
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Silage Von › Werner Popken
Das Buch dieser Woche heißt Pferde in Weidehaltung. Die Futtermittelgewinnung wird darin ebenfalls besprochen.
Früher gab es nur Heu. Heugewinnung ist nicht ganz unkompliziert und hängt in besonderem Maße vom Wetter ab. Ein Reitstallbesitzer und Züchter erklärte mir einmal, daß er die Heugewinnung ganz aufgegeben habe. Er kaufe das Heu ein und sei nun frei, nur die beste Qualität zu akzeptieren. Früher hätte er das eigene Heu verfüttern müssen, auch wenn die Ernte minderwertig ausgefallen war.
Mit der Siliertechnik ist man nicht mehr ganz so vom Wetter abhängig. Vom Augenschein her hatte ich den Eindruck, daß diese erst in den letzten zwanzig Jahren aufgekommen sei, aber das ist wohl nicht ganz richtig, denn die Autorin zitiert den "Gärfutterschlüssel der DLG" nach Zimmer 1966. Damals war diese Technik also schon bekannt, mit Sicherheit aber nicht so verbreitet wie heute.
Ich kann mich erinnern, daß die Unsicherheit in Bezug auf Silagefutter vor zehn Jahren durchaus verbreitet war. Durfte man an eine Herde von fünf Pferden Silage verfüttern oder würde sich der Verbrauch so hinziehen, daß die Silage schlecht wurde? Wir haben es einfach gewagt und keinerlei Probleme bekommen.
Später habe ich einmal einen Bauern gebeten, eine Wiese zu heuen, woraufhin dieser mir angesichts der zweifelhaften Wetterlage riet, stattdessen Silage zu produzieren. Das war für beide Seiten ein gutes Geschäft. Ich hatte nichts mit der Sache zu tun, er konnte seine Maschinen auslasten.
Leider ist man angesichts der Größe der produzierten Ballen wiederum auf maschinelle Hilfe angewiesen, wenn man die Dinger bewegen muß. Heubunde kann man leicht durch die Gegend werfen.
Wenn man dazukauft, kann einem die Sache egal sein, weil man sich am Markt bedienen kann; man kann also nach Heubunden bester Qualität Ausschau halten, wenn man auf seine Körperkräfte angewiesen ist.
Produziert man selbst, wird man die nötigen Maschinen zur Verfügung haben. Wenn man nicht selbst produziert, aber mehrere Pferde besitzt, lohnt sich vermutlich die Anschaffung eines gebrauchten Traktors, mit dem man die Silageballen transportieren kann.
Die Produktion von Silage ist anscheinend noch viel komplizierter als die von Heu. Muß der Bauer von heute auch noch Biologe und Chemiker sein? Seite 125:
| In der Pferdefütterung ist Grassilage problemlos einzusetzen, wenn man beachtet, daß der Trockenmassegehalt (wasserfreie Substanz eines Futtermittels) nicht unter 30% sinkt. Die in der Rinderfütterung üblichen Trockenmassegehalte von 25-30% sind für Pferde weniger geeignet. Naßsilagen werden von den Pferden nicht so gerne aufgenommen und können zu Durchfall und Koliken führen. Da mit der Erhöhung des Trockenmassegehaltses auch die Sperrigkeit des Siliergutes zunimmt und die Verdichtung problematisch macht, sind Werte um 35% Trockenmasse anzustreben. Steigen die Trockenmassegehalte auf über 55-60% an, spricht man nicht mehr von Silage sondern von Gärheu.
Zucker ist die Basis für die Milchsäurebakterien zu Produktion von Milchsäure. Es hat sich gezeigt, daß ein Gehalt von 4-5% Zucker notwendig ist, um die gewünschte pH-Wert-Absenkung zu erreichen. Werte, die höher liegen, bringen keine besseren Ergebnisse. Höherwertige Kohlenhydrate wie Stärke können von den Milchsäurebakterien nicht verwertet werden. Die Kohlenhydrate müssen in Form von Zucker vorliegen. Allerdings wird ein Teil der wasserunlöslichen Kohlenhydrate durch den Anwelkvorgang auf der Wiese in Zucker umgewandelt und steht dann den Bakterien zur Verfügung.
Beobachtungen haben gezeigt: Je höher der Gräseranteil im Grünland ist, desto schneller sinkt der pH-Wert ab. Eiweißreiche Pflanzen wie die Leguminosen haben einen geringeren Gehalt an Zucker, der die Nahrung für die Milchsäurebakterien darstellt. Ferner haben Leguminosen einen höheren Gehalt an organischen Säuren, die dafür verantwortlich sind, daß das Absinken des pH-Wertes gemindert wird. Man nennt dies Pufferkapazität. Sie liegt bei den Leguminosen doppelt so hoch im Vergleich zu den Gräsern. Auch bei den Gräsern kann der Gehalt an Eiweiß durch intensive Düngung gesteigert werden, was allerdings für ein Gelingen der Silage nicht erwünscht ist. | | | Mit diesen Informationen ist nur ein geringer Teil dessen wiedergegeben, was die Autorin zum Thema Silage beisteuern kann. An manchen Stellen muß ich doch stutzen (Seiten 196):
| | Die meisten Gärschädlinge haben ein höheres Temperaturoptimum als die Milchsäurebakterien, die bei 25 bis 30 Grad C eine optimale Vermehrungsrate zeigen. Durch das Niedrighalten der Temperatur werden die anderen Mikroorganismen an der Ausweitung gehindert, die bei höheren Werten schnell die Oberhand gewinnen können und die Milchsäurebakterien unterdrücken. Dies ist besonders bei der Auswahl der Silofolie unter Lagerung der Siloballen zu berücksichtigen. Siloballen sollen nicht in der direkten Sonne gelagert werden. Für Rundballen ist ausschließlich helle Folie zu verwenden. Für Siloabdeckungen ist es ohne Bedeutung, welche Farbe die Folie hat. | | |
Nun werde ich für alle Zukunft zusammenzucken, wenn ich draußen auf dem Felde nicht-weiße Siloballen sehe; aber auch bei den weißen werde ich unvermeidlich an den Bauern denken, dessen Ernte verdirbt, weil die Ballen der Sonne ausgesetzt sind.
Das Leben ist entsetzlich kompliziert. Wenn man den Experten zuhört, die es ja wissen müssen, scheint der Schluß unvermeidlich, daß Leben an sich schlicht unmöglich ist. So, wie die Dinge zusammenhängen und die Bedingungen verschränkt sind, kann man unmöglich an alles denken und alles richtig machen.
Danken Sie also dem lieben Gott dafür, daß Sie noch leben und alle Ihre Pferde! Lassen Sie insbesondere Ihre Silage von Fachleuten herstellen!
Ich hatte erwartet, eine Faustregel zu finden, welche Mindestmenge an Pferden vorhanden sein müssen, damit man überhaupt Silage verfüttern kann. Das schien nämlich vor zehn Jahren das wichtigste Kriterium zu sein. Nur Großbetriebe mit mindestens zehn Pferden schienen Silage einsetzen zu können. Einen solchen Hinweis habe ich jedoch nicht gefunden. Sollte sich das von selbst verstehen? Oder wendet sich das Buch nur an Großbetriebe?
| | Das Buch ist [...] für alle diejenigen gedacht, die ihren Pferden eine artgemäße Haltung bieten wollen. | | |
Na bitte! Mein Tip für diese Woche:
Wenn Sie selbst für die Fütterung Ihre Pferde verantwortlich sind, horchen Sie sich doch ein bißchen um, falls Sie Silage noch nicht einsetzen. Vielleicht ist Silage eine gute Alternative oder zumindest Ergänzung zum Heu. Andere Pferdebesitzer werden gerne von ihren Erfahrungen berichten. Ein letztes Zitat (Seite 129):
| | Da die Qualitätsanforderungen an die Grassilage so hoch sind, sollte nur mit geeignetem Ausgangsmaterial und ausgereifter Technik Silage bereitet werden. Anspruchsvolle Technik hat ihren Preis Deshalb ist es heute üblich, die Siloballen überbetrieblich erstellen zu lassen. Auskünfte über spezialisierte Landwirte in der Nähe des Pferdebetriebes erteilt der Maschinenring, dessen Zweigstellen in allen Regionen zu finden sind. | | |
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