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Rasseportrait Zum Thema Andalusier · Galerie: Philipp IV
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Philipp IV

Velázquez
Reiterportrait Philipp IV

1635-36

Dies ist eines von mehreren Reiterporträts von Philipp III. von Spanien (1578-1621), die zusammen mit der Übergabe von Breda einen Salon im königlichen Palast schmücken sollten. Hier scheint die Wahl der Farben, der Pose und des Kostüms allerdings eher einen Siegestaumel zu suggerieren als den königlichen Status.


Diego Rodriguez de Silva y Velázquez, 1599-1660
Spanischer Künstler, der 1623 zum Hofmaler des spanischen Königs ernannt wurde. Dem Markt entsprechend schuf er überwiegend Porträts, darunter mehrere Bildnisse von Philipp IV. (1605-1665) zu Pferde. Kennzeichnend für sein Werk ist ein durch die kraftvolle Charakterisierung seiner Modelle gemäßigter Realismus.


aus dem Buch Pferde
mit freundlicher Genehmigung
des   Taschen-Verlags
siehe auch   Rezension



Kommentar
Von  Werner Stürenburg

Liebe Leser: wenn Sie aufmerksam waren, werden Sie gemerkt haben, daß der Kommentar nicht recht zum Bild paßt. Das Bild stellt Philipp IV. dar, während der Kommentar von Philipp III. spricht. Ich mußte heute etwas tricksen. Mein Scanner ist nämlich kaputt, und deshalb konnte ich das Bild aus dem Buch nicht einscannen.

Ausgerechnet dieses Bild aber war im ganzen Internet nicht zu finden. Ich kann Sie trotzdem entschädigen. Andere Reiterporträts von Velázquez habe ich gefunden und zeige diese stattdessen. Natürlich erzähle ich Ihnen auch von meinen sonstigen Entdeckungen.


Web Gallery of Art

Wie findet man Bilder im Internet? Sie wissen, daß ich mit der Suchmaschine   Google sehr gut arbeiten kann. Aber meist weiß man schon, wo man etwas findet, wenn man oft genug gesucht hat.

Diego Rodriguez de Silva y Velázquez
  Prinz Baltasar Carlos zu Pferde
1635-36, Öl/Leinwand, 209 x 173 cm
Museo del Prado, Madrid

Wenn Sie diese Reihe verfolgen, werden Sie sich an die umfangreichen Gemäldesammlungen von   Mark Harden und   Carol Gerten erinnern.

Vielleicht haben Sie auch schon von   Nicolas Pioch gehört, der von BMW mit seinem Unternehmen   WebMuseum unterstützt worden ist - nach meiner Erfahrung lebt Pioch von der Arbeit von Harden und Gerten, so daß ich selten dort fündig geworden bin.

Zufällig habe ich heute das Projekt von Emil Kren and Daniel Marx entdeckt:   Web Gallery of Art. Die Adresse deutet auf einen Host in Ungarn, obwohl die Namen gar nicht ungarisch klingen.

Mark Harden hat nämlich neuerdings eine Zoom-Funktion. Die wiederum verdankt er Daniel Marx, der sie für sein Projekt entwickelt hat. Der Link auf dieses Projekt ist mir heute erstmals aufgefallen.

Die beiden haben 8.000 Gemälde eingescannt und bieten damit wesentlich mehr als Harden und Gerten. Eine echte Entdeckung! Die   Biographie von Velázquez haben sie der Enzyklopädie von Microsoft entnommen, die recht ordentlich ist.

Ist es nicht phantastisch, daß man mit ein bißchen Mühe die größten Schätze ausgraben kann? Ich wußte nicht allzuviel über Velázquez und bin jetzt viel schlauer.

Natürlich kannte ich einige seiner berühmten Bilder aus Büchern. Jetzt fällt mir ein, daß ich vermutlich einen längeren Aufsatz über Velázquez in einem Buch besitze und noch gar nicht gelesen habe.

Tatsächlich, so ist es. Das Internet ist schön und bequem, aber ein gutes Buch ersetzt es nicht. Ich muß mich jetzt von der Lektüre des Buches losreißen, damit ich meinen Beitrag fertigstellen kann. In Bezug auf mein Thema Reiterporträts bietet das Buch leider nichts.


Der Maler

Velázquez kam aus dem niederen Adel, hat im Alter von 12 Jahren in Sevilla eine Lehre begonnen, mit 18 Jahren seine Meisterprüfung abgelegt und mit 19 Jahren die Tochter seines Lehrherrn geheiratet. Er war ehrgeizig und soll einmal gesagt haben, er wolle lieber der erste beim Malen von niederen Dingen sein als eine mindere Größe beim Malen von hochrangigen Gegenständen.

Ausschnitt - man beachte die Virtuosität bei der Darstellung der Rüstung, die Nüchternheit des Porträts, die versuchte Würde und den Machtanspruch des Königs, die auch durch das Pferd verdeutlicht werden - das Pferd ist königlicher als der König.

Auch in der Malerei geht es eben um Qualität. Velázquez war hervorragend in vielen Dingen, aber durchaus enttäuschend in vielen anderen, was man auch an den Reiterporträts sehen kann. Das Portrait des Prinzen ist geradezu lächerlich. Das Pferd ist eine Tonne mit Spinnenbeinen, fast schon so phantastisch wie die Gestalten in Salvador Dalís   Versuchung des heiligen Antonius.

Seine ersten Arbeiten spielen mit der Virtuosität. Er beweist, daß er alle möglichen schwierigen Dinge darstellen kann, wie sie zum Beispiel in einer Küche vorkommen. Dort kommen auch Menschen vor, und die Darstellung von Menschen ist nicht wesentlich verschieden von der Porträtmalerei, wo sich der Porträtierte wiedererkennen möchte.

Mit 24 Jahren ging Velázquez nach Madrid, um Philipp IV. zu malen, der im Jahr zuvor zum König gekrönt worden war. Das gelang ihm nicht, aber er konnte einen berühmten Dichter (Góngora) porträtieren. Dieses Bild machte so viel Eindruck, daß er im folgenden Jahr mit einem Porträt beauftragt wurde.

Der junge König faßte Vertrauen zum jungen Maler. Er war sehr an den Künsten interessiert. Velázquez genoß die Gunst des Herrschers bis zu seinem Tode. Er hatte also Glück. Seine Lebensspanne lief parallel zu der seines Gönners.

Er war also ähnlich privilegiert wie Rubens, den er sogar persönlich getroffen hat. Rubens war öfters in diplomatischer Mission unterwegs und verbrachte auch einmal längere Zeit in Madrid. Rubens hat ebenfalls Mitglieder der königlichen Familie porträtiert.

Velázquez hat relativ wenige Bilder gemalt, sehr häufig seinen König, Mitglieder der Familie, einflußreiche Personen, mythologische Szenen und dann auch einige Reiterporträts mit gewaltigen Ausmaßen. Das im Buch abgebildete Portrait von Philipp III. ist posthum entstanden - der Porträtierte war schon 10 Jahre tot.


Der Regent

Dieser Mann hatte die Macht. Er hat 30 Jahre lang die Regierungsgeschäfte geführt und versucht, die alte Herrlichkeit Spaniens wiederherzustellen. Leider war er nicht sehr erfolgreich und der König und damit der gesamte Hof mehr an Vergnügungen interessiert.

Diego Rodriguez de Silva y Velázquez
  Großherzog von Olivares zu Pferde
1634, Öl/Leinwand, 313 x 239 cm
Museo del Prado, Madrid

Man ging zur Jagd und ins Theater. Der König hatte schätzungsweise 35 uneheliche Kinder. Der Thronfolger Baltasar Carlos wurde erst nach vier Mädchen geboren und starb schon mit 17 Jahren. Also auch auf der persönlichen Ebene ein Niedergang.

Olivares ist seinem Amt schon gewachsen insofern er ein Mensch ist, der auch brutal sein kann. Er wird interessanterweise von hinten dargestellt. Sein Pferd hat ein gewaltiges Hinterteil, während der Kopf wieder unangenehm klein ist.

Die Proportionen sind merkwürdig verschoben, der Mann sitzt sehr weit vorne und oben und wirkt unglaublich massig, was besonders deutlich wird, wenn man einen Ausschnitt betrachtet.

Als schließlich Portugal und Katalonien verlorengehen, wird Olivares abgesetzt. Sein Neffe wird Nachfolger, stirbt aber 1661, Velázquez war 1660 gestorben, und als 1665 der König seinem Maler folgt, soll es in ganz Madrid niemanden gegeben haben, der eine Träne um ihn vergoß.

Bleibt zum Schluß die Frage: haben die Pferde damals wirklich so merkwürdig ausgesehen? Tatsächlich gibt es viele Abbildungen von Pferden aus diesen Zeiten, die uns heute stark verzeichnet anmuten. Es kann sich also nicht um eine Eigenart eines einzelnen Malers gehandelt haben, wenn es auch Auswüchse gegeben haben mag.

Das Pferd auf dem Gemälde unseres Königs jedenfalls ist schlicht von der Seite dargestellt und macht einen recht ordentlichen Eindruck. Auch für unsere heutigen Augen sieht dieses Pferd gut aus. In dieser Perspektive fällt es auch schwer, nicht korrekt zu zeichnen, obwohl die Landschaft genauso kulissenhaft aussieht wie auf den anderen Gemälden.

Reiterporträts und Landschaften waren offenbar nicht so sein Ding. Das ist sicher einer der Gründe dafür, daß diese Gemälde nicht so häufig abgebildet werden. Denn Velázquez war ein großer Maler, er hat einige Gemälde produziert, die zu den bedeutendsten Schöpfungen zählen und über die Jahrhunderte die Menschen immer wieder beschäftigt haben. In diesen Gemälden kommen Pferde leider nicht vor.





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