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Schneider, Hanne / Hutt, Stephan

Lipica
Heimat der Lipizzaner

136 Seiten, 221 Bilder vierfarbig, 9 Bilder schwarzweiß
Stuttgart, 2004 · Hutt Verlag
ISBN 9783928573542


32,-  EUR      Bestellen


Der Verlag sagt über das Buch:
Lipica: Kulturgut und Touristenattraktion

Wie der EU-Beitritt Sloweniens zum 1. Mai 2004 hatte auch die Gründung des Gestütes Lipica im Jahre 1580 eine große Bedeutung für den kleinen Mittelmeerstaat. Seit diesem Zeitpunkt hat sich Lipica mit seiner edlen Pferderasse, die durch charakteristische Merkmale wie imposante Haltung, typische Gangart, Gutmütigkeit, Temperament, Lernwilligkeit, Intelligenz, Widerstandsfähigkeit und ihr schneeweißes Fell besticht, zu einem kulturellen Gut entwickelt. Über 150 000 Gäste besuchen jährlich das Urgestüt der Lipizzaner, das in eine faszinierende Landschaft aus Karst, Bergen, Wäldern und Koppeln eingebettet ist.

Über drei Jahre lang haben die Autoren Hanne Schneider und Stephan Hutt in Lipica zu allen Jahreszeiten recherchiert und fotografiert. Entstanden ist dabei ein Werk mit über 200 beeindruckenden Farbfotos, das den Leser in die Welt des historischen Gestütes mit seiner edlen Pferderasse entführt.



Imposante Haltung, Temperament, Intelligenz und Widerstandsfähigkeit zeichnen die Lipizzaner aus. Das Urgestüt der edlen Pferderasse im slowenischen Lipica bietet aber auch ein attraktives Freizeitangebot

Wenn Milan Bozic über Lipizzaner spricht, beginnen seine Augen zu leuchten. Die edle Rasse hat es ihm angetan, aber er wird auch nachdenklich, wenn es um die Zukunft der weißen Vierbeiner geht. "In Deutschland gibt es 35 000 Hannoveraner, aber weltweit können wir keine 4000 Lipizzaner mehr vorweisen", sagt der ehemaliger Direktor von Lipica. Der studierte Tiermediziner war während seiner Amtszeit viel auf Reisen, um in Kooperation mit anderen Gestüten zwischen Slowenien und Amerika für den Erhalt dieser exklusiven Pferderasse zu kämpfen.

Vor allem Kriegswirren haben die Entwicklung des Gestütes und der Zucht immer wieder zurückgeworfen. Auch gelegentliche Auseinandersetzungen zwischen Österreich und Slowenien um Namens- und Nutzungsrechte können nicht widerlegen, dass die ersten Lipizzaner aus Lipica stammen. Der Name ist auf eine kleine Linde (slowenisch Lipica) in dem Dorf zurückzuführen, vor der ein Ausschank stand, an dem sich die Einheimischen zum fröhlichen Weinumtrunk trafen.

1580 wurde das Gestüt in der Karstlandschaft mit steinigen Weiden, niedrigen Sträuchern, herrlichen Eichen und ausgedehnten Wiesen von Erzherzog Karl, dem Sohn von Kaiser Ferdinand, gegründet. Mit seiner Zucht wollte der Österreicher den Bedarf des Wiener Hofes an eleganten, schnellen und ausdauernden Pferden decken. Die Mischung aus Andalusiern, Neapolitanern, Arabern und einheimischen Karstpferden mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften und Physiognomien hat den Lipizzaner in langer Tradition zu einem temperamentvollen, widerstandsfähigen Pferd mit eigener Ausstrahlung entwickelt. Durch einen aufgerichteten langen Hals, einen ausdrucksvollen Kopf mit großen Augen und eine dichte feinhaarige Mähne wird die etwas geringe Höhe ausgeglichen. Harmonie und Schönheit der Pferde mit ihrem eingebrannten L als Markenzeichen kommen allerdings erst in der Bewegung so richtig zur Geltung.

Auf Gestüt Lipica, das etwa zehn Kilometer östlich von Triest und 25 Kilometer entfernt von den herrlichen Stränden der slowenischen Adria liegt, kümmern sich derzeit etwa 70 Mitarbeiter um 310 Pferde, die jährlich für einen Nachwuchs von etwa 30 bis 40 Fohlen sorgen. "Sie kommen schwarz oder dunkelbraun auf die Welt, werden dann immer heller, bis sie ab dem siebten Lebensjahr ganz weiß sind", klärt uns Jazna Bozac auf, seit über 30 Jahren die gute Seele von Lipica.

Die ersten dreieinhalb Jahre verbringen die Stuten und Hengste in getrennten Herden auf der Weide. Nach dem Longieren und der Gewöhnung an einen Reiter folgt eine altbekannte Aufteilung: Die Hengste erhalten eine aufwendige Dressurausbildung, während die Stuten vor die Wagen gespannt werden, um an Präsentationen teilzunehmen oder neugierige Touristen über das 300 Hektar große Gestütsgelände zu kutschieren. Lediglich an der Zucht sind Hengste und Stuten gleichberechtigt beteiligt.

Jazna Bozac gehört zum Inventar von Lipica. Schon als Schülerin führte sie Touristen durch die Ställe und zu den Vorführungen, später sammelte sie in der Gastronomie und im Hotel der Anlage weitere Erfahrungen.

Veranstaltungsmanagement, Betreuung des sportlichen Teams bei Wettkämpfen und Galas, Marketing- und Presseaufgaben erledigte sie genauso gewissenhaft wie die Versorgung ihres Pferdes, um das sie sich Tag für Tag kümmert. Wer wie Jazna an den Lipizzanern einen Narren gefressen hat, kommt von ihnen nicht mehr los. Davon kann auch Arthur Cedzich aus Meckenheim bei Bonn ein Lied singen.

Um sich in seinen Dressurkünsten weiterzubilden, kam er vor etwa 30 Jahren zum ersten Mal nach Lipica. "Hier lernt man das richtige Reiten, man merkt sofort, an was es einem fehlt", lobt der 52-Jährige das qualitativ hochwertige Angebot der Reitkurse. Dabei stellt er fest, dass man nach ein bis zwei Einzelstunden pro Tag völlig geschafft ist.

Auf dem Rücken der Pferde fällt einem nichts in den Schoß. Bis man eine Piaffe, Passage, Levade oder Kapriole beherrscht, können Jahre vergehen. Für viele bleiben die vier Grundfiguren der klassischen Reitschule ein ewiger Traum. Aber Arthur Cedzich kommt nicht nur wegen der Pferde und des Reitunterrichts immer wieder nach Lipica. "Es ist hier wie in einer Oase", sagt der Beamte, der die Ruhe und die Landschaft rund um das Gestüt ebenso schätzt wie die zahlreichen Freizeitmöglichkeiten.

Seinem selbst kreierten Slogan "Welt der Pferde" wird Lipica durchaus gerecht. Aber Lipica ist mehr. Die herrliche Landschaft mit Weiden, Berghügeln und Alleen strahlt eine erholsame Ruhe aus, die lediglich durch das Wiehern der Pferde oder vorbeifahrende Kutschen unterbrochen wird. Wer die schmale Allee zum Gestüt entlang des Golfplatzes durchfahren hat, wird auf großen Tafeln über das vielseitige Angebot jenseits der Pferde informiert. Ein großzügiges Schwimmbad mit Sauna, Tennisplätze, Fitnessstudio, Fahrradverleih, Golfplatz, die Galerie Cernigoj, Casino, Bars und zwei Hotels ziehen Touristen an. 150 000 Besucher kommen jährlich nach Lipica, 30 000 Übernachtungen zählen die Hotels Maestoso und Klub, darunter vorwiegend Deutsche und Italiener. Ein Besuch von Präsentationen der klassischen Reitschule ist für die Gäste dann fast schon Pflicht.

Die Tribüne der Vorführungshalle ist gut besetzt, als aus den Lautsprechern der Einzugsmarsch aus dem "Zigeunerbaron" von Johann Strauß dringt. "Man könnte meinen, wir sind auf dem Wiener Opernball", sagt mein Nachbar, als die Reiter in eleganter Uniform hutlupfend in die "Jahalnica" einreiten. Mit einer imponierenden Leichtigkeit führen Alojz Lah, das Aushängeschild der Reiterequipe von Lipica, und seine Kollegen Iztok Jelusic, Igor Maver, Pavel Stemberger und Stojan Moderc Piaffen, Passagen, Levaden und Kapriolen vor. Lediglich ein jüngeres Pferd wird durch die Zuschauerpräsenz nervös und führt Kapriolen auf, die nicht unbedingt zur klassischen Reitschule gehören.

"Lipizzaner sind Relikte einer längst vergangenen Epoche, die auch an die kulturellen Güter dieser Zeit erinnern. Aufgrund der heutigen Schnelllebigkeit müssen sie umso sensibler und mit viel Vorsicht behandelt werden", lautet die Philosophie von Milan Bozic, der sich mit dieser Pferderasse auskennt, wie kaum ein anderer. Auf dem slowenischen Gestüt werden diese Vorsätze kompromisslos umgesetzt. Lipica - hier lässt sich's Pferd sein.


I n f o k a s t e n

Kontaktadresse

Kobilarna Lipica
Lipica 5
6210 Sezana
Slovenija

Telefon 00386 67 391 580
Telefax 00386 67 346 370
E-Mail   lipica@siol.net Internet » www.k-lipica.si

Freizeitangebote

  • Gestütsbesichtigungen
  • Vorführungen vom Training der klassischen Reitschule
  • Reiten und Reitkurse
  • Kutschfahrten
  • Golf und Golfkurse
  • Tennis
  • Schwimmbad mit Sauna
  • Fitnessstudio
  • Fahrradverleih
  • Casino mit Salon der Spiele und Salon der Spielautomaten
  • Galerie Cernigoj
  • verschiedene Restaurants und Bars

Unterkünfte

  • Hotel Klub
    • Übernachtung mit Halbpension von 42 bis 50 Euro, je nach Jahreszeit
    • Telefon 00386 67 391 570
  • Hotel Maestoso
    • Übernachtung mit Halbpension von 50 bis 60 Euro, je nach Jahreszeit
    • Telefon 00386 67 391 790

» www.lipica-buch.de





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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
Meine Meinung zu dem Buch:
von   Werner Popken

Pünktlich zum 1. Mai erscheint das Buch, das zwar nicht Slowenien insgesamt, aber doch das Gestüt Lipizza ausführlich würdigt. Dennoch frage mich, ob das ein Buch für Pferdefreunde ist. Das Titelbild deutet zunächst darauf hin; auch der Klappentext hat mich nicht darauf vorbereitet, daß es sich hier nicht um ein Buch für Pferdekenner handelt.

Zunächst wird das Land selbst vorgestellt. Das erste Kapitel heißt "Slowenien" mit Untertitel "Kleines Land, große Vielfalt" und wird eingeleitet mit:

Slowenien verfügt nicht nur über ein Stück Meeresküste. Der Staat auf der Sonnenseite der Alpen, wie jeder Slowenien sein Land gerne nennt, bietet Berger, Täler, Weingegenden, Seen, Höhlen und eine beeindruckende Karstlandschaft

Gewöhnlich machen wir uns nicht bewußt, daß die Landschaft mit ihren einzigartigen Bedingungen eine nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die Entwicklung einer Rasse hat, obwohl sehr viele Pferderassen ihre Herkunft bereits im Namen verraten, wie zum Beispiel die Lipizzaner.

Zwar kann man Lipizzaner auch anderswo züchten; die bodenständige Rasse der Karstpferde hat jedoch, zumindest zu Beginn, einen erheblichen Einfluß ausgeübt. Daher ist es durchaus sinnvoll, sich mit den Besonderheiten des Herkunftslandes auseinanderzusetzen.

Karst - das heißt wenig Grundwasser, kaum Flüsse, Wasserknappheit. Eine direkte Ableitung der Eigenschaften einer Pferderasse aus den Eigenschaften des Herkunftsgebiets dürfte allerdings schwierig sein; nur in einigen besonderen Fällen wie zum Beispiel den arabischen Pferden ist der Bezug durchaus erkennbar und plausibel. In diesem Buch wird nicht tief genug geschürft, als daß man eine Antwort auf diese Frage erwarten könnte.

Das Kapitel endet mit dem Fazit:

Innerhalb weniger Autostunden lassen sich Alpen, Seen, Adriaküste, karges Karstgebiet, Tropfsteinhöhlen und sehenswerte Weinregionen erkunden.
(Seite 10-11)

Eine große Übersichtskarte war für mich durchaus hilfreich; stutzig wurde ich lediglich, als ich einen der Orte, die im Text erwähnt wurden, auf der Karte nicht wiederfinden konnte: "Auch das Städtchen Bled mit seinem warmen Badesee gehört zu den touristischen Highlights Sloweniens."

Der soeben zitierte Satz glänzt nicht gerade durch sprachlichen Schliff, aber das wäre ein sich nicht weiter erwähnenswert, wenn es ein Einzelfall wäre. Leider ist dieser Satz eher typisch und es gibt darüber hinaus durchaus schmerzhafte sprachliche Fehlgriffe. Das zweite Kapitel heißt "Lipica auf einen Blick". Dort heißt es zum Beispiel:

Lipica hat in seiner langen Geschichte Ruhm, aber auch schwere Zeiten erlebt. Trotz aller Schwierigkeiten ist es immer wieder auf die Beine gekommen. Seine Vergangenheit ist geprägt von Geschichten über Kaiser, Herrscher und weiße Pferde. Nicht zu vergessen die slowenischen Bauern, die den "weißen Schönheiten" immer treu geblieben sind, ihnen auch in schlimmen und gefährlichen Zeiten geholfen haben, als Lipica von Kriegswirren bedroht war.
Seite 14

Es fällt mir schwer, solche Sätze zu verdauen. Ich versuche mir vorzustellen, wie ein Gestüt Ruhm und schwere Zeiten erlebt und wieder auf die Beine kommt. Wie prägt man eine Vergangenheit von Geschichten? Und wie verstehe ich den Gedankensprung zu den slowenischen Bauern, die man nicht vergessen darf? Wäre ich ein Deutschlehrer, würde ich wahrscheinlich den ganzen Passus markieren und "Stil!" an den Rand schreiben.

Ich will es mir ersparen, besonders drastische Beispiele zu zitieren, und stattdessen den Anfang des Kapitels "Zucht" bringen, der vermutlich bereits hinreichend deutlich macht, daß es kein besonderes Vergnügen ist, diese Texte zu lesen:

Klasse für die Rasse

Hengstlinien und Stutenstämme hatten in der Geschichte von Lipica schon immer eine besondere Bedeutung. Die richtige Auswahl der Zuchtpferde ist für die Erhaltung der Lipizzaner-Rasse enorm wichtig


Die Lipizzaner sind eine intelligente, robuste, gutmütige und sehr lernwillige Rasse. Zu ihren Eigenschaften gehört aber auch Gehorsam und Temperament, was keineswegs bedeutet, daß es sich um unruhige oder nervöse Pferde handelt. Im Gegenteil, einen Teil ihrer Kraft liegt in ihrer Ruhe. Ihre Kontaktfähigkeit zu Menschen, ihre Art, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, sowie ihre Bereitschaft, Zuneigung auszudrücken, machen sie zu besonders beliebten Pferden.

Aufgrund all dieser Voraussetzungen ist es möglich, die Lipizzaner bis ins hohe Alter für die Zucht zu verwenden. Zu den schwierigsten Aufgaben in Lipica gehört die Durchzüchtung. Neues Blut für die Auffrischung der Rasse wird sehr genau begutachtet. Es wird eingesetzt, um der Unfruchtbarkeit vorzubeugen oder Fehler aus zu großer Blutverwandtschaft zu vermeiden. Mit der Entwicklung des Gestüts haben sich verschiedene Hengstlinien herausgebildet. Einige sind ausgestorben, aber die folgenden originalen sechs gibt es heute noch:

  • Maestoso (kladrubisch)
  • Favory (kladrubisch)
  • Conversano (neapolitanisch)
  • Neapolitano (neapolitanisch)
  • Siglavy (arabisch)
  • Pluto (dänisch)
Diese Hengstlinien hat Lipica durchgezüchtet. Gleiche Bedeutung kommt aber den sorgfältig aufgebauten Stutenstämmen zu. Ohne sie gibt es keinen Erhalt und keine Weiterentwicklung der edlen Lipizzaner-Rasse. Von einst 20 Stutenstämmen in Lipica konnte man 16 erhalten. Sie wurden aus der Karst-Rasse, den Kladrubern, Pferden aus dem slowakischen Kopcany, den Radautzern, Araber und einer dänischen Rasse entwickelt. Einige von ihnen sind in Lipica entstanden, einige in anderen europäischen Gestüten. Weil sie die Grundlage für die gezielte Auswahl der Zuchtpferde bilden, waren Hengstlinien und Stutenstämme schon seit jeher von überaus wichtiger Bedeutung.
Seite 36-39

Für wen ist dieses Buch geschrieben? Auf einigen Abbildungen sind Touristen zu sehen, Pauschalreisende vermutlich, die man mit dem Bus dorthin verfrachtet hat. Immerhin gibt es inzwischen auf Lipica zwei Hotels und ein Spielcasino. Die müssen ausgelastet werden. Pauschalreisende wiederum muß man unterhalten. Führungen, Reitunterricht, Kutschfahrten stehen auf dem Programm, ein Golfplatz ist vorhanden, man kann Tennis spielen usw.

Vielleicht sind die Informationen im Buch für diese Art Touristen. Vielleicht sind die Autoren selbst Touristen, die es irgendwie nach Lipica verschlagen hat, und die nun ihr Wissen aus Führungen und ein wenig Lektüre weitergeben.

Ihre imposante Haltung und der erhabene Schritt haben die Lipizzaner auf der ganzen Welt berühmt gemacht. Eine Besonderheit der Rasse ist auch ihre außerordentliche Robustheit und Spätreife, denn voll entwickelt sind die Pferde erst mit sieben Jahren. Gerade deshalb erreichen sie mit etwa 30 Jahren ein sehr hohes Alter, wobei sie selbst dann noch recht leistungsfähig sind. Besonders interessant ist, daß sie braun, schwarz oder mausgrau zur Welt kommen. Erst später verfärben sie sich allmählich hellgrau und weiß, gewöhnlich zwischen dem sechsten und zehnten Lebensjahr. Manche Lipizzaner behalten auch ihre dunkle Farbe.

Eine wichtige Maßnahmen bei der Selektionsarbeit ist die Überprüfung des Zuchtmaterials. Seit jeher müssen die Hengste ihre Befähigung als Beschäler beweisen, um ihre guten Eigenschaften wie Leistungsfähigkeit, Gehorsam, Beweglichkeit, Stehvermögen unter dem Sattel und im Gespann auf die Nachkommen übertragen zu können. Nur diejenigen Hengste, die in früheren Zeiten die vierjährige Schule absolvierten und auch sonst den Anforderungen der Rasse entsprachen, wurden in Lipica zu Hauptbeschälern. Aufgrund der Selektion verfügen die Lipizzaner über vorzügliche Eigenschaften wie Gutmütigkeit, Zuverlässigkeit, Gelehrigkeit und einen anmutigen, sicheren und imposanten Gang.

Der Lipizzaner als eine der ältesten Pferderassen der Welt ist als Karstpferd schon seit den Römerzeiten für seine Robustheit und Schnelligkeit bekannt. Die Bevölkerung hat ihn oft für den Warentransport ins Landesinnere und in die nordadriatischen Häfen Triest und Venedig eingesetzt. Bereits im Jahre 1580 wurden aus Spanien für die Veredelung dieser Karstpferde die ersten Zuchtpferde eingeführt, darunter auch der weiße andalusische Hengst. Außer aus Spanien und Italien wurden später auch deutsche und dänische Pferde angeschafft.
Seite 16

Nach dieser Ausführung halten die Autoren die ursprünglichen Karstpferde für die wahren Lipizzaner. Normalerweise gilt 1580 als das Gründungsdatum des Gestüts und als Geburtsdatum der Rasse, wie die Autoren zwei Seiten vorher erklären. Das darf man offenbar nicht so genau nehmen, es ist ja auch eine Interpretationsfrage.

An ein Buch für Touristen wird man keine strengen Maßstäbe anlegen wollen. Der Markt ist voll von Reisebüchern. Neulich habe ich einige aus meinem Regal genommen und durchgeblättert. Ich hatte sie erstanden, weil sie so ausnehmend billig verramscht wurden und ich deshalb nicht widerstehen konnte. Verglichen mit diesen Büchern kann sich das vorliegende Buch durchaus sehen lassen. Es bietet eine Fülle von schönen Fotos und kreist tatsächlich um das Thema Lipica und die Lipizzaner. Wer sich für diese Pferde begeistert und einmal einen Besuch in Lipica machen will, sollte sich das Buch vermutlich anschaffen.

Natürlich wird auch die Geschichte des Gestüts angerissen, die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Gründung des Staates Slowenien inbegriffen. Alles wird recht unverbindlich vorgetragen, wie man das aus derlei Büchern kennt. Im Literaturverzeichnis werden drei Bücher über Lipica und die Lipizzaner aufgeführt, die möglicherweise für Pferdefreunde besser geeignet sind:

  • Lipica: Milan Dolenc, Lizenzausgabe Edition Aktuell, Menden 1981
  • Auf den Spuren der Lipizzaner: Heinz Nürnberg, Olms Verlag, Hildesheim 1998
  • Lipizzaner, das kaiserliche Pferd: Heinz-Heinrich Isenbart, Emil M. Bührer, Engelhorn Verlag, Stuttgart, 1986


erschienen 25.04.04




Schneider, Hanne / Hutt, Stephan

Lipica
Heimat der Lipizzaner

136 Seiten, 221 Bilder vierfarbig, 9 Bilder schwarzweiß
Stuttgart, 2004 · Hutt Verlag
ISBN 9783928573542


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