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Bericht Zu den Themen Fohlenaufzucht, Senner, Wildbahn · Editorial: Naturschutz
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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
13.06.2004

Naturschutz

Anläßlich der Artikelserie über die Biologische Stationen Senne sind mir einige Dinge deutlicher geworden. Was es zum Beispiel mit dem Naturschutz auf sich hat - daß Naturschutz viel mit Kultur zu tun hat, nämlich mit dem Gewachsensein von Strukturen, die in dem Moment ihren Wert offenbaren, wo sie verlorenzugehen drohen.

Hier greifen Fachleute ein, um bewußt etwas zu gestalten, was natürlich aussieht, aber nicht natürlich ist. Diese bewußte Gestaltung kann auch darin bestehen, nichts zu tun. In diesem Falle beobachten die Naturschützer gespannt, was unter diesen Umständen alles passiert und lernen eine ganze Menge dazu - um in dem Moment sofort einzugreifen, wenn die natürliche Entwicklung eine Wendung nehmen sollte, die den Naturschützern nicht genehm ist.

Der Psychologe und Philosoph Watzlawik soll einmal gesagt haben: "Man kann nicht nicht kommunizieren." So begreife ich das Dilemma mit der Natur. Wir sind ein Teil der Natur, aber wir formen die Natur, die dadurch Kultur wird, und wir können gar nicht anders. In diesem Sinne könnte man sagen: Natur gibt es gar nicht, es gibt höchstens Entwicklungen, die der Mensch noch gar nicht wahrgenommen hat. Sobald er bemerkt, daß etwas passiert, was ihm nicht paßt, greift er ein, unweigerlich.

Dann aber wieder wird klar, daß die Natur viel größer ist als der Mensch und ständig im größten Stil zaubert, so daß der aufmerksame Beobachter genauso oft in andächtiges Staunen verfällt. Wir Menschen glauben so gern, daß wir alles im Griff haben, daß wir alles machen können, aber in Wirklichkeit ist das lächerlich.

Wir haben nichts im Griff, jederzeit kann alles passieren. Das Leben ist und bleibt unsicher und voller Überraschungen. Und was das Machen betrifft, so ist es schon ganz erstaunlich, was wir Menschen alles zustandebringen, aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was die Natur zuwege bringt. Die modernen Wissenschaftler versuchen verzweifelt herauszufinden, wie die Wunder der Natur nachgeahmt werden können. Der Faden einer Spinne zum Beispiel hat Eigenschaften, die die moderne Industrie nicht nachbauen kann.

Grundsätze

Die neun Grundsätze der FN, über die ich in der  Rezension dieser Woche gestolpert bin, kann man vielleicht zu einem einzigen zusammenziehen: "Staune über das Wunder Pferd und behandle es mit der gebührenden Ehrfurcht."

Wunder, Ehrfurcht - Worte, die so gar nicht in unsere Zeit passen wollen. Wunder gibt es nicht, die Ehrfurcht hat der Respektlosigkeit Platz machen müssen. Der Preis für diese Entwicklung ist hoch. Eine Verarmung ist die Folge, ein Mangel macht sich breit, ein Vakuum tut sich auf, das gefüllt werden will. Das Karussell dreht sich immer schneller, die Anstrengungen werden immer verzweifelter, aber ein Sättigungsgefühl will sich nicht einstellen.

Unsere Gesellschaft jagt nach dem Glück und es entzieht sich ihm. Allenthalben wird beklagt, daß die ethische Grundsätze abhandengekommen sind, nicht nur im Pferdesport. In der Politik, in der Wirtschaft, in der Kunst, überall ist das Maß verlorengegangen, zeigen sich widerliche Fratzen, gerät die Entwicklung aus dem Ruder. Wer hat noch das Ganze im Blick, wer kümmert sich um die Zukunft?

In meinem Bericht über das Therapeutische Reiten habe ich Beispiele gebracht, wie Pferde den Menschen wieder Halt geben können, Boden unter den Füßen, ein Gefühl für Grundsätze, die nicht diskutiert werden müssen, die nicht diskutiert werden können ( Die Menschen). Diesen Dienst können uns nur Pferde erweisen. Wer wollte das von einer Kuh erwarten, einem Hund, einer Katze, einem Schaf?

Freilich bedarf es auch hier in der Regel eines Lehrers, eines Therapeuten, der das Pferd schützt und lenkt, damit es seine Kraft ausspielen kann. Denn im Regelfall geht der Mensch mit dem Pferd genauso um wie mit allen anderen Dingen: selbstsüchtig, kurzsichtig, leistungsorientiert, zweckgebunden. Es ist schwer, sich außerhalb des Systems zu bewegen, anders zu sein als die anderen, den eigenen Werten treu zu bleiben. Aber nur dafür lohnt es sich zu leben!

 
Chefredakteur und Herausgeber
 
 






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