| |  | | Racker VIII, geb. 1954 v. Ramzes AA a.d. Colombine; Z. Lüpke, Lemgo; 1961 - 1966 Erfolge in Turnieren bis Klasse S; Berlin 1961: 4. d. Deutschen Meistersch. Springen unter K.H.Junker |  |  |  |
| Die Arbeit für gefährdete Rassen, die Mathias Vogt seit vielen Jahren leistet, ist mühselig, nicht nur im Falle der Senner. Auch dazu ein Beispiel: An diesem Wochenende richtet Vogt in Baden-Württemberg über die Nachzucht der Alt-Württemberger, die gleichfalls vor dem Untergang gerettet werden mußten.
Als Schüler schon hatte er den Zuchtleiter in Baden-Württemberg auf die Problematik des Rasseuntergangs aufmerksam gemacht, vergeblich, versteht sich. Viele alt angestammte Rassen sind in den letzten 30 Jahren fast oder tatsächlich vernichtet worden, weil die Verbandspolitiker das Deutsche Reitpferd als Einheitspferd gefordert und durchgesetzt haben.
Erst sehr spät haben einzelne Züchter sich diesem Druck widersetzt und versucht, die Errungenschaften der Vergangenheit für die Nachwelt zu retten. Bei den Alt-Württembergern ist die Situation auch heute noch nicht ganz einfach, wie ich schon von Dr. Raue, dem stellvertretenden Gestütsleiter des Haupt- und Landgestüts Marbach erfahren hatte ( Landeszucht).
Mathias Vogt klärte mich darüber auf, daß ein Teil der Züchter tatsächlich ein altes Kulturgut im Sinne der GEH bewahren möchte, während ein anderer Teil ein modernes Wagenpferd züchten will, ein schweres, elegantes Warmblut für den Fahrmarkt, wobei gentechnische Überlegungen weitgehend ausgeklammert werden.
Mit dieser Art Problemen schlägt sich der GEH-Koordinator ständig herum. Erstere Gruppe der süddeutschen Züchter kann auf seine Unterstützung hoffen, mit der anderen hat er nichts zu tun. Es geht dort nicht um die Erhaltung der alten Rasse der Alt-Württemberger, sondern um wirtschaftliche Interessen. Man will ein Pferd für einen speziellen Markt züchten und dazu diese Rasse benutzen.
Man hat manchmal den Eindruck, daß es so viele Interessen wie Züchter gibt. Bei jeder Zucht muß man natürlich ein Zuchtziel definieren, und dieses Zuchtziel ist selbstverständlich diskutierbar und kann verändert werden - muß vielleicht sogar verändert werden, weil die Ansprüche und Anforderungen sich ändern.
So war das schon immer, und auch in unseren Zeiten, wo man sich erstmals um die Erhaltung überkommener Strukturen um ihrer selbst willen Gedanken macht - sich solch einen Luxus überhaupt leisten kann - steht der Gebrauchszweck im Vordergrund. Für Mathias Vogt steht außer Frage, daß auch und gerade gefährdete Rassen genutzt werden müssen. "Wir können uns keine vierbeinigen Rasenmäher leisten, auch nicht in der Senne."
Zucht heißt also keinesfalls bloße Vermehrung, sondern gezielte Beeinflussung der Rasseentwicklung in Bezug auf das definierte Zuchtziel. Und dieses kann im Falle der Senner Pferde keinesfalls heißen, die Senner Landschaft zu entwickeln und zu erhalten und eine Kreislaufwirtschaft durch Beweidung einzuführen, wie das im Prospekt suggeriert wird - dann sind die Senner nämlich nur qualifizierte Rasenmäher - sondern die Senner dem Zweck zuzuführen, für den sie jahrhundertelang gezüchtet worden sind.
Sie sind bekanntlich nicht gezüchtet worden, um ein "freies und naturnahes Leben" zu führen, sondern die Haltung in der Wildbahn war eine Zuchtmethode unter anderen, nämlich eine Wirtschaftsart, die an die Hütebewirtschaftung des Mittelalters anknüpfte. Und als diese sich als unwirtschaftlich herausstellte, weil im Winter zu viele Pferde eingegangen waren, hatte der betreffende Eigentümer aus dem Hause Lippe die logische Konsequenz gezogen und die Aufstallung zur Winterzeit eingeführt.
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