
| | W. Popken im Fenster Selbstportrait 08/2004 | | | | | Meine Meinung zu dem Buch: von › Werner Popken
Dieses Buch ist in Amerika entstanden, und zwar in Zusammenarbeit mit der American Association of Equine Practitioners, was ich als Berufsverband der Pferdetierärzte interpretiere. Die Autorin ist jedenfalls Tierärztin, das Buch ist von einem Tierarzt herausgegeben, und die fachliche Bearbeitung für die deutsche Ausgabe hat ein Fachtierarzt für Pferde übernommen.
Die Autorin behauptet, dass zu diesem Buch Buch durch die eigenhändige Versorgung ihrer drei Pferde inspiriert worden zu sein. Kein Kunststück, wenn man selber Tierarzt ist, wird man wohl auch seine eigenen Pferde eigenhändig versorgen wollen.
Der Verlag hat sicher zugegriffen, weil dieses Buch sehr praxisorientiert ist. Allein das Inhaltsverzeichnis ist interessant. Die einzelnen Kapitel beschäftigen sich jeweils mit Symptomen bzw. Symptomgruppen. Man wird sehr schnell die geeignete Stelle finden.
Dann hat man Checklisten, die als Flußdiagramme ausgeführt sind, das heißt links oben steht die erste Frage, nach rechts kommt die Aktion, wenn die Antwort ja lautet, nach unten liest man weiter die nächste Frage, wenn die Antwort nein lautet.
Die Aktionen sind, soweit ich das beim Durchblättern übersehen kann, so gut wie immer gleich: rufen Sie Ihren Tierarzt an! Mal sofort, mal im Laufe des Tages. Wer hätte das gedacht? Ach ja, das Buch ist von einer Tierärztin geschrieben und vom Verband der Tierärzte herausgegeben. Na sowas.
Insofern ist die Sache durchaus niederschmetternd. Denn es gibt nicht nur den Rat, den Tierarzt anzurufen, sondern alle möglichen schlimmen Folgen werden aufgezählt, die offenbar nur ein Tierarzt korrekt diagnostizieren kann. Der Trost ist: es geht weiter mit einem Tipp zu "Während Sie warten". Ein Beispiel:
Kapitel 5: Probleme im Kopf- und Ohrenbereich Abschnitt 12-G Schiefhalten des Kopfes Sie sehen : Das Pferd hält den Kopf schief nach einer Seite hin. Das könnte bedeuten : Es könnte bedeuten, dass an Innenohr oder Gehirn eine Verletzung oder eine Reizung aufgetreten ist. |
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| Checkliste: | | | | Verweigert das Pferd das Futter, ist es niedergeschlagen oder hat es Fieber?NeinRufen Sie noch heute Ihren Tierarzt an, der die Ursache ermitteln und behandeln muß. Blättern Sie zu Während Sie warten weiter unten. | Ja | Rufen Sie Ihren Tierarzt gleich an, wenn Sie eine dieser Frage mit Ja beantwortet haben - es könnte eine Erkrankung des Gehirns vorliegen, beispielsweise Tollwut. Siehe Vorsicht weiter unten und blättern Sie zu Während Sie warten weiter unten. |
Während Sie warten: 1. Isolieren Sie Ihr Pferd von anderen Pferden, für den Fall, dass es ansteckend sein sollte. Um zu verhindern, dass eine möglicherweise ansteckende Erkrankung sich ausbreitet, sollten Sie es auf einen Paddock oder in eine Box mit getrennter Wasserversorgung stellen, mindestens 7 Meter von anderen Pferden entfernt. Waschen Sie sich die Hände und desinfizieren Sie Ihre Stiefel (siehe S. 230), nach dem Sie Umgang mit Ihrem Pferd hatten und bevor Sie Umgang mit anderen Pferden haben. 2. Schützen Sie Ihr Pferd vor Unfällen. Wenn das Pferd Probleme mit dem Gleichgewicht hat, entfernen Sie vorstehende Gegenstände aus der Box und dem Paddock, halte Sie Haustiere fern und sorgen Sie für eine möglichst geringe Lärmbelastung, damit es nicht erschrickt.
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In einem Kasten dazwischen mit dem Wort Vorsicht als Hintergrundbild:
Unter den möglichen Ursachen für eine Erkrankung des Nervensystems befindet sich auch eine seltene, aber berüchtigte: die Tollwut. Gehen Sie kein Risiko ein, sondern ergreifen Sie Vorsichtsmaßnahmen. Siehe S. 34. |
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Hoffen wir also, dass unser Pferd niemals seinen Kopf schiefhalten wird.
Das Kapitel Kolik habe ich interessiert gelesen, weil ich einen Fall von Kolik hatte. Als der Tierarzt kam, war die Sache eigentlich schon vorüber. Wir hatten das Pferd geführt. Das war einer der zwei Fälle, wo ich jemals ein Pferd habe vor Schmerzen stöhnen hören. Der zweite Fall war ein tödlicher Herzschlag.
Dieses Pferd lag fest, ließ sich aber durch gutes Zureden zum Aufstehen bewegen. Der Tierarzt war gerade frisch von der Universität gekommen und hatte seinen ersten Kolikeinsatz.
Das Pferd wurde von vorn und von hinten bearbeitet, obwohl es eigentlich schon längst über den Berg war, und mußte allerhand über sich ergehen lassen. Ich habe mich nicht getraut, den Mann wieder nach Hause zu schicken. Schließlich war er ja der Fachmann.
Erst auf der dritten Seite finde ich einen Kasten mit der Überschrift:
Ein unwahrer Mythos: Ein Pferd mit Kolik muß geführt werden. |
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Nanu, dachte ich, alles falsch? Das nun wieder nicht. Die Autorin gibt zu, dass in vielen Fällen das Geführtwerden hilft. Dann beschwört sie aber wieder die Extremfälle, in denen man zum Beispiel ein Pferd gar nicht zum Aufstehen bewegen kann und rät davon ab, das Pferd zu prügeln.
Das würde ich sowieso nicht tun. Aber ich habe es erlebt, wie ein Tierarzt unser Pferd solange geprügelt hat bzw. von einem Angestellten hat prügeln lassen, bis es aufgestanden ist. Aber das ist natürlich etwas ganz anderes.
Das Buch ist für den amerikanischen Markt geschrieben. Ich möchte aus dem Vorwort zur deutschen Ausgabe zitieren:
Das vorliegende Buch soll dem Leser eine solide Basis an Wissen über die häufigsten Erkrankungen vermitteln und insbesondere die Aufmerksamkeit zur frühen Feststellung von Krankheitsanzeichen erhöhen. Die Autorin beschreibt klar gegliedert die Symptome und deren mögliche Ursachen sowie ein systematisches Vorgehen zur Ergreifung der erforderlichen Maßnahmen. Bei leichten Erkrankungen oder zur Erstversorgung von Notfällen werden detaillierte Hinweise zur Behandlung gegeben. Im Anhang findet der Leser ein umfangreiches Glossar zu Nachschlagen von Krankheiten und medizinischen Fachbegriffen. Die Übersetzung der amerikanischen Originalausgabe hat zur Folge, dass auch einige Krankheiten beschrieben sind, die in unseren Regionen kaum auftreten. Ebenso werden im Einzelfall Therapiemethoden aufgeführt, welche bei uns nicht üblich sind bzw. aufgrund gesetzlicher Bestimmungen nicht angewandt werden dürfen. Der Leser ist insbesondere bei der Anwendung von Medikamenten aufgefordert, die bei uns geltenden arzneimittelrechtlichen Bestimmungen zu beachten, da Pferde der Lebensmittelgewinnung dienen können. Die Übersetzer können keine Verantwortung für die Folgen einer beschriebenen Behandlung übernehmen. Konsultieren Sie Ihren Tierarzt, wenn Sie Fragen haben. Der Rahmen dieses Buches kann weder den Anspruch auf Vollständigkeit erheben, noch die tierärztliche Untersuchung und Behandlung ersetzen. Vielmehr soll die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Pferdebesitzer und Tierarzt gefestigt und erweitert werden.
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Aus meiner Erfahrung mit Ärzten und Tierärzten kann ich nur empfehlen, sich möglichst gut zu informieren. Dieses Buch kann vielleicht dazu dienen. Man weiß, was alles Schlimmes auf einen zukommen kann, und kann dann selbst entscheiden.
Am besten ist es natürlich, wenn man selbst die Lehrbücher gelesen hat, die auch der Tierarzt kennt. Aber eigentlich wollten wir doch den Tierärzten vertrauen und vermeiden, selber einer werden zu müssen.
Im zweiten Teil des Buches gibt es alle möglichen Informationen zur Vorbeugung und sonstige Ratschläge, etwa zur Fütterung. Hier kann man selbst aktiv werden und vielleicht vermeiden, dass das Pferd überhaupt krank wird.
Ein kleines Wörterbuch der Veterinärmedizin, ein Stichwortverzeichnis, nützliche Formulare in der Pferdehaltung und Tafeln für persönliche Aufzeichnungen runden das Buch ab.
Vermutlich ist es keine schlechte Investition.
erschienen 02.02.02
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