Dazu sollte ein Werbefaltblatt entwickelt werden. Christel Schroeder sprach zu diesem Zweck Karl-Ludwig Lackner an. Vor der Drucklegung sollte er den Entwurf erhalten und seine Zustimmung geben.
Statt dessen wurde er durch die Zusendung von Belegexemplaren informiert, daß der Prospekt bereits gedruckt war. Als er diesen in Händen hielt, riß ihm der Geduldsfaden. Er schaltete einen Anwalt ein und verlangte, die Verbreitung des Faltblatts zu stoppen. Das konnten Verleger und Verein angeblich überhaupt nicht verstehen. Sogar sein eigener Anwalt soll nach deren Aussage mit dem Kopf geschüttelt haben.
Lackner wurde mir mithin als schwieriger Querulant dargestellt, mit dem man einfach nicht zusammenarbeiten könne, dessen Motive unverständlich seien, der unerfüllbare Forderungen stellte. Selbstverständlich sollte ich über diese unangenehmen Dinge nicht berichten, obwohl man sie mir aus freien Stücken berichtete. Immerhin beunruhigte dieser Fall alle Beteiligten, eine Klärung schien höchst willkommen zu sein.
Tatsächlich verspürte ich überhaupt keine Lust, dieser Sache nachzugehen und anderer Leute schmutzige Wäsche zu waschen. Andererseits beteuerten meine Gesprächspartner einhellig, Lackner wieder ins Boot ziehen und jegliche Hilfe in dieser Richtung dankbar akzeptieren zu wollen. Also lag es für mich nahe, diesen selbst zu befragen, um mögliche Mißverständnisse aufzuklären und vielleicht zu vermitteln; Christel Schroeder bestärkte mich in bezug auf diese Idee - vermutlich blieb ihr nichts anderes übrig, weil dies wirklich die logische Konsequenz ist.
Aber damit kam der Stein ins Rollen. Mit zunehmendem Erschrecken stellte ich fest, daß ich in ein Wespennest gestochen, oder, um vielleicht ein besseres Bild zu wählen, ein Geschwür entdeckt hatte. So genau wollte ich es doch gar nicht wissen, aber nun konnte ich mich der Eigendynamik der Geschichte nicht mehr entziehen und mußte meine eigene Verantwortung in dieser Sache wahrnehmen.
Warum reagierte Lackner in Bezug auf den Prospekt so drastisch? Der sieht doch auf den ersten Blick großartig aus! Von Werbung versteht nicht nur der Verleger etwas, sondern auch die Station, wie die vielen Werbebroschüren beweisen. Auch der gestoppte Buchprospekt "Wildbahn Senner Pferde", den mir Karl-Ludwig Lackner gezeigt hat, ist vorzüglich gestaltet. In quadratischem Format und zarten, vernebelten Hintergrundfarben erhalten, werden einzelne Objekte in kräftigeren, realistischen Farben herausgehoben.
Die Rückseite enthält das Logo der Biologischen Station Senne und daneben die vollständige Anschrift der "Arbeitsgemeinschaft Senner Pferde in der Biologischen Station Senne". Unter dem Logo der Station befindet sich das Logo der Stiftung EURONATUR, daneben der Text:
| Das Projekt "Wildbahn Senner Pferde" wird gefördert durch die Stiftung Europäisches Naturerbe. | Darunter das Spendenkonto und der Zusatz: "Alle Spenden sind steuerlich absetzbar." Am unteren Rand in weißer Schrift über dunkelbraunem, unscharfem Senner Heidekraut:
Viele ehrenamtliche Helfer unterstützen das Wildbahnprojekt. Machen auch Sie mit! | Wie man unschwer erkennt, geht es hier um Spenden, nicht um das Buch. Die Vorderseite zeigt zwei edle Pferde, das eine vollständig in der Seitenansicht, nach rechts blickend, ganz dunkel, mit angeleuchteten Ohren, davor, leicht schräg gestellt, etwas links aus der Mitte herausgerückt, ein Fuchs mit weißem Stern, der den Betrachter anschaut, geradezu fixiert, als wolle er ihn in Anspruch nehmen. Rechts oben wieder das Logo der Biologischen Station, unten in zwei verschiedenen Schriftarten "Wildbahn Senner Pferde".
| |