|  | Dimpel v. Wermut a.d. Dieone v. Euben Harmonischer Körperbau und Temperament |  |  |  |
| |  | | Kräftige Hinterhand, wachsames Ohr |  |  |  |
| Nach dieser eindrücklichen Demonstration des Pferdeverstands der Eheleute Sißmann stellt sich mir wieder die Frage nach den Käufern. Nun ist es nicht so, daß die Sißmanns händeringend nach Käufern suchen. Im Gegenteil, sie suchen sich die Käufer sorgfältig aus. Verständlich, wenn man so mit seinen Pferden umgeht.
Jeder Züchter muß verkaufen, und jedem Züchter tut es weh, wenn er sein Pferd in Hände geben muß, wo es erkennbar nicht so gute Verhältnisse finden wird. Die Sißmanns leisten es sich, ihren Pferden ein gutes Zuhause auszusuchen.
"Wir finden nicht nur einen Käufer, sondern einen Freund. Mit den meisten neuen Besitzern verbindet uns eine langjährige Freundschaft. Wir telefonieren miteinander, wir besuchen einander, wir halten Kontakt." Wie bestellt klingelt zum Abschied das Telefon; eine Kundin ruft an, um mitzuteilen, daß sie gerade gut auf einem Distanzritt abgeschnitten hat. Barbara Sißmann kürzt ab, wird gleich zurückrufen zu einem ausgiebigen Plausch.
Welche Überraschung! Es sind nicht nur die Pferde, die den Sißmanns am Herzen liegen, sondern auch die Käufer. Verständlich, daß sie sich die Käufer nicht nur wegen der Pferde genau anschauen. So gäbe es denn über die Käufer wieder viel zu erzählen, ebenso wie über Thörners und Ostenfelde.
Wichtig ist natürlich, daß die Pferde genutzt werden können. Die polnischen Araber sind dafür berühmt, daß sie über die Rennbahn selektiert werden. "Das ist ein ganzes Dorf, wie eine Kasernenanlage, ganz regelmäßig angelegt, Boxen, Reitplätze, Wege, da ist Platz für 1000 Pferde!" Die Sißmanns waren dort, haben einen ihrer Hengste in Polen ausbilden und trainieren lassen. "Als der wieder zurück war, wollte er nur rennen. Wir mußten den erst mal wieder auf normale Bedingungen heruntertemperieren."
Einen anderen Hengst hatten sie in die Schweiz gegeben. Dort werden im Winter Rennen auf dem zugefrorenen See in St. Moritz (CH) ausgetragen. "Hengste müssen sich bewähren. Überhaupt sollen die Pferde gesund, umgänglich, leistungsbereit, leistungsfähig und dann auch noch schön sein."
Schön sind die Vollblutaraber der Sißmanns auf jeden Fall, und auch die anderen Kriterien erfüllen sie spielend. Wer sich im sportlichen Wettkampf messen will, ist also mit diesen Pferden gut bedient. Selbstverständlich haben die arabischen Pferde ihre Stärken und Schwächen, wie alle Rassen. Für die vorderen Plätze bei der Dressur erscheinen sie zu zierlich, für den spezialisierten Springsport sind sie ebenfalls nicht prädestiniert, aber in der Vielseitigkeit und besonders im Distanzsport spielen die Araber ihre Überlegenheit aus.
Den Sißmanns bleibt für den Sport leider keine Zeit. Barbara Sißmann reitet die Jungpferde an und bildet sie westernmäßig aus. Von Zeit zu Zeit besucht sie ihre Zöglinge bei den Kunden. Neulich hat sie in der Nähe von Frankfurt eine Kundin besucht und ist auf ihrem ehemaligen Schweizer Rennpferd gemütlich ins Gelände geritten. Eine besondere Genugtuung für die Züchterin, deren Augen denn auch bei der Erzählung entsprechend strahlen.
Ich habe nicht den Eindruck, daß den Sißmanns dadurch etwas fehlt. Sie sind leidenschaftliche Züchter, keine Sportskanonen, die sich ständig im Wettkampf messen müssen. Das Leben mit ihren Pferden, die Sorge um sie und die tägliche Pflege, das füllt sie aus, das erfüllt sie, das macht sie glücklich. Das war mir schon klar, bevor ich das Erlebnis des Heimtriebs hatte, aber danach konnte ich mir genauer vorstellen, wie sich ein erfülltes Züchterleben anfühlen mag.
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