
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Der Verlag verspricht nicht, daß Sie Ihren Schmied verabschieden können. Das ist unrealistisch, denn um ein guter Hufschmied zu sein, braucht man viel Übung, und die kann ein Buch nicht vermitteln.
In der Rezension der Ausgabe 103 hat Regina Steinkrauss das Video zum Buch besprochen; sie betont darin, daß das Video nicht ausreicht, um hinreichende Informationen zu vermitteln, als Ergänzung aber sehr wertvoll ist, weil vieles erst durch die bewegte Darstellung klar wird. Dabei unterstellt sie, daß der Kunde alle Arbeiten am Pferd selbst ausführen möchte.
Regina Steinkrauss kennt nicht nur das Buch und das Video, sie hat auch einen Kurs bei Armin Kasper besucht. In dieser Kombination empfahl sie das Video zur Auffrischung von Sachverhalten, die im Kurs zwar gezeigt wurden, aber schnell in Vergessenheit geraten.
Ein Buch ist ein langsames Medium. Dieses Buch ist sehr umfangreich und gründlich. Während das Video vor allem dem Wanderreiter bei Problemen unterwegs helfen will, ist dieses Buch tatsächlich als Anleitung zur Selbsthilfe gedacht. Und so ist es auch entstanden:
Armin Kasper gehört zur alten Garde der Freizeitreiter. Wie wohl fast jeder Reiter, hatte er Probleme mit Hufschmieden und schwor sich eines Tages, selbst die Sache in die Hand zu nehmen. Unser Schmied, Olaf Nolting, den ich schon öfter erwähnt habe, ist auch als Pferdebesitzer dazu gekommen, sich mit dem Huf seiner Pferde zu beschäftigen, und hat schließlich einen Beruf daraus gemacht.
Armin Kasper schildert im Vorwort, wie die Vereinigung der Freizeitreiter in Deutschland e.V. Landesverband Rheinland-Pfalz einen Hufschmied suchte, der die Mitglieder über die Probleme aufklären und unterrichten sollte. Dieser Plan schlug fehl. So kam es, daß Armin Kasper selbst anfing, Kurse zu geben. Schließlich wurde ein Buch daraus, dann kam das Video hinzu, und dann wurde eine zweite Auflage fällig.
Das Buch hat sich also bewährt, und alle Leser sind des Lobes voll. Auch wenn man die Hufpflege seiner Pferde nicht selbst in die Hand nehmen möchte, lohnt sich die Lektüre des Buches; ein so grundlegendes Werk möchte man auch gerne besitzen.
Ich habe bereits einige Bücher zur Hufpflege gelesen und würde auch gerne die Hufpflege selbst übernehmen, aber dazu fehlt nicht nur die Zeit, sondern auch die Übung und vielleicht der Leidensdruck. In Olaf Nolting haben wir einen Hufschmied gefunden, dem wir vertrauen und der dieselben Ziele verfolgt wie wir. Er versucht nicht, uns zum Eisen zu überreden, sondern unterstützt uns in unserem Bemühen, die Pferde barfuß laufen zu lassen.
Ich überlasse die notwendigen Arbeiten also gern dem Fachmann, höre mir seine Geschichten an und lerne jedesmal etwas Neues. Müßte ich mich auf die anderen Hufschmiede verlassen, wäre die Situation vollkommen anders. Ein solches Buch in der Hinterhand schützt einen vor allzu groben Fehlern der geschätzten Fachleute. Welche Fehler diese machen können (und machen!), schildert der Autor schonungslos deutlich.
Armin Kasper hat an seinen eigenen Pferden gelernt, so wie Olaf Nolting, und beide schätzen durchaus das Eisen als Mittel der Wahl, wenn es richtig eingesetzt wird. Der Isländer Faxi des Autors war der Anlaß seiner Hufstudien, und dieses Pferd konnte nur gut mit Eisen laufen. Es ist mit 28 Jahren an Altersschwäche gestorben. Der Autor bringt auch noch ein Extrembeispiel, um dem Einwand vorzubeugen, dieses Pferd sei nicht recht gefordert worden.
Heutige Pferdebesitzer sind allerdings an alternativen Beschlägen oder sonstigem Hufschutz interessiert, und da der Autor aus der Freizeitreiterszene kommt, ist er selber nicht nur an den vielfältigen Lösungen interessiert, sondern er hat auch reichlich Erfahrungen damit sammeln können. Zwar gibt es leider noch keine Lösung, die für alle Fälle einsetzbar ist und jeden zufriedenstellt, seine Übersicht ist jedoch die beste, die ich bisher gefunden habe.
Armin Kasper skizziert sogar die Wunderlösung, auf die wir bisher noch warten müssen. Da wir nun aber schon eine Blaupause haben, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis wir diesem Ziel deutlich näher kommen. Bis dahin können wir von seinen Erfahrungen profitieren.
Die erwähnte Anzeige der Vereinigung der Freizeitreiter fand ich außerordentlich interessant. Die Anforderungen an den Hufschmied klingen harmlos, sind es aber nicht. Der Originaltext:
Wir suchen einen Hufschmied
- der Pferde liebt
- der Erfahrung hat im Umgang mit Pferden und in der Haltung von Pferden
- der selbst reitet oder fährt
- der sein Handwerk im Sinne eines pferdegerechten Hufbeschlags beherrscht
- der bereit ist, auf die Wünsche seiner Kunden einzugehen
| Wenn diese Forderungen schwierig einzulösen sind (auf die Anzeige hatte sich nur ein einziger Hufschmied gemeldet), muß sich der Halter selbst mit der Materie befassen.
Das Buch von Armin Kasper ist eines der besten zu diesem Thema auf dem Markt. Es ist spannend zu lesen auch an schwierigen Stellen und ein echtes Lehrbuch: immer wieder wird das Wissen des Lesers überprüft. Wenn Sie sich zum Thema informieren wollen, kommen Sie an diesem Buch nicht vorbei. Ich wünsche diesem Buch viele Leser und viele Neuauflagen.
erschienen 23.02.03
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