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Bericht Zu den Themen Senner, Zucht · Editorial: Rettungsaktion
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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
20.06.2004

Rettungsaktion

Die Rückkehr der Senner - wer wollte bei diesem Titel nicht wohlwollend teilnehmen, vielleicht sogar Hilfestellung anbieten? Bei einem solchen Projekt kann doch nichts schiefgehen, oder? Schon gar nicht, wenn die Angelegenheit in aller Öffentlichkeit verhandelt wird.

Aber anscheinend ist dem nicht so, und mir kommt die undankbare Rolle zu, den Sachverhalt nach und nach aufzuklären. Natürlich geht es nicht darum, Personen oder Institutionen Schuld zuzuweisen. Es geht um die Sache, und man darf gespannt sein, wie man die Angelegenheit auflösen kann. Denn eine Lösung muß und wird es geben.

In dieser Woche hören wir erstmals, was der Züchter zu sagen hat. Der weiß natürlich auch nicht alles. Ich werde noch weitere Personen befragen müssen, die mit dem Wildbahnprojekt befaßt waren.

Letzten Endes geht es um nicht mehr und nicht weniger als um die Rettung einer gefährdeten Haustiererasse für absehbare Zeit. Solche Rettungsaktionen sind in einigen Fällen geglückt, in anderen ist die Situation offen. Zucht ist zunächst das Engagement Einzelner, und damit zeitlich begrenzt.

Die Araberzucht des Königs Wilhelm I. von Württemberg konnte bis zum heutigen Tage überdauern, weil der König erstens in seinem Testament die Fortführung der Zucht verfügt hat und zweitens seine Nachkommen dieses Testament respektiert haben. Und als das nicht mehr möglich war, wurde die Verpflichtung dem Staat auferlegt, der sie dem Haupt- und Landgestüt Marbach weitergegeben hat. Diese Art Zukunftsvorsorge ist jedoch sehr selten und im Regelfall nicht durchzuführen.

Die hochberühmte Araberzucht des Gestüts Ostenfelde ist aufgelöst, existiert nicht mehr, gehört der Vergangenheit an. Zwar darf sich das Gestüt  Farisha in gewisser Weise als Nachfolger fühlen, aber eigentlich ist das ein Neuanfang.

Trotzdem ist dieses Ende nicht tragisch, denn so geschieht Zucht im allgemeinen - verteilt auf viele Schultern, kann wohl hier und da ein Betrieb eingestellt werden, weil es viele gibt und gleichzeitig anderswo ein neuer entsteht. Sicher gibt es Meinungsunterschiede darüber, wann eine Rasse in die Gefährdungszone gerät. Dunkel erinnere ich mich, von 2000 Tieren gelesen zu haben, die die Untergrenze darstellen sollen. Davon sind die Senner noch sehr weit entfernt.

In den nächsten Jahrzehnten wird es darum gehen müssen, die Sennerzucht nicht nur zahlenmäßig stark anzuheben, sondern auch auf viel mehr Schultern zu verteilen. Wenn es hierzulande möglich ist, blühende Zuchten exotischer Rassen aufzubauen, sollte es doch wohl auch möglich sein, eine angestammte, bodenständige Zucht, noch dazu die älteste überhaupt, zu retten und wieder zu neuer Blüte zu erwecken.

Wenn man sich vor Augen führt, daß die Senner immer nur in einem einzigen Gestüt gehalten wurden und die Population generell immer recht klein war, mag der Grad der Gefährdung nicht mehr so dramatisch erscheinen. Nichtsdestotrotz wäre es ein Fehler, die Verpflichtung gegenüber dem Erbe gering zu achten. Die Rettung der Senner sollte eine Angelegenheit von überregionalem Interesse sein. Und wenn dabei Fehlentwicklungen vorkommen, ist das kein Beinbruch, sondern normal und Gelegenheit für einen Lernprozeß.

 
Chefredakteur und Herausgeber
 
 






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