Die Isländer wirkten auf den ersten Blick nicht besonders beeindruckend. Sie waren erheblich kleiner, als ich gedacht hatte - ich hatte das übliche Vorurteil, ein solches Tierchen würde mich mit meinen 1,82 m kaum tragen können. Süß waren sie aber, sehr zottelig, und wirkten trotz ihrer geringen Größe äußerst robust.
Es waren durchaus ausgesprochen schöne Tiere dabei (besonders die Hengste mit ihrer unglaublichen Menge an Langhaar und ihrem imposanten Gebaren). Auch die Farbenvielfalt war erstaunlich; es gab z.B. unglaublich ansprechende Grau- oder Rotschimmel oder auch Pferde mit Aalstrich, den ich eigentlich nur von den Norwegern kannte.
Unser Hufschmied hatte uns bei seinem letzten Termin gewarnt: Wer einmal auf einem Isländer geritten ist, möchte hinterher nie wieder auf ein anderes Pferd steigen. Es steckte wohl anscheinend mehr in ihnen, als man von außen erkennen kann (aber bei wem ist das nicht so?).
Nach ein oder zwei weiteren Anfragen fanden wir schließlich nach einer dreiviertel Stunde auch den Herrn des Hauses und seine jüngere Tochter. Diesmal hatte er den Termin verschwitzt. Wir unterhielten uns einige Zeit: Wirklich ausserordentlich sympathisch. Wir wurden uns schnell einig; Tina und ich wollten gerne bei ihnen unser Praktikum machen und sie wollten uns gerne für besagte Zeit aufnehmen.
Die gesamten Osterferien durften wir nun also auf dem Sonnenhof verbringen; in dieser traumhaften Landschaft, mit den freundlichen Familienmitgliedern und Mitarbeitern, bei wunderbarem Wetter (der Frühling war in diesem Jahr besonders sonnig und verheißungsvoll) und auf einmaligen Pferden.
Wir reisten am selben Tag an wie die Ferienkinder der ersten Woche. Meiner Erinnerung nach waren es 20 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 17 Jahren, alle weiblichen Geschlechts.
Schon die Anreise war für die meisten von ihnen ein Abenteuer. Alle waren dementsprechend aufgekratzt und in bester Ferienstimmung. Sie bezogen ihre Zimmer (reizende, mit Holz verkleidete kleine Stuben rund um die große Bauerndeele) und taten sich schon in kleinen Grüppchen zusammen, in denen sie das Gelände durchstreiften.
Einige der Mädchen, die allein gekommen waren, also nicht mit einem Geschwisterkind oder einer Freundin, führten wir über den Hof, erklärten das, was wir schon kannten und stellten uns auf diese Weise vor.
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