 |  | | Schon als kleines Fohlen unternehmungslustig |  |  |  |
| Über eine Woche mußte sie noch in der Klinik verbringen. Nach ein paar Tagen konnte ich kleinere Spaziergänge mit ihr machen. Bald war sie wieder so fit, daß wir sie nach Hause holen konnten. Nur eine große Beule am Hals behielt sie noch einige Monate als Erinnerung an die Infusionen.
Es sah schlimm aus, wie ein Fußball, der seitlich aus dem Hals herauskommt. Der junge Tierarzt kam regelmäßig zur Kontrolle auf die Weide (Aphrodite hatte zeitgleich eine Lederhautentzündung) und beruhigte uns gutgelaunt: "Das sieht nur schlimm aus und dauert ein paar Monate, ist aber nicht gefährlich, im Gegensatz zu Colitis X!" Die Schwellung ging dann auch langsam aber stetig wieder zurück. Cara hatte einen sehr starken Lebenswillen bewiesen.
Finn war mittlerweile ein Jahr alt und ein kleiner Rabauke. Keines der anderen Pferde konnte mit seinem Spieltrieb mithalten. Beim Auslauf unseres Winterstalls hatte er sogar den Trick herausgefunden, mit dem er das Gatter öffnen konnte. Zum Glück hatten wir ebenfalls schnell herausgefunden, daß er das konnte: wir brachten also ein Schloß an.
Auf einem unserer Ausritte stellte sich heraus, daß Finn auch eine Begabung als Wachhund besaß. Wir (Leevke, Mara, ich) ritten auf einer kleinen Landstraße. Finn durfte in unbebauten Gebieten immer noch frei laufen. Er war gerade auf einer angrenzenden Brachwiese unterwegs. Da kam von hinten eine Gruppe männlicher Jugendlicher mit mehreren Fahrrädern und einer Mofa angefahren.
Die Halbstarken meinten nun, ein wenig herumpöbeln und Sprüche reißen zu müssen. Plötzlich brach durch die Büsche ein braunes Ungeheuer und stürzte auf die Gruppe zu. Ich habe selten solch entsetzte Gesichter und einen so überstürzten Abgang gesehen. Finn lief noch ein paar Meter hinterher, dann drehte er um und kam zu uns zurück. Ich könnte schwören, daß er triumphierend und spöttisch geguckt hat.
Bereits seit einiger Zeit hatten wir besorgt beobachtet, daß Finn als Sohn der Leitstute übermütig wurde. Für sein späteres Leben erschien es uns wichtig, ihm nicht noch länger den Kontakt zu Gleichaltrigen zu verwehren. Er sollte lernen, sich einzuordnen und seine Stellung richtig einzuschätzen.
Daher gaben wir eine Anzeige auf: "Beistellfohlen gesucht." Es hat sich auch jemand gemeldet, aber die Frau hatte ein Stutfohlen und wollte es nicht mit unserem Hengstfohlen zusammenstellen. Es sah nicht so aus, als würden wir auf diesem Weg vorankommen; daher schaute mein Vater sich nach einem Jährling um.
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