 |  | | Engel am Ort und Engel in der Höhe |  |  |  | Der Esel sieht, wie "es rund um das Kind glänzte und strahlte". Er muß das Kind beschnuppern, und da kommen auch schon die Hirten und fallen vor dem Kind in die Knie. Dann erzählen sie, daß ein großer Stern geleuchtet und plötzlich der Engel des Herrn vor ihnen gestanden habe, woraufhin sie sich sehr fürchteten.
Der Engel aber sprach:
"Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen."
Und im gleichen Augenblick sahen wir am ganzen Himmel singende Engel:
"Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" | |
Damit ist auch dem Alten klar, daß der Heiland, der Gute Hirte, in seinem Stall geboren worden ist.
Wir sehen, daß in dieser Geschichte nach und nach göttliche Elemente eingeflochten werden. Der Esel stellt sozusagen den roten Faden dar und gibt Gelegenheit, die Atmosphäre und die Bedeutsamkeit zu verdichten.
Maria und Josef werden fast nebenbei eingeführt, die Rolle des Kindes wird erst allmählich offenbar. Die Verkündigung des Engels an Maria liegt schon zurück und wird mit keinem Wort angedeutet. Bevor die Heiligen Drei Könige auftauchen, bricht das Buch ab. Nach Bedarf wird die Handlung ausgeschmückt, um die außerordentliche Wirkung des erwarteten Kindes schon vor der Geburt anzudeuten.
Diese Einzelheiten sind natürlich Erfindungen der Autorin, sie finden sich so in der Bibel nicht. Kommt denn wenigstens der Esel in der Bibel vor? Die Bibel ist knapp und spart im Regelfall mit Einzelheiten.
Die Geburt Jesu kommt überhaupt nur in zwei der vier Evangelien vor. Ausführlicher ist Lukas, dessen Weihnachtsgeschichte allgemein bekannt ist (2. Kapitel: "Es begab sich aber zu der Zeit..."). Die Rede des Engels aus dem Esel-Buch ist ein wörtliches Zitat aus dem Lukasevangelium. Ein Esel kommt weder bei Lukas noch bei Matthäus vor:
Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. (Lukas 2, 6-7) | |
Matthäus beschreibt die Geburt überhaupt nicht. Es ist dort nicht von einem Stall die Rede, sondern von einem Haus, und eine Krippe kommt bei Matthäus ebenfalls nicht vor, geschweige denn irgendwelche Tiere.
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