
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Ethische Grundsätze Von › Werner Popken
Das Buch, das ich in dieser Woche näher angeschaut habe (› Was die Cowboys noch wußten), bringt auf den letzten beiden Seiten neun Grundsätze zum Verhältnis des Menschen zum Pferd, erarbeitet und herausgegeben im Jahre 1995 von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).
| Die ethischen Grundsätze des Pferdefreundes
Grundsatz Eins Wer auch immer sich mit dem Pferd beschäftigt, übernimmt die Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen.
Grundsatz Zwei Die Haltung des Pferdes muß seinen natürlichen Bedürfnisse angepaßt sein.
Grundsatz Drei Der physischen wie psychischen Gesundheit des Pferdes ist unabhängig von seiner Nutzung oberste Bedeutung einzuräumen.
Grundsatz Vier Der Mensch hat jedes Pferd gleich zu achten, unabhängig von dessen Rasse, Alter und Geschlecht sowie Einsatz in Zucht, Freizeit oder Sport.
Grundsatz Fünf Das Wissen um die Geschichte des Pferdes, um seine Bedürfnisse, sowie die Kenntnisse im Umgang mit dem Pferd sind kulturgeschichtliche Güter. Diese gilt es zu wahren und zu vermitteln und nachfolgenden Generationen zu übermitteln.
Grundsatz Sechs Der Umgang mit dem Pferd hat eine persönlichkeitsprägende Bedeutung gerade für junge Menschen. Diese Bedeutung ist stets zu beachten und zu fördern.
Grundsatz Sieben Der Mensch, der gemeinsam mit dem Pferd Sport betreibt, hat sich und das ihm anvertraute Pferd einer Ausbildung zu unterziehen. Ziel jeder Ausbildung ist die größtmögliche Harmonie zwischen Mensch und Pferd.
Grundsatz Acht Die Nutzung des Pferdes im Reit-, Fahr- und Voltigiersport muß sich an seiner Veranlagung, seinem Leistungsvermögen und seiner Leistungsbereitschaft orientieren. Die Beeinflussung des Leistungsvermögens durch medikamentöse sowie nicht pferdegerechte Einwirkung des Menschen ist abzulehnen und muß geahndet werden.
Grundsatz Neun Die Verantwortung des Menschen für das ihm anvertraute Pferd erstreckt sich auch auf das Lebensende des Pferdes. Dieser Verantwortung muß der Mensch stets im Sinne des Pferdes gerecht werden. | | |
Diese Grundsätze scheinen mir von unterschiedlicher Qualität zu sein. Grundsatz Zwei zum Beispiel: Wie ist dieser zu interpretieren? Ich habe aus dem Cowboy-Buch zitiert, was die natürlichen Bedürfnisse der Pferde sind. Welche Forderungen für die Haltung sind abzuleiten? Wann ist die Haltung den Bedürfnissen angepaßt und wann nicht?
Der Grundsatz sagt: Die Haltung muß die natürlichen Bedürfnissen angepaßt sein. Ist sie das? Immer? Was passiert, wenn das nicht der Fall ist?
Mein Tip für diese Woche: Sinnieren Sie mal im Laufe der nächsten Woche über den einen oder anderen Grundsatz, klopfen ihn ab auf seine Substanz, prüfen für sich, ob er für Sie gültig ist, ob Sie ihm genügen, und wenn nicht, welche Konsequenzen Sie ziehen wollen.
Manche Grundsätze sind vielleicht für Sie selbstverständlich. Wie sieht das mit Grundsatz Neun aus? Was bedeutet die Floskel "Dieser Verantwortung muß der Mensch stets im Sinne des Pferdes gerecht werden."? Was haben sich die Autoren der FN dabei gedacht?
| |