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Bericht Zu den Themen Senner, Zucht · Mangelernährung
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Jungwallache, erfolgreiche Turnierpferde
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Gemeinsam geht es besser
Abgesehen davon waren die Senner immer zu wertvoll, als daß man sie sich ohne weiteres hätte selbst überlassen wollen - und sie sind es auch heute. Diese Pferde wurden früher als Staatsgeschenke und repräsentative Reitpferde gebraucht.

Heute sind sie eine extrem gefährdete Rasse und schon allein deshalb mit der entsprechenden Sorgfalt und Verantwortung zu behandeln. Aber auch damals waren die Dinge nicht so, wie die romantische Vorstellung von einer Wildbahn sie vielleicht nahelegt.

Denn es handelte sich nicht einfach nur um eine Wildbahn, sondern um ein Wildbahngestüt. Gestüt bedeutet, daß der Mensch gezielt, planend und lenkend eingreift. Daher sollte man das Schwergewicht vielleicht weniger auf Wildbahn, sondern vielmehr auf das Wort "Gestüt" legen.

Man hat nämlich zum Beispiel, wie allenthalben üblich, die Fohlen nach einem halben Jahr abgesetzt. Und dann wurden sie nicht wieder in die Wildbahn getrieben, wo sie sich natürlich sofort wieder mit ihren Müttern vereinigt hätten, sondern die Hengstfohlen wurden auf "fette Weiden" an die Weser verbracht (fett bezogen auf die damaligen Verhältnisse), die Stutfohlen wurden im Tiergarten aufgezogen. "Damit die sich auch ordentlich entwickeln konnten", so Karl-Ludwig Lackner.

Die aufgeklärte "Stuterey" weiß sehr genau, daß trächtige und laktierende Stuten eine entsprechende Ernährung brauchen, damit sie nicht selbst leiden und die Fohlen gut gedeihen. Darüber hinaus hat die moderne Futtermittelindustrie noch eine Fülle von Produkten anzubieten, die die Entwicklung der Fohlen ganz gezielt positiv beeinflussen sollen.

Ob alle diese modernen Futter- und Nahrungsergänzungsmittel notwendig sind, mag bezweifelt werden, aber es liegt auf der Hand, daß der jugendliche Organismus bei einer Mangelernährung bleibende Schäden davontragen muß.

Erwachsene oder fast erwachsene Tiere kann man wohl auf die Heidewiesen der Moosheide stellen. Tragende und milchgebende Stuten und stark wachsende Fohlen und Jährlinge brauchen aber nach Lackners Ansicht wesentlich gehaltvollere Nahrung und müßten zumindest entsprechendes Zusatzfutter bekommen. Das ist aber in der Moosheide absolut unmöglich, denn es handelt sich um ein Naturschutzgebiet. Nur eine Bewirtschaftung nach landwirtschaftlichen Gesichtspunkten mit Düngung und Grünlandpflege könnte diesem hohen Nährstoffanspruch gerecht werden.

Das ist also der Grund dafür, daß drei halbwüchsige Jungwallache in der Moosheide aufgestellt und die Zuchtstute Karina mit ihren beiden Fohlen beim Landwirt Brechmann untergebracht sind. Ich hatte mich schon gewundert, die Antwort auf meine nicht gestellte Frage aber bereits vorweggenommen. Ich vermutete, daß die Moosheide so viele Pferde nicht vertragen könnte. Für das Wildbahnprojekt waren diese Pferde offensichtlich überflüssig.

Bei Brechmann bekommen die Pferde Heu, weil noch keine Weide zur Verfügung steht. Herr Brechmann mußte wegen einer Allergie die Schweinezucht aufgeben. Für die Pferde wurde ein Offenstall im ehemaligen Schweinestall eingerichtet. Gleich nebenan wurde frisches Gras auf einem Acker eingesät, und dort darf man vermutlich auch düngen, weil es kein Naturschutzgebiet, sondern Ackerland ist. Diese zukünftige Weide soll den Pferden bald zur Verfügung stehen.

Für den Züchter Lackner reicht dieses aber immer noch nicht. Wer ein Hochleistungspferd heranziehen will, kann dieses Pferd nicht einfach irgendwo hinstellen und sich selbst überlassen. Das kann nicht unter "artgerecht" verstanden werden. Die Senner sind nun mal keine urwüchsigen Primitivpferde; sie sind hoch im Blut stehende Zuchtprodukte, die eine längere Zuchtgeschichte als alle anderen europäischen Kulturrassen haben. Sie müssen gemäß ihren Anlagen gefördert werden. Hierzu gehört die Gewöhnung an Halfter, Führen, Huf- und Fellpflege und Verladen, wie dieses in den Leitlinien zur Beurteilungen von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten gefordert wird (» Leitlinien).

Da nun die Biologische Station Senne gezüchtet hat, konnte Karl-Ludwig Lackner nicht umhin, die Aufzuchtbedingungen mit den Augen eines Züchters zu sehen. Ihm geht es natürlich nicht um die bloße Vermehrung, sondern um die Weiterentwicklung der Rasse, zumindest die Haltung des erreichten Standards. Und dazu müssen die Aufzuchtbedingungen entsprechend gegeben sein.


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