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Bericht Zu den Themen  Irish Cob (Tinker),  Kommunikation · Gesamttext
Inhaltsverzeichnis Ausgabe 265.04 der Pferdezeitung vom 25.04.04
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 Schlauch als Fühlometer 
 Biss mit geschlossenen ...  Rüsselartige Oberlippe  Sattelprobe
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Eddy (re.) im Gespräch ©   Norbert Kaiser · Copyright wie angegeben
Eddy (re.) im Gespräch © Copyright wie angegeben  Norbert Kaiser

    Schlauch als Fühlometer   
    Tastsinn für Fühlen und Spüren   
von Copyright wie angegeben  Norbert Kaiser

Teil 1:  Liebesverhältnis der besonderen Art
Teil 2:  Sprich mit deinem Pferd!
Teil 3:  Huch, Mietzekatze im Futter!
Teil 4:  Wie das Quieken von Schweinen
Teil 5:  Wir gehen zur Spielwiese
Teil 6:  Riechen und Schmecken
Teil 7:  Denke nicht wie ein Mensch


Zu den Themen Irish Cob (Tinker), Kommunikation


Eine wichtige Art der Wahrnehmung und Kommunikation bei Pferden ist der Tastsinn, jene Fähigkeit zum Fühlen und Spüren über ganz spezielle Zellen, die Sinnesrezeptoren genannt werden.

Mit diesen innerhalb der Haut über den gesamten Körper verteilten Rezeptoren werden von außen kommende Druck-Reize von der sanften Berührung bis zum Schmerz und natürlich auch Temperatur-Reize von kalt bis heiß wahrgenommen. Diese Sinneszellen sind jedoch nicht einfach homogen über den ganzen Körper verteilt, sondern spezifisch zu Zellgruppen zusammengefasst und unterschiedlich dicht angeordnet.

Insbesondere im Bereich von Maul und Nüstern scheinen Sinneszellen in ungewöhnlicher Dichte vorzuliegen. So kann EDDY offenbar mit den unordentlich aussehenden Tasthaaren den mit den Augen nicht einsehbaren Bereich vor dem Maul sondieren und im Zusammenspiel mit den sensiblen Lippen sogar verschiedene Gegenstände identifizieren.

Fühlhaare unten · Copyright wie angegeben
Fühlhaare unten
Fühlhaare seitlich · Copyright wie angegeben
Fühlhaare seitlich
Ganz klar, dass hierfür mehrere Sinne zusammenarbeiten. Um etwas identifizieren zu können, muss EDDY dieses Etwas vorher gerochen, geschmeckt und gefühlt haben.

Ähnlich einem Blinden kann EDDY dann aufgrund seiner Erfahrung mit dem Tastsinn Oberflächenstrukturen und Körperformen erkennen. Von allem, was an oder ins Maul kommt, scheinen also Erinnerungen über Geschmack, Gestalt, Konsistenz und Textur angelegt zu werden, um auch bei Teilinformation bereits die richtigen Schlüsse ziehen zu können.

Als EDDY seinerzeit keinen Bedarf mehr an Bitterstoffen gehabt hatte, sortierte er sämtliche Chicoree-Blätter aus seinem Futter heraus, ohne sie angebissen zu haben. Auch andere "Fremdkörper" werden fein säuberlich aus dem Fressen separiert: So hatte ich seinerzeit noch zwei Apfelstücke in der Tasche stecken, also warf ich sie einfach (und gedankenlos) in EDDYs BREILE hinein.

Ins BREILE gehören nach EDDYs Meinung offenbar nur Müsli vom Hersteller X, Karotten, ein Spritzer Planzenöl und ein gehäufter Löffel gut verdaulicher Mineralzusatzstoffe - aber keine süßen Äpfelstücke.

Nicht angebissen lagen die beiden Apfelschnitze im sauber ausgeleckten Trog, so, als ob er sich diese als süße Nachspeise aufheben wollte - oder sollte es nur eine Botschaft an mich sein?

Identifizieren der Apfelstücke über den Geruchsinn ist eigentlich nicht möglich, da die Nüstern viel zu weit vom Maul entfernt sind. Und zum Schmecken müsste EDDY die Stücke ja schon im Maul und quasi auf der Zunge gehabt haben. EDDY scheint also mit Tastsinn und Erfahrungswissen die Oberflächenbeschaffenheit, Form und Konsistenz des Futters analysieren zu können.

Nur so ist auch zu erklären, warum EDDY sein Maul sofort wieder öffnet, wenn er bei einem von mir unachtsam dargebotenen Karottenstückchen zusätzlich auch einen Finger mit im Maul hat.

Und wenn EDDYs sanfte Hinweise, dass er Futter möchte, von mir nicht wahrgenommen werden, dann verbeißt er sich augenscheinlich in meinen Unterarm. In Wirklichkeit umschließen lediglich die Lippen meinen Arm, seine Zähne berühren meine Haut nicht.




Biss mit geschlossenen Zähnen


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Biss mit geschlossenen Zähnen · Copyright wie angegeben
Biss mit geschlossenen Zähnen
Für eine liebevolle Fellpflege revanchiert sich EDDY durch Umsortieren meiner Haare mit Atem und mit den Lippen - ein Grund, warum ich ihm keine Lekkerlis mehr gebe, die irgendwie kleckern oder schmieren. Meine Frisur sieht sonst nach EDDYs Haarbehandlung irgendwie seltsam aus.

Auch andere Bereiche des Pferdes wie etwa das Gesicht, der Unterbauch und der untere Teil der Beine, insbesondere die Fesselbeuge, sind überaus berührungsempfindlich.

So darf ich EDDYs Gesicht nur mit einem Lammfell säubern oder die DRECK-POPELCHEN ausschließlich mit den Fingernägeln entfernen - sonst zieht EDDY seinen Kopf weg, er weicht der unerwünschten Berührung aus, während er sich im anderen Fall eher gegen die Bürste stemmt, um die Intensität der Berührung zu erhalten, die er wünscht.

Im Bereich zwischen Kniefalte und Schlauch signalisiert EDDY durch Anheben des Hinterbeines, wenn ihm eine Säuberungsaktion zu unsanft erscheint. Hier darf Dreck aus den etwa 10 cm langen Haaren nicht einfach ausgebürstet werden wie bei der Mähne, nein, Einweichen ist angesagt und Reinigen mit einem großporigen Schwamm.

Generell scheint das Geschlechtsteil auch überaus temperaturempfindlich zu sein. Kalte Hände oder gar kaltes Wasser mag EDDY gar nicht. Aber Reinigung des Schlauches und des Beutels mit einem Naturschwamm (gut strukturiert, damit der Schmutz darin hängen bleibt) und natürlich mit körperwarmem Wasser genießt EDDY. Dann toleriert er auch das doch etwas kühlere Melkfett, mit dem abschließend alles eingecremt wird.

Metallstriegel hat EDDY rigoros abgelehnt - viel zu hart. Der Striegel mit den vielen weichen Gumminoppen hat entweder gekitzelt oder zu sehr im Haarkleid geziept. Und bei dem Hartgummistriegel mit dem verzahnten Außenrand war es ihm anfangs auch nicht recht zu machen.

Auf meine Frage "WAS WILL EDDY" ging er wortlos rüber zu einem alten Baum mit tief hängenden Ästen, stellte sich darunter und schupperte sein Fell daran: laaangsam vor, laangsam zurück - und genüßlich stülpte er dabei seine Oberlippe nach vorne.

Die Geschwindigkeit der Bürstenbewegung und der Anpreßdruck müssen demnach stimmen, damit das Putzen als kameradschaftliche Körperpflege interpretiert wird.

Und wenn dann noch die mentale Einstellung passt - wie an anderer Stelle berichtet - so zeigt die Länge des ausgefahrenen Schlauches Eddy's Wohlbefinden an - zusätzlich zu der rüsselartig vorgewölbten Oberlippe: je länger, desto höher der Genuß.



Rüsselartige Oberlippe


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Rüsselartige Oberlippe · Copyright wie angegeben
Rüsselartige Oberlippe
Fellkraulen · Copyright wie angegeben
Fellkraulen
Kampfspiele · Copyright wie angegeben
Kampfspiele
Auffällig ist, dass die Stärke der äußeren Reize scheinbar nicht linear in Empfindungen umgesetzt werden. Einerseits spürt EDDY jede Fliege auf seinem Fell, andererseits kratzt er sich am Ohr mit dem Huf in einer Intensität oder schlägt mit dem hinteren Huf nach Fliegen am Geschlechtsteil, wo wir Menschen schon lange vor Schmerz schreien würden.

Druckempfindlichkeit bei Pferden scheint dem menschlichen Hören ähnlich zu sein: 10fache Lautstärke wird nur als doppelt so laut empfunden.

Die Vermutung, dass die Druckempfindlichkeit bei Pferden nicht linear wahrgenommen wird, lässt sich auch aus dem Sozialverhalten der gegenseitigen Hautpflege ableiten:

Wenn sich zwei putzwillige Pferde gefunden und auf gemeinsames Fellkraulen geeinigt haben, beginnt eine intensive Körperpflege. Emsig wird der Mähnenkamm und dann der Bereich um Widerrist und Hals beknabbert.

Hautfalten werden - aus menschlicher Sicht schon fast brutal - immer und immer wieder durch die Zähne gezogen, um lose Haare auszurupfen und um das Untergewebe zu massieren. Deutlich ist dabei das dumpfe, von den Haaren leicht gedämpfte Geräusch der zusammenklappenden Zähne zu hören.

Noch brutaler erscheinen die hingebungsvollen Kampfspiele. Da wird gerempelt, aufeinander herum gestiegen und getreten, dass es im wahrsten Sinne des Wortes nur so kracht. Und trotzdem scheinen dadurch keine ernsten Verletzungen zu entstehen, ein kurzes Schütteln, und weiter geht das Spiel.

Aus dieser scheinbaren Dickfelligkeit im Brust und Rückenbereich darf man jedoch nicht auf mangelnde Feinfühligkeit, insbesondere in der Sattellage schließen.

Ich möchte nicht behaupten, dass EDDY aufgegangen wäre wie ein Hefekuchen, aber im Lauf von 3 Jahren war aus einem abgemagerten Tinkerpony ein mächtiges Schlachtroß geworden, so dass mal wieder der Kauf eines neuen Sattels notwendig schien.

Dieses Mal sollte es aber ein Westernsattel sein, schließlich war mein Ziel Freizeitreiterei, nicht Dressur.

Bei den aus der näheren Umgebung heran geschafften preiswerten Sätteln hat EDDY bereits beim Auflegen heftig den Kopf geschüttelt - und eine fachkundige Helferin durch Abtasten von Zwischenräumen mit der Hand jeweils bestätigt, dass der Sattel nicht passt.

Also habe ich Kontakt zu einem Spezialisten aufgenommen und ihm EDDYs Proportionen geschildert. Schließlich ist der Händler auch gekommen, mit einem ganzen LKW voller Westernsättel.



Sattelprobe


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Ein etwa 2500,- DM teuer Sattel schien ganz gut auf EDDYs Rücken zu passen, also war Probereiten angesagt. Irgendwie schien der Galopp aber holprig zu sein. Ein neues Spiel, ein neues Glück, allerdings mit 1000,- DM Aufpreis. Und wieder schien der Bewegungsablauf beim Galopp irgendwie ruckelig zu sein.

Rein zufällig (!) habe er auch noch einen Sattel von Pullman im Wagen - war die Meinung des Händlers. Einen Versuch war es mir wert: Der Galopp plötzlich so weich, die Bewegungen so fließend, schlichtweg ein Traum.

Ganz klar, dass mein Ego ob des stolzen Preises eines Pullman-Sattels mir nun einredete, EDDY sei erst jetzt in der dritten Runde warm geritten gewesen. Also nochmals den Sattel für immerhin 3500,- DM aufgelegt und los. Und zu meinem Erstaunen das gleiche Ergebnis wie vorher: irgendwie ruckelig.

Der Händler versuchte mich mit der Tatsache zu trösten, dass in dieser Preislage (die immerhin über dem Kaufpreis des Pferdes lag) auch eine Computervermessung mit eingeschlossen sei.

Und siehe da: Der Maßanzug, sprich Sattel, den sich EDDY herausgesucht hatte, passte schlichtweg perfekt, absolut keine erkennbaren Druckstellen, auch nicht bei Bewegung des Pferdes unter Reitergewicht.

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass der Kauf meinem Geldbeutel nicht arg weh getan hätte - aber ich habe die Entscheidung nie bereut, EDDYs Urteil berücksichtigt zu haben, welcher Sattel für ihn am angenehmsten ist, selbst wenn er bei der Meinungsäußerung etwas übertrieben hat.

Die Verarbeitung der äußeren Reize scheint bei Mensch und Pferd grundsätzlich ähnlich zu sein: Die Rezeptoren lösen ab einer bestimmten Intensitätsschwelle einen Impuls aus, der über Nervenbahnen zum Rückenmark und Gehirn weitergeleitet wird.

Auf einzelne (eher unvorhersehbare) Reizimpulse wird fast reflexartig reagiert, während offenbar bei den meisten Impulsen die Information gespeichert und bewertet wird, um letztendlich eine Entscheidung und Reaktionen der Muskeln durch motorische Impulse zu veranlassen.

So mag das Zittern der Haut bei Kontakt mit Fliegen noch eher unbewußt geschehen. Ein Schlag mit dem Schweif oder ein Tritt mit dem Huf wird jedoch so zielsicher ausgeführt, dass es ein absolut bewußt gesteuerter Vorgang ist.

EDDY weiß auch, dass ein mitunter ungewollt sehr intensiv ausgeführter Schlag mit der flachen Hand auf dem Landeplatz einer Bremse eher gut gemeintes Sozialverhalten denn eine Strafe darstellt.

Zumindest deutet er mir mitunter durch seine Kopfstellung an, wo auf seinem dunklen Körper eine ebenfalls dunkle Bremse sitzt, die ich nicht bemerkt habe und die er selbst nicht verscheuchen kann. Er erwartet förmlich, dass ich mit einem schnellen gezielten Schlag den Parasiten vernichte.

EDDY kann also sehr wohl zwischen Intention und Intensität eines Körperkontaktes unterscheiden. Den heftigen Schlag nach Parasiten nimmt er eher passiv hin, während er der sanften Gewalt meines Fingers sofort ausweicht, wenn ich ihn gickse, damit er seinen dicken Hintern herum nimmt. Bei der Bodenarbeit genügt es bereits, wenn ich ihn mit dem ausgestreckten Finger bedrohe.

Pat Parelli nennt dies die Phasen der Bestimmtheit - nur soviel Druck wie nötig und dabei so wenig Druck wie möglich. Nur so wird ein Pferd feinfühliger und stumpft nicht ab.



Keine Überraschungen


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Ein anderer Gesichtspunkt scheint in diesem Zusammenhang vielleicht auch noch wichtig zu sein. So wichtig eine Stimulation über den Tastsinn für Pferde sein mag, EDDY mag absolut keine Überraschungen.

Um seinen dichten Kötenbehang überhaupt mal richtig sauber zu bekommen, muss ich schon mal mit Babyshampoo und Wasser ran. Einseifen und durchrubbeln ist überhaupt kein Problem gewesen. Wenn ich aber dann das Wasser schubweise aus einem Eimer hingeschüttet habe, ist EDDY immer ausgewichen, so, als sei er irgendwie wasserscheu.

Aber bald hatte ich verstanden, dass es der Überraschungseffekt war, den er nicht mochte. Jetzt stelle ich einen Eimer mit Wasser hin, EDDY setzt behutsam seinen Fuß hinein, ich wasche den Schaum aus dem Behang heraus und auf meinen Wunsch FUß HERAUS zieht EDDY den Fuß vorsichtig nach ober zurück.

Durch Schweifschlagen signalisiert mir EDDY beim Reiten, dass er von meinen reiterlichen Hilfen nicht überfallen werden will. Er möchte vorgewarnt werden, quasi Zeit zum Denken haben.

EDDY scheint sich das von mir zu wünschen, was man im Reitunterricht wohl mit "das Pferd durch eine halbe Parade vorbereiten" meint.

Ich würde natürlich nie zugeben, dass ich etliches von dem, was mir Reitlehrer beibringen wollten, einfach nicht verstanden habe.

Aber dafür habe ich wohl nun ein Pferd, das behutsam, aber doch recht hartnäckig versucht, mir gewisse Dinge nahe zu bringen. Ob ich alles verstanden habe, weiß ich nicht - aber ich bemühe mich, die Lehrjahre hier schriftlich zu dokumentieren.



Quellen / Verweise


  1. /Archiv/178 Liebesverhältnis der besonderen Art,  Ausgabe 178
  2. /Archiv/179 Sprich mit deinem Pferd!,  Ausgabe 179
  3. /Archiv/182 Huch, Mietzekatze im Futter!,  Ausgabe 182
  4. /Archiv/184 Wie das Quieken von Schweinen,  Ausgabe 184
  5. /Archiv/185 Wir gehen zur Spielwiese,  Ausgabe 185
  6. /Archiv/258 Riechen und Schmecken,  Ausgabe 258
  7. /Archiv/259 Denke nicht wie ein Mensch,  Ausgabe 259
  8.  Liebesverhältnis der besonderen Art, Kommunikation mit Eddy
      Ausgabe 178 · Teil 1
  9.  Sprich mit deinem Pferd!, Verstand eines Kindes
      Ausgabe 179 · Teil 2
  10.  Huch, Mietzekatze im Futter!, Die Augen des Pferdes
      Ausgabe 182 · Teil 3
  11.  Wie das Quieken von Schweinen, Die Lautäußerungen des Pferdes
      Ausgabe 184 · Teil 4
  12.  Wir gehen zur Spielwiese, Das Hörvermögen des Pferdes
      Ausgabe 185 · Teil 5
  13.  Riechen und Schmecken, Kommunikation mit Eddy: Der Geruchssinn
      Ausgabe 258 · Teil 6
  14.  Denke nicht wie ein Mensch, Wahrhaftige Kommunikation mit anderen Lebensformen
      Ausgabe 259 · Teil 7



Fotos

Copyright wie angegeben  Norbert Kaiser



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Editorial: Qualität


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W. Popken im Fenster
Selbstportrait 08/2004
 
 
25.04.2004

Qualität

Die letzten drei Tage war ich in Hamburg, auf der Messe Hansepferd, die alle zwei Jahre im Wechsel mit der Equitana in Essen stattfindet. Zur ersten Hansepferd 1987 kamen 143 Aussteller und 26.000 Besucher, zur zehnten Hansepferd waren es 480 Aussteller. In diesem Jahr rechnet die Messeleitung mit knapp 60.000 Besuchern.

Selbstverständlich gab es auch Neuheiten zu begutachten, aber die mußte man suchen. Eine Messe bietet eine Marktübersicht, und ein Markt zeichnet sich heutzutage normalerweise dadurch aus, daß das Angebot vielfältig und reichlich ist. Der Kunde hat die Auswahl. Preisunterschiede fallen sofort ins Auge, Qualitätsunterschiede muß man im Regelfall durch Argumente herausarbeiten.

Bei meinem letzten Messebesuch in Friedrichshafen hatte ich zufällig im Hotel das Editorial der kostenlosen Stadtpostille gelesen. Der Chefredakteur sinnierte über die "Geiz ist geil"-Mentalität der Deutschen und die Auswirkungen dieser Haltung auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft (siehe  RossnatouR-Kutsche). Er leitete seine Betrachtung ein mit einem Zitat eines englischen Philosophen des 19. Jahrhunderts:

Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

Es ist ja gar nicht wahr, daß Konsumenten immer nur das billigste Angebot suchen. Der Kunde sucht eigentlich das Angebot, das ihn zufriedenstellt. Wenn sich nämlich im nachhinein herausstellt, daß das vermeintlich billige Angebot nicht die erforderliche Qualität besitzt, wird sich der Kunde ärgern.

Die Qualitätsunterschiede herauszuarbeiten und den Kunden zu beraten, ist die Aufgabe des Verkaufspersonals. In Einzelgesprächen, im persönlichen Kontakt findet der Kunde vielleicht heraus, was er wirklich braucht. Diese Methode ist die aufwendigste, die man sich denken kann, aber sie ist hochwirksam. Das liegt am persönlichen Kontakt

In meinen Augen sind Messen riesige Marketingveranstaltungen, für die der Kunde erstaunlicherweise Eintritt bezahlt. Er tut dies, weil er eine Marktübersicht braucht. Denn Probleme kommen normalerweise von allein, die Lösung aber muß man suchen. Wenn jemand die Lösung für mein Problem hat, bin ich am Ziel. Wenn es mehrere Lösungen gibt, will ich die beste herausfinden. Und damit sind wir wieder beim Thema Qualität. Besser oder schlechter ist die Frage, nicht: billiger oder teurer.

Am Automarkt kann man den Sachverhalt sehr schön verdeutlichen. Alle Autos haben vier Räder, einen Motor, verbrauchen Kraftstoff und bringen die Insassen von hier nach da. Die Preisunterschiede sind enorm, aber trotzdem kaufen die Leute nicht überwiegend das billigste Auto. Im Gegenteil, der Markt ist äußerst vielfältig und der Preis ist anscheinend nur eines von vielen Kriterien, nach denen der Verbraucher seine Entscheidung ausrichtet.

Das ist im Pferdemarkt nicht viel anders. Ob Anhänger oder Sattel, Halfter oder Hufkratzer, immer geht es um eine Kaufentscheidung, die von vielen Einzelmerkmalen beeinflußt wird, von denen der Preis allerdings ein schnell zu erfassendes und offensichtliches Merkmal ist.

In der nächsten Woche werde ich von der Messe berichten, u. a. von der Galashow, die an jedem der drei Abende gegeben wurde. Und wie das so ist, braucht man wohl jedesmal eine Sensation. In Friedrichshafen gab es die Weltpremiere Hallenturnier der Sechsspännerfahrer; in dieser Woche bringe ich das letzte Mal Bilder von dieser Abendshow als Poster oder Hintergrundbild.

Auf die Sensation der Hamburger Show dürfen Sie gespannt sein; heute verrate ich noch nichts. Wie üblich, waren die Lichtverhältnisse katastrophal, aber ich hoffe doch, daß genügend brauchbare Fotos für einen oder mehrere Bildschirmschoner dabei herauskommen. Noch hatte ich keine Zeit, mir die Resultate anzuschauen.

Eddy kauft einen Sattel

In dieser Woche ein weiterer Beitrag von Norbert Kaiser, den ich wieder sehr spannend fand. Besonders faszinierte mich die Schilderung des Sattelkaufs. Es wird so viel von Kommunikation mit Pferden geredet; bei Norbert kann man wirklich davon sprechen, daß er mit Eddy kommuniziert. Deshalb drängte sich mit der Eindruck auf, als habe gar nicht der Norbert den Sattel gekauft, sondern vielmehr Eddy.

Verlosung

Der Gewinner der letzten Woche, das Westernreitcentrum Lippe GbR, hat sich zwar beteiligt, reagiert aber nicht. Eine E-Mail blieb unbeantwortet, ebenso eine Ansage auf den Anrufbeantworter. Mal sehen, ob der glückliche Gewinner seinen Gewinn auch wirklich haben will.

Das Westernreitcentrum ist ein junges Unternehmen. In dieser Woche hat ein Reiterhof gewonnen, das schon länger besteht. Das betrifft sowohl das Gebäude als auch das Unternehmen. Wie alt das Gebäude wirklich ist, weiß man vielleicht gar nicht, aber man weiß, daß Ritter Hugo das Gut im Jahre 1259 bezog. Die Familie Aufdemkamp hat die Dienste der Pferdezeitung erstmals im März 2000 benutzt; der Adreßdatensatz trägt die Nummer 1480. Derzeit bewegen wir uns auf die 30.000 zu.

Der » Reiterhof Gut Stockum liegt merkwürdigerweise ebenso wie das Westernreitcentrum ganz in der Nähe meines Wohnsitzes. Lippe liegt im Osten, Osnabrück im Westen. Gut Stockum ist Teil der Gemeinde Bissendorf, und wenn mich nicht alles täuscht, liegt Bissendorf an der Bahnstrecke nach Osnabrück; auf meiner Fahrt nach Hamburg müßte ich also durch Bissendorf gekommen sein.

Herzlichen Glückwunsch, Familie Aufdemkamp! Mal sehen, ob dieser Gewinner an seinem Gewinn interessiert ist.

 
Chefredakteur und Herausgeber
 
 




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Rezension: Lipica


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Schneider, Hanne / Hutt, Stephan

Lipica
Heimat der Lipizzaner

136 Seiten, 221 Bilder vierfarbig, 9 Bilder schwarzwei�
Stuttgart, 2004 � Hutt Verlag
ISBN 9783928573542


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