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Bericht Zu den Themen Fohlenaufzucht, Senner, Wildbahn · Rezension: Was die Cowboys noch wußten
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Diacont, Kerstin

Was die Cowboys noch wußten
Wie das Pferd funktioniert · Sicherheitsfaktoren und Angstbewältigung

112 Seiten, 15,5 x 20,5 cm, broschiert, 84 Farbfotos
München, 1998 · BLV Verlag, München
ISBN 9783405155056


12,95 EUR      Bestellen


Der Verlag sagt über das Buch:

Artgerechte Haltung und eine natürliche Ausbildung sind die Grundlage für harmonisches Reiten. Wer die Arbeit der Cowboys beobachtet, kann das Wissen um die natürlichen Verhaltensweisen des Pferdes und wie man diese für eine kraftsparende, harmonische Reitweise nutzen kann, abschauen. Back to the roots!

Was die Cowboys noch wußten heißt das Buch von Kerstin Diacont, das in der Reihe BLV Pferdepraxis erschienen ist. Sie beschreibt anschaulich, wie artgerechte Haltung und eine Basisausbildung an der Hand in ganz besonderem Maße das Vertrauen und den Gehorsam des Pferdes fördern. Sie zeigt, wie der Reiter spielerisch die beiden Impulse Fluchtinstinkt und Herdentrieb für das Reiten mit minimalen Hilfen nutzen kann und wie man dem Pferd ermöglicht, seine Angst selbst zu bewältigen. Die Autorin gibt Tipps für das richtige Timing in der Ausbildung, wie die Angebote, die das Pferd macht, genutzt werden können, um gezielt die natürlichen Anlagen in die richtigen Bahnen zu lenken. Zahlreiche Ratschläge liefert die Autorin auch für Wanderritte, vom richtigen Anbinden, Füttern unterwegs bis hin zum Notbeschlag und erste Hilfe für die Tiere. Sie gibt Tipps zu kleinen Reparaturen, die man leicht selbst erledigen kann, und zeigt wie bestimmte Ausrüstungsteile selbst hergestellt werden können.

Was die Cowboys noch wußten berücksichtigt die natürlichen Bedürfnisse des Tieres, zeigt, wie man sich und dem Pferd Stress ersparen und mit einfachen und effektiven Methoden ein sicheres Pferd ausbilden kann.



Klappentext

Die Reihe "BLV Pferdepraxis" ist wegweisend für jeden Pferdefreund. Fundiert und kompakt bietet sie das komplette Know-how rund um Pferde und Reitsport. Im Vordergrund steht dabei immer der verantwortungsvolle Umgang mit dem Pferd und die Berücksichtigung seiner natürlichen Bedürfnisse - Basis für erfolgreiches Reiten und eine echte Freundschaft zwischen Mensch und Pferd.

Aus dem Inhalt:
Wie verhält sich ein Pferd in seiner natürlichen Umgebung? · Artgerechter Umgang mit dem Pferd · Artgerechte Haltung · Wie funktioniert ein Pferd? · Kontrolle und Angstbewältigung · Lernen und Leistung ohne Erfolgsdruck · Ausrüstung für Arbeits- und Geländepferde · Unterwegs mit Pferden · Die ethischen Grundsätze des Pferdefreundes





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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu dem Buch:
von   Werner Popken

Dieses Buch beinhaltet mehr, als man auf den ersten Blick erwarten möchte. Es hat wenig mehr als 100 Seiten, eine Fülle an Fotos und Illustrationen (die der Verlag nicht einmal erwähnt), und zeigt in jedem Satz, daß die Autorin weiß, wovon sie spricht. Die Illustrationen stammen übrigens sämtlich von der Autorin, die auch Layout und Satz besorgt hat.

Selbst wenn man schon alles über Pferde weiß, liest sich das Buch höchst vergnüglich, weil die Autorin es versteht, die Dinge kurz und knapp auf den Punkt zu bringen. Das möchte ich Ihnen durch ein ausführliches Zitat deutlich machen. Das erste Kapitel heißt "Natürliches Verhalten" und trägt als Überschrift "Wie verhält sich das Pferd in seiner natürlichen Umgebung?"

Es erscheint sinnvoll, sich zunächst mit dem Pferd an sich zu beschäftigen, um es verstehen zu lernen und daraus für den späteren Umgang die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das natürliche Verhalten steht im Vordergrund, denn wir wollen ja mit dem Pferd umgehen. Die Überschrift ist als Frage formuliert, der Inhalt wird die Antworten liefern. Jedes Kapitel wird mit einem großen Bild eingeleitet; in diesem Fall eine Pferdeherde in einer steppenähnlichen Wildnis, der Hengst deckt gerade eine Stute, die ein Fohlen bei Fuß führt, andere Stuten schauen zu. Es könnte sich um Quarter Horses handeln.

Als Untertitel dient sozusagen das Resümee: "Das Pferd als Herdentier". Neben dem Bild die Quintessenz:

Das Pferd ist ein Herdentier.

Die Herde bietet ihm Sicherheit und soziale Kontakte.

Im Gegenzug muß sich jedes Herdenmitglied den Gesetzen der Herde unterwerfen. Eine Rangordnung, an deren Spitze die Stärksten und Klügsten stehen, sichert das Überleben der schwächeren und jungen Tiere.

Diese wenigen Sätze implizieren schon eine ganze Reihe von Konsequenzen. Auf der nächsten Doppelseite das Wort VERHALTEN und die Untertitel "Herdenregeln", "Hautpflege", "Flucht", "Bewegungsdrang, Spieltrieb, Neugier", "Schnelle Reflexe", Individualität.

Dazu drei Fotos: links oben ein Pferd, das mit einem Plastikeimer spielt, Untertitel "Ausgeprägtes Spieltrieb.", darunter zwei Pferde, deren eines den Rücken des anderen beknabbert, als Titel darüber "Fellpflege gehört zum Sozialverhalten." Rechts unten ein galoppierendes Pferd mit mit der Erläuterung: "Bewegung gehört zu den Grundbedürfnissen des Pferdes."

Diese Fotos stimmen in die Argumentation ein und lassen erkennen, wie die Autorin aus den Eigenschaften und Bedürfnissen der Pferde Regeln für den richtigen Umgang ableiten will. Der erste Textblock zum Thema Herdenregeln lautet:

Die ranghohen Tiere bestimmen, wann und wohin die Herde sich bewegt, wann Flucht angesagt ist und wann gefressen werden darf. Sie können jedes rangniedere Tier von seinem Platz vertreiben oder es daran hindern, zu fressen oder zu saufen. Rangniedere dürfen ranghohe Tiere nicht überholen, wenn die Herde sich bewegt - damit ist sichergestellt, daß die Richtung von denen bestimmt wird, die die meiste Erfahrung haben.

Ein ranghohes Tier genießt sowohl den Respekt als auch das Vertrauen der Nachrangigen.

Diese wenigen Worte bringen die Hauptregeln innerhalb der Herde auf den Punkt. Daraus kann man ableiten, daß Menschen, die von Pferden überholt werden (was man überall sieht und von Experten als korrekte Führhaltung verlangt wird), von den Pferden entsprechend eingeschätzt werden müssen.

Ähnlich kompakt und vielsagend sind die nächsten Abschnitte, die ich hier auslassen will, um dafür einen weiteren in voller Länge zu bringen:

Bewegungsdrang, Spieltrieb, Neugier

Als Fluchttier und als wandernder Pflanzenfresser ist das Pferd von Natur aus dauernd in Bewegung. Es wandert im gemächlichen Schritt fressend über die Weide, legt auf dem Weg zu neuen Futterplätzen längere Strecken in Trab zurück oder galoppiert in wilder Flucht aufgeschreckt davon. Besonders junge Pferde entwickeln meist so viel Bewegungsdrang, daß sie auch spielerisch bockend und Haken schlagend durch die Landschaft galoppieren. Je nach Blickwinkel kann man das als Training für den Ernstfall, aber auch als reine Lust an der Bewegung, als Ausdruck der Lebensfreude betrachten. Damit sind wir bei einer Besonderheit der Art Pferd, die sie mit ähnlich hochentwickelten Tieren, wie zum Beispiel Delphinen, teilt: dem Spiel - einem Verhalten, das nicht direkt der Nahrungsbeschaffung, der Sicherheit oder der Arterhaltung dient, also grundsätzlich zweckfrei ist.

Das Pferd ist also ein Bewegungstier mit ausgeprägtem Spieltrieb. Ohne ausreichende Bewegung verkümmert nicht nur sein Organismus, sondern auch seine Psyche, denn beide stehen nicht nur beim Menschen in einer Wechselbeziehung, sondern auch beim Pferd.

Gesteigerte Beweglichkeit gilt als Ausdruck für einen entwicklungsgeschichtlichen Hochstand einer Art und bedingt eine schnelle Reaktion und rasche Auffassungsgabe dieser Art - was beim Pferd hundertprozentig zutrifft. Es ist von Natur aus neugierig und wird, wenn man ihm nur genug Zeit gibt, auch angsteinflößende Dinge erkunden. Neugier und Lernbereitschaft machen das Pferd zu einem idealen Partner in der Zusammenarbeit mit dem Menschen. Ohne diese Eigenschaften wäre eine Ausbildung des Pferdes zum "Sportpartner" nicht möglich.

Wieder hat die Autorin mit wenigen Worten die Grundlage für die weitere Arbeit gelegt. Sie hat erklärt, warum das Pferd überhaupt ausgebildet werden kann, wie man die natürlichen Anlagen dazu ausnutzen kann und was das Pferd braucht, um sich pferdegerecht entwickeln und leben zu können. Dabei hat sie das Kunststück vollbracht, die Bedürfnisse des Pferdes mit denen des Menschen zu vergleichen und zu verknüpfen. Kann man jetzt noch guten Gewissens sein Pferd in eine Box einsperren?

Das soll genügen. Unprätentiös, präzise, knapp, durchdacht entwickelt die Autorin ein komplettes System, das hin und wieder durch Rückgriffe auf die Cowboys und deren Arbeit dem Titel des Buches Rechnung trägt. Folgerichtig tragen die Pferde ausschließlich Westernsattel, Westernzäumungen, tragen die Reiter Westernoutfit. Da es aber um das Pferd an sich geht und auch die Westernpferde nur Pferde sind wie alle anderen auch, ist dieses Buch für alle Reitarten geeignet. Ein Schulterherein bleibt eben ein Schulterherein, unter welcher Flagge auch immer es geritten wird.

Das Buch wird abgeschlossen mit den "ethischen Grundsätzen des Pferdefreundes", die 1995 von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) verarbeitet und verabschiedet wurden. Auch die gelten für alle Pferde und alle Reitarten. Die FN ist nicht dafür bekannt, sich mit der Kunst der Cowboys zu befassen.


erschienen 13.06.04




Siehe auch die folgenden Rezensionen:
Ausgabe 161, Diacont, Kerstin:  Mit System zum harmonischen Reiten, Das konsequente Ausbildungs- und Trainingskonzept
Ausgabe 225, Diacont, Kerstin:  Besser Westernreiten mit George Maschalani, Profitips für Training und Turnier
Ausgabe 289, Diacont, Kerstin:  Erfolgreich arbeiten mit Pferden, Entspannt reiten, stressfrei ausbilden mit minimalen Hilfen
Ausgabe 343, Diacont, Kerstin:  Reitstunde, Die klassische Ausbildung modern vermittelt
Ausgabe 379, Diacont, Kerstin / Löffler, Andrea:  Richtiges Training - Gesundes Pferd, Anatomisches Grundwissen für Reiter und Ausbilder


· Siehe auch  Tipp 272



Diacont, Kerstin

Was die Cowboys noch wußten
Wie das Pferd funktioniert · Sicherheitsfaktoren und Angstbewältigung

112 Seiten, 15,5 x 20,5 cm, broschiert, 84 Farbfotos
München, 1998 · BLV Verlag, München
ISBN 9783405155056


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©1999-2004 · ISSN 1437-4528 · Statistik:  Übersicht
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