|  | | Ein Hengstfohlen kam bei den Wildpferden in Leer auf die Welt, aus Im Jahre 2004: Die biologische Station Senne, Zeitungsfoto |  |  |  |
| Darüber hinaus mobilisieren die Pferde in der Bevölkerung und in den Medien natürlich ganz andere Sympathien als Schafe, Vögel, Käfer oder Pflanzen. Ein Artikel über den "Verkannten Grashüpfer" macht sich einfach nicht so gut, obwohl er vielleicht ebenso sensationell ist.
Ich persönlich habe die Artikel über die Landschaft, die Pflanzen, die Insekten und die Vögel mit großem Interesse gelesen und mir die Fotos mit Vergnügen angeschaut. Ich bewundere die Biologen, die über Flora und Fauna so viel wissen und sich so große Mühe geben, noch mehr darüber in Erfahrung zu bringen.
Für die Biologische Station Senne war die Einrichtung des Beweidungsprojektes eine Herausforderung, da sie bislang keine Erfahrung mit Pferden hatte. Mit der Unterstützung des Tierarztes und mehrerer Landwirte, die Mitglieder der Biologischen Station sind, gelingt jedoch die Betreuung der Pferde in der Wildbahn.
Insgesamt hatte ich den Eindruck, daß die Liebe der Biologen den Käfern gehört, während die Pferde mehr Mittel zum Zweck sind. Das Projekt Wildbahn wurde gewissermaßen instrumentalisiert, für die Belange der Station eingespannt, und hat sich sogar in Bezug auf die Ziele der Station bewährt - desto besser, aber die Pferde bleiben gewissermaßen ein Fremdkörper.
Notgedrungen werden aus Naturschützern Züchter, aus Einsicht in die Konsequenzen. Man gewinnt die Pferde durchaus lieb, aber wird man dadurch zum Pferdeliebhaber? Dann müßte man vermutlich nicht betonen, daß man sich immer wieder um die Pferde kümmern muß. Für einen Pferdebesitzer ist das nicht der Rede wert. Selbstverständlich schaut man auch gern am Wochenende nach seinen Lieblingen und erfreut sich an ihnen. Von angestellten Biologen kann man das nicht ohne weiteres verlangen.
Außerdem: Wenn Pferde die besseren Landschaftspfleger sind, ist das noch keineswegs ein Argument für die Senner. Zwar haben die Senner jahrhundertelang in der Senne gelebt, aber vor den ersten schriftlichen Aufzeichnungen gab es schließlich auch schon Pferde dort, und die kann man noch nicht als Senner bezeichnen.
Daß Pferde sich für den Landschaftsschutz und die Landschaftspflege eignen, hat man auch anderswo herausgefunden. So hat man auf Naturschutzflächen am Rande von Leer in Ostfriesland ebenfalls "Auerochsen und Wildpferde" ganzjährig als Landschaftspfleger eingesetzt, wobei letztere sich als Koniks entpuppen. Selbstverständlich wird das niedersächsische Projekt von Biologen betreut, vom NABU ( Rückkehr der Senner Pferde).
Nicht weit entfernt, in den Lippeauen bei Soest, setzt man ebenfalls mit großem Erfolg Koniks und Heckrinder ("Auerochsen") zur Landschaftspflege ein (Ostfriesischer Kurier: Junges Leben bei wilden Pferden, Ostfriesischer Kurier: Junges Leben bei wilden Pferden). Diese Koniks hat man von befreundeten Biologen aus Holland bekommen ( » Großsäuger in der Landschaftspflege), die, so erfahre ich von Aloys Sielhorst und dem Diplom-Biologen Frank Ahnfeldt, in dieser Hinsicht viel rigoroser sind. Dort dürfen Tiere auch in der freien Natur verenden und als Kadaver herumliegen, die dann genauso entsorgt werden wie tote Bäume hierzulande in Nationalparks, nämlich durch Pilze, Maden, Käfer und andere Tiere.
Unter dem Gesichtspunkt des Landschaftsschutzes könnte man genausogut oder noch besser mit Koniks argumentieren. Koniks sind als Robustrasse vermutlich pflegeleichter. Sie können als urwüchsiger gelten und damit ebenfalls punkten - sie gleichen mit Sicherheit den Pferden in der Senne vor 1000 Jahren wesentlich mehr als die heutigen Senner. Und man muß sich nicht jeden Tag vergewissern, ob es ihnen gut geht.
Das ist nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit und des Arbeitsrechts. Denn im Sinne des modernen Naturschutzes würde man idealerweise nicht nur die Pflanzen und ausgewählte Tiere, sondern alle, auch die Pferde, sich selbst überlassen.
Da die Senner als besonders wertvoll gelten und so extrem gefährdet sind, eignen sie sich für diese Art der Haltung eben nicht so gut, man muß schon auf sie aufpassen. Auf der anderen Seite kann man mit den Sennern natürlich eine wesentlich bessere emotionale Wirkung erzielen als mit den primitiven Koniks. Die Koniks wären ebenfalls die besseren Heidschnucken, würden aber nicht so viel historischen Ballast mit sich bringen und nicht die Art der emotionalen Bindung, die gerade das Reizvolle an den Sennern ist.
Das sind nun meine Eindrücke nach relativ kurzer Beschäftigung mit den Projekt Wildbahn. Wenn Karl-Ludwig Lackner ebenfalls den Eindruck gewinnen mußte, daß die Biologische Station seine Vision mit völlig anderen Augen sieht, andere Ziele damit verfolgt, die nicht die seinen sind, wundert es mich nicht, daß seine Begeisterung für das Projekt und dessen Träger nachgelassen hat. Sein Herzblut gehört jedenfalls den Sennern. Er will diese Pferde in der Senne sehen, damit es den Pferden gut geht. Die Landschaft, Flora und Fauna der Senne sind ihm vermutlich weniger wichtig.
Quellen
- Pferde in der Wildbahn, Hauptartikel Ausgabe 271
- Rückkehr der Senner Pferde, Rezension Ausgabe 271
- » Biologische Station Senne
- » Wildbahn Senner Pferde
- » Nationalpark Eifel
- » Biologische Stationen in NRW
- » Naturschutzbund Deutschland (NABU)
- » Öffentlich-rechtlicher Vertrag zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen, der Landeshauptstadt Düsseldorf und dem Kreis Mettmann über die Finanzierung des Vereins 'Biologische Station Urdenbacher Kämpe e.V.' vom 5. Dezember 1991
- » GEH
- "... so frei, so stark ...", Rezension Ausgabe 174
- » Zur Geschichte der Senner Pferde
- » Pferde als Landschaftspfleger
- » Das Wildbahnprojekt
- Das Furlbachtal, Natur- und Grundwasserschutz Hand in Hand. Ein Wanderführer
Biologische Station Senne, Stadtwerke Bielefeld - Naturkundlicher Lehrpfad im Naturschutzgebiet Moosheide
Kreis Gütersloh, Kreis Paderborn, Biologische Station Senne e.V. - Senne-Parcours Hövelhof, Wegweiser zu Natur und Kultur der Senne in zwölf Stationen, mit großem Kartenteil
Biologische Station Senne e.V. - Im Jahre 2004: Die biologische Station Senne, Biologische Station Senne e.V.
- Ostfriesischer Kurier: Junges Leben bei wilden Pferden, Pflegeflächen in Leer auf dem Weg zu Vogelparadiesen, 23.4.2004
» Großsäuger in der Landschaftspflege, Mitteilungen aus der NNA, 1/2004- » Naturentwicklung mit großen Pflanzenfressern
- » Wilde Pferde finden neue Heimat in der Lippeaue
- Pferde in der Wildbahn, Die Senner und ihre Zukunft, Hauptartikel Ausgabe 271 · Teil 1
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Fotos
© Werner Popken Guido Sachse, aus Rückkehr der Senner Pferde
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