
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Zunge geben Von › Werner Popken
In der Rezension dieser Woche (Akupunktur) habe ich auf Seite 73 ein Foto gefunden, das mich näher hinblicken ließ. Die Bildunterschrift lautet:
| | Lotus geht erfolgreich in das zu Prüfungen der Klasse M. Der Pi-Typ lernt langsam, aber einmal Gelerntes beherrscht er sicher. Wie alle Pi-Typen läßt er sich die Zunge gerne aus dem Maul nehmen. | | |
Auf dem Foto vermutlich die Autorin, die dem großen Warmblut mit der rechten Hand ins Halfter greift, mit der linken fest die Zunge umfaßt, die extrem lang aus dem Maul hängt. Das erinnerte mich sofort an Silke Vallentin, die solche Übungen gern mit ihrem Friesen macht (siehe Frei in den Hänger).
Die Chinesen haben offenbar verschiedene Dinge in ein System gebracht. Hier eine Charaktereigenschaft, das langsame, aber sichere Lernen, und die Bereitschaft, sich die Zunge aus dem Maul nehmen zu lassen.
Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht, auf die Idee wäre ich nicht gekommen. Zwar hatte ich die Übung bei Silke Vallentin gesehen, sie aber als Teil der Dominanzübungen abgetan. Die Dominanzübungen nach Parelli interessieren mich nicht besonders, deshalb bin ich nie auf die Idee gekommen, einem Pferd einmal die Zunge aus dem Maul zu nehmen.
Die Bildunterschrift hier interpretiere ich so, daß die meisten Pferde sich die Zunge nicht gerne aus dem Mund nehmen lassen würden. Die Tatsache, daß ein Pferd dies zuläßt, wird nach meiner Lesart so verstanden, daß es sich um einen bestimmten Typ handelt, nicht etwa, daß die Dominanzordnung geklärt ist oder das Pferd besonderes Vertrauen zeigt.
Wenn man den Typ seines Pferdes kennt, kann man mit dem Pferd sicher besser arbeiten. Oder anders herum: Wenn man die Pferdetypen kennt und sich selbst, kann man das richtige Pferd finden, mit dem man glücklich werden kann.
Die Chinesen behaupten, daß es fünf Pferdetypen gibt. Das kann man vielleicht lernen. Es kann jedenfalls nicht schaden, wenn man sein Pferd richtig einschätzen kann. Als Illustration ein Ausschnitt aus der Beurteilung des Pi-Typs (S. 72):
| | Zu Beginn der Reitstunde ist dieser Typ häufig faul und triebig. Er wird erst, nachdem er warm geworden ist, fleißiger. Die Ausgeglichenheit dieser Pferde wird oft mit Sturheit und Unsensibilität verwechselt. Viele Reiter tendieren dazu, mit solchen Pferden grob umzugehen und übersehen dabei die Vorteile dieses Typs. | | |
Mein Tipp: Wenn Sie Zugang zu Pferden unterschiedlichen Charakters haben, versuchen Sie doch einmal den Test mit der Zunge! Können Sie die chinesische Klassifizierung nachvollziehen? Wenn ja, lohnt sich ja vielleicht eine eingehendere Beschäftigung damit.
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