieden wie einigen anderen Büchern, die ebenfalls paradiesische Sehnsüchte in einer Weise beschrieben haben, die eine Umsetzung möglich erscheinen ließen.
In diesem Fall würde das Buch, würden die Autoren einen enormen Einfluß ausüben. Ich wünschte, es würde so kommen. Die Konsequenzen für die Menschen und die Pferde sind unabsehbar, weil dieses Buch durchweg realitätsnah und mit großem Pferdeverstand geschrieben ist.
erschienen 11.07.04
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