Aus den Bergen kommen wir Vielfalt der kaukasischen Rassen von Werner Popken |
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Das Rasseportrait der vergangenen Woche hatte seinen Titel übernommen von einem » Aufsatz» von Leoni Schuschel. Darin schildert sie, dass sie das Fohlen Ilay um seiner selbst willen kaufte und die Rasse Kabardiner, der er laut Papieren zugehörte, ihr vollständig unbekannt war. Sie machte sich dann schlau und wunderte sich, dass ihr Fohlen offenbar grösser werden wollte, als der Zuchtstandard dies zuliess. Wie konnte das sein? Genau dieser merkwürdige Umstand veranlasste die Besitzerin, sich genauer zu informieren. Leoni Schuschel hatte Glück: der Züchter von Ilays Mutter stellte ihr ein Stutbuch zur Verfügung, in dem sie nach grossen Kabardiner Hengsten suchte. Der grösste hatte ein Stockmass von 1,69 m und stellte sich - welch ein Zufall - als Grossvater von Ilay heraus. Ilay war gar kein Kabardiner, jedenfalls nicht, wie er im Buche steht. Neben reinrassigen Kabardinern gibt es nämlich noch Mischlinge, man hatte (wie fast überall) Vollblut hinein gezüchtet, und Ilay war demnach ein Anglo-Kabardiner, dessen Massen er eben auch entsprach. "Über die Größe der Pferde erfuhren wir, daß es bei einem Anglo-Kabardiner bzw. Anglo-Karatschaever sehr von Vorteil ist sehr groß zu sein. Ein Zuchtziel in Russland ist die Vergrößerung der Rasse." Diese Abstammung war nicht erkennbar, weil die russischen Papiere den Vollblut-Anteil nicht vermerken und die deutschen Papiere sich auf die russischen Papiere stützen. Die Russen haben ausserdem die Karatschaever lange unter dem Namen Kabardiner laufen lassen, wobei nun Hengste der Rasse Karatschaever stark bei der Zucht der Kabardiner eingesetzt worden sind. In Deutschland hat sich das aber noch nicht herumgesprochen. Vielleicht können wir mit diesem Artikel dazu beitragen, die komplizierten Verhältnisse der Bergpferde des Kaukasus zu erhellen. Dabei werde ich mich überwiegend auf Material stützen, das Leoni Schuschel auf ihrer Webseite » unsere-Kabardiner.de» veröffentlicht hat. Damit will ich nicht behaupten, dass die hier dargestellten Meinungen und Sachverhalte unbedingt der Realität und Wahrheit entsprechen müssen. Vielleicht sind die Dinge auch komplizierter, aber immerhin wird man eine Menge erfahren und sich seine eigenen Gedanken machen können. Bei der Zucht von Pferden handelt es sich nämlich auch um Politik. Wie will man die Rasse weiterentwickeln? Da prallen im Regelfall viele Meinungen und Interessen aufeinander. Mich würde z.B. interessieren, was eigentlich die Kabardiner und Karatschaj dazu sagen. Schließlich sind es ja eigentlich deren Pferde. Darüber habe ich aber nichts finden können. Dafür um so mehr über deren Schicksal. | |