
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Atem Von › Werner Popken
Der Buchmarkt ist extrem schnellebig geworden. Das Buch "Wilde Mustangs, kühne Reiter" ist 1997 herausgekommen und wurde schon vor geraumer Zeit für ein Drittel des Preises bei Zweitausendeins verramscht. Wie das in der heutigen Ausgabe besprochene Buch Pferde/Erstes Wissen ist es mit vielen liebevollen Aquarellen ausgestattet, dazu Fotos von Indianern und Pferden und eine Fülle von interessanten Geschichten und Fakten.
Schade, daß ich das Buch nicht zur Verfügung hatte, als ich die Reihe über die amerikanischen Mustangs vorbereitet habe. Man muß wirklich auf der Hut sein und rechtzeitig zugreifen: Bücher sind einmalige Gelegenheiten geworden - es sei denn, man verlegt sich auf das Antiquariat. Aber dazu muß man auch erst einmal wissen, wonach man sucht.
In diesem Buch fand ich eine neue Variante zum Thema Einreiten. Das wurde meist von jungen Männern zwischen 12 und 18 Jahren erledigt, die zu zweit in einen Fluß ritten und das einzureitende Pferd als Handpferd mitnahmen. Es leuchtet unmittelbar ein, daß das Einreiten im Wasser ungefährlicher ist, denn einmal kann das Pferd sich nicht so frei bewegen, zum anderen fällt der Reiter weich.
Erst wenn beide Pferde bis über die Schultern im Wasser waren, wechselte einer der Jungen auf das rohe Pferd über. Im Wasser kann ein Pferd nicht buckeln, weil es dazu seinen Kopf senken muß. Wenn aber der Kopf mit dem Wasser in Berührung kam, gab das Pferd seine Gegenwehr auf. Und sobald es im Wasser müde wurde, ritt man es an Land. Meistens reichte es, ein Pferd einmal im Wasser zu reiten.
Wenn kein Wasser in der benötigten Qualität zur Verfügung stand, behalf man sich mit sumpfigem Gelände oder tiefem, weichen Boden. Der Trick bestand also darin, Bedingungen zu schaffen, die es dem Pferd schwermachen, sich zu wehren. Auf keinen Fall wollte man Gewalt anwenden. Die Pferde wurden mit sehr viel Geduld für ihre Aufgaben vorbereitet.
Diese Methode können wir vermutlich in den seltensten Fällen anwenden - wenn nicht gerade ein Pferdeschwimmbecken zur Verfügung steht, dürften der Verwendung von Flüssen oder Seen Spaziergänger, Vorschriften und Besitzrechte entgegenstehen. Damit ist dieser Trick nicht besonders hilfreich für uns. Etwas anderes können wir aber sehr leicht von Indianern übernehmen:
Wenn sie ein Wildpferd mit dem Lasso gefangen und zu Fall gebracht hatten, wurde es an den Vorderbeinen gefesselt und eine Lederschlinge um den Unterkiefer gelegt. Dann blies der Indianer dem Pferd seinen Atem in die Nüstern, was es angeblich sehr schnell zahm machte.
Diese Geste des Atemblasens kann jeder übernehmen. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der das gemacht hätte, obwohl die Pferde selbst das untereinander ständig tun. Ob diese Technik aus wilden Pferden zahme macht, kann uns im Regelfall egal sein - wilde Pferde sind bei uns extrem selten. Das Verhältnis zu und die Kommunikation mit Pferden könnte dadurch verbessert werden, und das allein wäre ja Grund genug.
Es ist immer wieder die Rede davon, die Pferdesprache zu sprechen - diese Art Pferdesprache ist sehr leicht zu lernen. Hat jemand Erfahrungen damit?
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