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Bericht Zum Thema Lebensgeschichte · Galerie: Roosevelt
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Roosevelt

USA, Read
Roosevelt und die Rough Riders

1898, Gemälde

Heldenhaft führt Theodore Roosevelt (1858-1919) die Rough Riders an, und aus seinem Regiment wird augenblicklich ein Gewirr aus angreifenden Männern, Pferden, Säbeln und explodierenden Geschossen. Die Schlacht bei Santiago de Cuba im Spanisch-Amerikanischen Krieg endete 1898 mit dem Sieg der Amerikaner.

aus dem Buch Pferde
mit freundlicher Genehmigung
des   Taschen-Verlags
siehe auch   Rezension


Kommentar
Von  Werner Stürenburg

In der Geschichte der amerikanischen Präsidenten bin ich nicht besonders bewandert, aber ich hatte doch mitbekommen, daß es zwei amerikanischen Präsidenten namens Roosevelt gegeben hatte.

Der zweite hieß Franklin mit Vornamen und spielte im Zweiten Weltkrieg eine große Rolle. Er versah sein Amt von 1933 bis 1945, was eigentlich laut Verfassung gar nicht geht, starb im Amt und überließ dieses seinem Vizepräsidenten Harry Truman. Das soll aber hier nicht Thema sein.

Über den anderen, der hier mächtig in Szene gesetzt ist, wußte ich gar nichts. Mit Hilfe von Suche Total und Google war ich in kürzester Zeit im Bilde. Wer mehr Einzelheiten haben will, kann sich dort stundenlang informieren (z. B.   www.TheodoreRoosevelt.org oder   www.WhiteHouse.gov).

1898 war Roosevelt Vizepräsident von McKinley. Kuba war spanische Kolonie und wollte unabhängig werden. Roosevelt stampfte zusammen mit seinem Freund Wood, dem Arzt des Präsidenten, eine Freiwilligentruppe von 1250 Mann aus dem Boden, Indianer, Cowboys und anderen Wild West-Typen, alles Leute, die aus dem Sattel schießen konnten, ohne lange trainiert werden zu müssen (siehe   Rough Riders).


Der Haudegen

Ausschnitt
Ausschnitt

Roosevelt selbst hatte kaum Militärerfahrung und überließ Wood die militärische Leitung. Man schiffte sich ein, berannte die Stellungen der Spanier, worauf der Krieg schnell beendet war.

Da Krankheiten gefährlicher waren als der Krieg selbst, zogen sich die Amerikaner schnell zurück. Nach etwas mehr als 4 Monaten wurde die Truppe aufgelöst. Mehr als zwei Drittel der Männer waren geopfert worden, die höchsten Verluste bei amerikanischen Truppenteilen in diesem Krieg.

Roosevelt war also ein unerfahrener Haudegen, ganz wie er im Bilde dargestellt wird, und seine Truppe ein zusammengewürfelter Haufen Abenteuerlustiger, die den eigenen Tod suchten.

Krieg in jenen Zeiten war offenbar mehr eine Art Männerausflug, der auch gefährlich sein kann, vergleichbar mit Safaris, Bergsteigen oder anderen Männervergnügungen.

1901 wurde Präsident McKinley ermordet und Roosevelt wurde mit 42 Jahren Präsident. Er ist bis heute der jüngste Präsident Amerikas geblieben; John F. Kennedy war 43 Jahre alt, als er Präsident wurde.

Roosevelt war aber nicht nur ein Haudegen, sondern offenbar eine ganz bemerkenswerte Persönlichkeit.

Er soll sehr viele Bücher gelesen haben, viele davon an einem Tag, hat selber mehr als 35 Bücher geschrieben, dazu mehr als 150.000 Briefe, war offenbar ein leidenschaftlicher Jäger, der auf mehreren Kontinenten gejagt hat, war aber auch ein leidenschaftlicher Naturschützer, der in seiner Amtszeit eine ungeheure Menge an Reservaten angelegt hat, flächenmäßig die Hälfte aller Staaten an der gesamten Ostküste der USA.

Er war aber auch an der Außenpolitik sehr stark interessiert, hat Amerika aus der Isolation geführt, war der erste Staatslenker, der einen Fall vor das internationale Gericht in Den Haag gebracht hat, er hat den Verbraucherschutz in den USA gestärkt, die Arbeitnehmerrechte und so weiter und so fort.

Wenn er nicht als Staatsmann tätig geworden wäre, seine Leistungen als Wissenschaftler (er war Spezialist für große Säugetiere) hätten ihm alleine Ruhm eingebracht.


Das Bild

Ausschnitt
Ausschnitt
Soweit ist verständlich, daß Roosevelt auch heute noch verehrt wird. Der Text zu dem Bild ist jedoch völlig daneben.

Hier wird der Krieg und das Draufgängertum verherrlicht. Wie fatal das damals war, haben wir gelesen; wie fatal das heute ist, wissen wir alle.

Bush mimt ebenfalls den Draufgänger und wird vermutlich bald ganz schön alt aussehen.

Aber nicht nur der Text zu dem Bild ist peinlich, völlig unverständlich ist die Zuschreibung.

Angeblich soll ein W.G. Rood der Maler sein, wo doch selbst in der Abbildung die Signatur klar und deutlich W.G. Read zeigt. Leider war es mir nicht möglich, über diesen Maler etwas zu erfahren.

Das Gemälde ist ähnlich dramatisch wie das der Kollegin   Butler, ebenfalls kriegsverherrlichend.

Man achte einmal auf die explodierenden Granaten und die Wiederholung dieser Formen in den Palmwedeln oder die Dramatik in den Pferdegesichtern oder die Beinstellungen.

Diese Art von Malerei führt geradewegs zu Asterix und Obelix. Plakativ, aufdringlich, direkt, allgemeinverständlich, agitatorisch.

Der nächste Schritt ist der sozialistische oder nationalsozialistische Realismus. Mit Kunst hat das nichts zu tun. Diese Art Malerei ist eine angewandte Kunst, ein Kunstgewerbe, und damit ganz deutlich Nicht-Kunst.

Die Sprache hat für Nicht-Kunst noch einige andere Begriffe, zum Beispiel Illustration. Hier illustriert einer einen Gedanken, ein Gefühl, eine politische Absicht. Hier will einer etwas verkaufen.

Wilhelm Busch hat einmal gedichtet: "Man merkt die Absicht und ist verstimmt."





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