
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Grasqualität Von › Werner Popken
Im Buch dieser Woche (siehe Rezension Das große Buch der Pferdegesundheit) findet sich im Kapitel Pferdefütterung ein Abschnitt über Hufrehe. Der Beginn des Abschnittes macht Hoffnung: es sieht so aus, als hätte man die Krankheit verstanden. Je mehr man aber liest, desto undurchsichtiger wird die ganze Geschichte und desto unbehaglicher fühlt man sich. Am Ende hat man das Gefühl, die Welt besteht nur aus kranken Pferden, denen man nicht helfen kann.
Eine Einsicht zieht sich aber durch: Die Pferde sind durch üppiges Futter gefährdet. Genauer (Seite 84):
| Wenn ein Pferd zu viel zuckerhaltiges Futter frißt, sei es frisches Gras, Getreide, Müslimix oder Pellets, können die Kohlenhydrate nicht mehr vollständig im Dünndarm verdaut werden. Ein Teil des Nahrungsbreis gelernt in Blinddarm und Dickdarm, wo er die dort herrschende normale Bakterienbesiedlung verändert. Die zuckerhaltige Flüssigkeit fördert das Wachstum von Mikroben, die normalerweise nicht im Dickdarm vorkommen. Bei ihrer Vermehrung produzieren sie Säure, welche die normalen Mikroben zerstört. Das massenhafte Sterben dieser Darmbakterien führt zur Ausschüttung von Toxinen in den Verdauungsapparat. Da die Aufgabe der normalen Darmbakterien die Verdauung von Rohfaser und der Aufschluß wichtiger Nährstoffe im Dickdarm ist, wiegt ihr Verlust schwer. Man nimmt ein, daß das gestiegene Säuremilieu im Dickdarm die Darmschleimhäute schädigt, welche die Aufnahme von Giftstoffen und Säuren in den Blutkreislauf ermöglichen. | | |
Nach diesen Ausführungen, die logisch erscheinen, gibt der Autor zu, daß der Rest der Mechanismen unbekannt ist. Wieso bekommen die Pferde dann Probleme in ihren Hufen?
In den Bildunterschriften wird noch deutlicher als im Fließtext darauf hingewiesen, daß die Pferde aus der Steppe kommen und deshalb karges Futter gewöhnt sind. Das haben wir doch schon im Artikel Hilfe - Ekzem! eingesehen, wo sehr überzeugend ausgeführt wird, daß "Steppenhaltung" den Pferden guttut.
In diesem Buch heißt es entsprechend:
| Gras mittlerer Qualität ist für Equiden ausreichend. (Seite 84) Meiden Sie fette, gedüngte Wiesen, wie sie beispielsweise für Rinder angelegt wurden. (Seite 87) | | |
Unsere Bauern, die sich heute als Pferdepensionäre etablieren, haben seit mindestens 50 Jahren eher mit Rindern als mit Pferden zu tun gehabt. Als wir unsere erste Wiese gepachtet haben, hat der Bauer auch erst einmal tüchtig gedüngt. Und wenn die Weide dann ordentlich abgefressen war und so langsam Steppenqualität einzog, haben sich die Nachbarn gemeldet, die der Meinung waren, daß die armen Pferde doch nun Hunger leiden müßten.
Oder noch einmal anders: Einmal hat ein Fachmann eines der großen Futtermittelhersteller mir gesagt, daß die Pferde Heu und Stroh brauchen. Damit gibt sich der Kunde von heute aber nicht mehr zufrieden. "Der will das Pferd nicht füttern, sondern verköstigen." Mit anderen Worten: Wenn das Futter so richtig schön süß riecht, dann verkauft es sich besonders gut. Und verkaufen muß man ja, damit man leben kann.
Es geht uns Menschen im übrigen nicht viel anders. Je mehr wir uns leisten können, desto schlechter sind wir ernährt. Es wird viel Geld dafür ausgegeben, dünner zu werden. Darum geht es auch in dem Buch. Drei Fütterungsbeispiele sollen helfen, übergewichtige Pferde wieder abzumagern. Ohne Pellets geht es natürlich nicht, aber immerhin sollen diese einen hohen Rohfasergehalt haben. Dazu eingeweichte Zuckerrübenschnitzel, (gutes) Heu und "Farrier's Formula", was man in England vielleicht kaufen kann und nicht weiter erklärt wird.
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