Distanzreiten Deutsche Meisterschaft Distanzreiten in Tanneneck-Löffingen Melanie Arnold gewinnt Titel und CEI*** Tanneneck-Löffingen (fn-press). Melanie Arnold (Kirchheim/Teck) ist neue Deutsche Meisterin der Distanzreiter. Die 27-jährige Betriebswirtin ritt die 160 Kilometer lange bergige und steinige Strecke rund um Löffingen im Schwarzwald auf ihrer Araberstute Nadira in neun Stunden und 42 Minuten. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 16,48 Stundenkilometern. Vizemeisterin wurde Marianne Hähnel (Falkenstein) mit dem Halbaraber Baida in Nahar (9:46). Die Bronzemedaille ging an Melanies Cousine Rebecca Arnold (Nürtingen) mit Zahib (9:51:45). Die nationalen Titelkämpfe wurden im Rahmen internationaler Distanzritte (CEI***/**) ausgetragen. Bei den Senioren war Melanie Arnold nicht nur schnellste Deutsche, sondern Gesamtsiegerin des CEI***. Von den insgesamt 36 Startern beendeten 23 Paare den Ritt in der Wertung. Mit zehn Minuten Vorsprung ging Melanie Arnold auf die letzte zehn Kilometer lange Etappe. Eigentlich eine klare Sache und so erwarteten auch die Zuschauer eine einsam ins Ziel reitende neue Deutsche Meisterin und CEI-Gewinnerin. Doch dann wurde es richtig spannend. Der Russe Igor Skladanyuk und der Schweizer Urs Wenger hatten zu einer unglaublichen Aufholjagd geblasen. Skladanyuks zehnjähriger schwarzer Kabardiner Karo war zäh. Nach 150 Kilometern hatte der kleine Wallach noch genug Kraft, Tempo zu machen. Er lief die zehn Kilometer in 23,6 Stundenkilometern. Und Urs Wengers zwölfjähriger Araber Zialka brachte es auch noch auf 21,7 Stundenkilometern. "Ich war richtig geschockt, als die beiden plötzlich von hinten angaloppiert kamen", sagte Melanie Arnold, die sich auf dem Stück eigentlich in Sicherheit vor Verfolgern wähnte. Kurz vor dem Ziel überholte Skladanyuk auch noch den Schweizer, um sich dann mit Melanie Arnold auf den letzten 300 Metern ins Ziel ein spannendes Finish zu liefern. Am Ende trennten den Russen eine Pferdelänge und zwei Sekunden vom Sieg. Mit seiner Vorstellung hatte sich der Teilnehmer mit der weitesten Anreise allerdings in die Herzen des Publikums geritten. Als er 30 Minuten später auch die abschließende Tierarztkontrolle bestand und damit sein zweiter Platz bestätigt wurde, brandete – wie auch bei der Siegerehrung am nächsten Tag – begeisterter Beifall auf. Die Deutsche Meisterin hätte auch Marianne Hähnel heißen können. Die 37-jährige ließ sich erst auf der vierten Etappe (Kilometer 90 bis 120) die Führung von Melanie Arnold abnehmen. Hähnel gehörte nicht unbedingt zum Favoritenkreis, wie eine Internet-Umfrage bei den Distanzreitern zeigte. Das lag sicher daran, dass sie zwar schon seit zehn Jahren Distanzen reitet, sie aber erst 2003 so richtig auf Bundesebene als Reiterin auftauchte. Im vergangenen Jahr ritt sie mit ihrem selbstgezogenen und ausgebildeten zehnjährigen Baida in Nahar – einem Shagya-Araber-Traber-Mix – die Deutsche Meisterschaft in Birstein. Der CEI*** wurde ihr erster Hundertmeiler mit dem Ergebnis Platz sieben in der DM. Ihr Ticket für den B2-Kader. Mit Melanie Arnold hatte man das schon viel eher als DM-Aspirant gerechnet. Insbesondere da Titelverteidiger Stefan Zöller (Erlenbach), dem sie letztes Jahr bei der DM im Nacken saß, bevor sie auf dem letzten Stück ausschied, aufgrund einer Verletzung seines Pferdes fehlte. Und noch ein Konkurrent war in Löffingen nicht dabei: der EM-Sechste 2003 Bernhard Dornsiepen jun. (Menden). Mit Blick auf die Weltmeisterschaft im Januar 2005 in Dubai (VAE) schont er seinen von einer Verletzung genesenen Nico noch. Aber zurück zur neuen Deutschen Meisterin: Erst 27 Jahre alt, blickt sie schon auf eine mittlerweile 16-jährige Distanzgeschichte zurück. Seit 1990 ist sie, wie auch ihre Schwester Sabrina, jetzt DM-Fünfte, im Kader. Bereits 1990, im Alter von 14 Jahren, stand sie auf der Longlist zu den Weltreiterspielen in Stockholm (SWE). 1994 war sie dann dabei und erreichte WM-Platz 28 in Den Haag/NED. Zahlreiche internationale Erfolge hat die Baden-Württembergerin seitdem erritten. Ihren ersten nationalen Erfolg holte sie sich 1993 als 17-jährige: Sie wurde Deutsche Vize-Meisterin. Ihr nächstes Ziel ist klar: die WM in Dubai. Dass wenigstens eine Arnold auf dem Treppchen stehen würde, war nach dem Aufgebot abzusehen. Nun wurden es zwei. Seit zwei Jahren ist Rebecca Arnold wieder auf dem großen Distanzparkett unterwegs. Mit dem erst achtjährigen Arabischen Vollblut Zahib hat die Cousine der Arnoldschwestern Melanie und Sabrina wieder ein Pferd für die großen Ritte. Mit ihm gewann die DM-Bronzemedaillengewinnerin im vergangenen Jahr den 120 Kilometer-CEI** und den Konditionspreis in Tanneneck. Im Frühjahr wurde sie mit ihm Dritte beim CEI** in Großmoor. Auch Rebecca Arnolds Distanzgeschichte beginnt Ende der 80er Jahre. Zu den herausragenden Erfolgen der 26-Jährigen gehören ein fünfter (1997) und ein zwölfter (1999) Platz bei den Jugend-Europameisterschaften. Zurück zur Internet-Umfrage: Favorit war dort Susanne Kaufmann (Hohenstein). Deutsche Meisterin, WM-Mannschafts-Sechste und Shootingstar des Jahres 2002. Fast hätte sie 2003 ihren Titel verteidigt, wäre ihre Stute Fay el Rat (Ratte) nicht in der abschließenden Tierarztkontrolle ausgeschieden. Diesmal reichte es nicht ganz aufs Treppchen. Aber ein vierter Platz belegt, dass mit Susanne Kaufmann und "Ratte" immer zu rechnen ist. Eine vielleicht einmalige Leistung erbrachte am DM-Wochenende Belinda Hitzler (Dillingen). Die international erfahrene Reiterin ritt und gewann am Freitag den 120 Kilometer CEI** mit Farouk de Lozelle in sechs Stunden und 58 Minuten (17,22 km/h). Am Samstag schwang sie sich dann in den Sattel ihres Pferdes Experiment um den 160 Kilometer-CEI***/DM zu reiten. Sie wurde Elfte in der Gesamt- und Sechste in der DM-Wertung. Wohin man sah am Wettkampftag: Die vorherrschende Rasse im Distanzsport sind Araber. Umso mehr stach ein Pferd heraus: Irish Power. Der 176 cm-Stockmaß große irische Hunter gewann unter seiner Reiterin Anna Gugnava aus Georgien den 90 Kilometer CEI** (5:21:37/16,79). "Eigentlich will ich mit ihm Vielseitigkeit reiten. Aber um ihn dafür ruhiger zu kriegen, gehe ich nun auch mal auf Distanzritte", erklärte die Reiterin. Distanzreiten eignet sich also auch zur Therapie. Bo Deutsche Jugendmeisterschaft Distanzreiten in Löffingen Joana Al Samarraie: Nach dem Vize- nun der Meistertitel Tanneneck-Löffingen (fn-press). Neue Deutsche Jugendmeisterin ist die 15-jährige Joana Al Samarraie (Rotenburg) mit dem Shagya-Araber Taumunis. Die Vizemeisterin des Vorjahres lieferte sich bei der DJM in Löffingen ein spannendes Finish mit der Titelverteidigerin Lisa Anna Dahmen (Lebach) auf Momo. Beide hatten die 120 Kilometer lange anspruchsvolle Strecke in einem Tempo geritten, das selbst in der Seniorenklasse selten ist: durchschnittlich 18,22 Stundenkilometer. Eine war in diesem als internationale Zwei-Sterne-Prüfung ausgetragenem Ritt allerdings noch schneller als die beiden. Siegerin des CEI** wurde die bis dahin wenig bekannte 19-jährige Babette Frank (Hädelberg) mit Bashira. Da ihr allerdings die Qualifikation für die DJM fehlte, ritt sie außerhalb der nationalen Wertung. Die DJM-Bronzemedaille ging an Aylissa Zwickel (Rosenfeld) und Brenta. Von den insgesamt 16 Teilnehmern beendeten zwölf Paare den Ritt in der Wertung. Eine erfreulich hohe Erfolgsquote. Lange sah es so aus, als würde Lisa Anna Dahmen ihren Titel verteidigen. Die angehende Physiotherapeutin führte vom Start weg. Allerdings waren ihr von Beginn an die Deutsche Vize-Jugendmeisterin Joana Al Samarraie und Babette Frank dicht auf den Versen. Aufgrund der sehr guten Fitness der mittlerweile 14-jährigen Araberstute Momo, ging die Lebacherin immer als Erste zurück auf die Strecke. Es dauerte weniger als zwei Minuten, dass Momo nach Erreichen der ersten Tierarztkontrolle den vorgeschriebenen Puls von 64 hatte und den Tierärzten zur Untersuchung vorgestellt werden konnte. Die folgenden Regenerationszeiten blieben ähnlich gut. Auf den vier Mal 30 Kilometer langen Etappen durch das bergige und steinige Gelände im Schwarzwald schlossen Joana und Babette dann aber immer wieder zur führenden Reiterin auf. Auf dem letzten Stück setzte sich dann die bis dahin völlig unbekannte Babette Frank von den beiden anderen ab. "Die beiden wollten das mitgehen. Aber wir haben den Mädchen ins Gewissen geredet, dass sie vernünftig weiterreiten", sagte Joanas Vater Ahmed Al Samarraie, der wie auch Lisas Vater, Franz Brück, seine Tochter als Trosser auf der Strecke betreute. Und so ließen die beiden Babette davonziehen, die das letzte Teilstück in fast 21 Stundenkilometern ritt und damit 16 Minuten Vorsprung herausholte. So wurde es für die Zuschauer erst nach der Ankunft von Babette Frank richtig interessant. Auf den letzten 150 Metern lieferten sich Joana und Lisa Anna ein spannendes Finish um den Titel. Und diesmal hatten die 15-jährige Hessin und ihr Pferd Tamunis die Nase vorn. Nach sechs Stunden, 35 Minuten und neun Sekunden verbessert die Gymnasiastin ihr Vorjahresergebnis und wurde Deutsche Jugendmeisterin. Tanneneck ist scheinbar das richtige Pflaster für die Reiterin. Im vergangenen Jahr gewann sie hier schon mit ihrer neunjährigen Shagya-Araber-Stute den Zweitagesritt à 100 Kilometer. Überhaupt läuft es für die junge Distanzreiterin die letzten zwei Jahre sehr gut. So gehört zu ihren internationalen Erfolgen auch der siebte Platz mit der Mannschaft bei den Jugendweltmeisterschaften 2003. Ihr DJM-Erfolg wurde noch durch einen Preis gekrönt, der vielen Reitern fast mehr als ein Titel bedeutet: Tamunis bekam den Preis für die beste Kondition. Wer das Pferd am Tag nach dem Ritt sah, konnte kaum glauben, was die Stute am Vortag geleistet hatte. Die 21-jährige neue Vize-Meisterin wird sich den Meistertitel nicht zurückholen können. Für Lisa Anna Dahmen ist es das letzte Jahr bei den Jugendlichen. Sie war eine der erfolgreichsten Teilnehmerinnen bei den nationalen Jugendmeisterschaften: Vizemeisterin 2001, Platz sechs 2002, Meisterin 2003. International erfolgreich war sie mit Platz 28 bei den Jugend-Weltmeisterschaften im letzten Jahr. Eine Lücke wird aber nicht entstehen. Mit der erst 17-jährigen Aylissa Zwickel und ihrer elfjährigen Araberstute Brenta wird es auch in den nächsten Jahren eine Titelaspirantin bei den DJM geben. Sie gewann 2003 in Tanneneck den 120 Kilometer CEI**-Ritt und hat in den letzten Jahren einige gute Platzierungen auf internationalen Ritten gesammelt. Und dann ist da ja auch noch Babette Frank. Ein bis zu diesem Wochenende in der Szene unbeschriebenes Blatt. Tanneneck war nach ihren Angaben erst ihr dritter Distanzritt überhaupt. 2003 gewann sie den 80er CEI** in Birstein. Und das war jetzt gleich ihr zweiter Erfolg. Dabei war der CEI/DJM-Ritt gar nicht geplant. Die angehende Gärtner-Auszubildende war für die Pferdebesitzerin eingesprungen, die mit Bashira schon an anderen Distanzritten teilgenommen hatte. Nach diesem Erfolg ist sicher mit einer Teilnahme an den nächsten Deutschen Jugendmeisterschaften zu rechnen. Als Reiterin hat sie nun die erforderliche DJM-Qualifikation des Vereins Deutscher Distanzreiter und –fahrer (VDD): ein 100 Kilometer Ritt. Bo Kader der Distanzreiter aktualisiert Tanneneck-Löffingen (fn-press). Im Anschluss an die Deutschen Meisterschaften in Tanneneck-Löffingen hat der Disziplinbeirat Distanzreiten des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei die A-, B- und B2-Kader aktualisiert. Die Veränderungen sind kursiv gesetzt. A-Kader: Melanie Arnold (Kirchheim-Teck/Baden-Württemberg) mit Nadira, Bernhard Dornsiepen jun. (Menden/Westfalen) mit Nico, Dr. Gabriele Förster (Naumburg/Hessen) mit Non Such Zaim, Heike Ganster (Waischenfeld/Bayern) mit Schucks, Belinda Hitzler (Dillingen/Baden-Württemberg) mit Experiment, Susanne Kaufmann (Hohenstein/Hessen) mit Fay el Rat, Dr. Monika Kröz (Lahntal/Hessen) mit Reitar und Ulrike Pottrik (Bad Lauterberg/Hannover-Bremen) mit El Encantador B-Kader: Rebecca Arnold (Nürtingen) mit Zahib, Sabrina Arnold (Kirchheim-Teck/Baden-Württemberg) mit Madaq, Astrid Becker (Walldorf/Baden-Württemberg) mit Taurhyn, Marianne Hähnel (Falkenstein/Bayern) mit Baida in Nahar, Gabi Jacobi (Asendorf/Schleswig-Holstein) mit Etalan, Klaudia al Samarraie (Rotenburg/Hessen) mit Aymann und Hilga Höfgens (Düsseldorf/Rheinland) mit Pamina B2-Kader: Bärbel Büchting (Essen/Rheinland) mit Russian Charmeur und Kissing Kaysoun, Josefine Doderer (Waldems/Hessen) mit Gina, Annette Engler (Lüdenscheid/Westfalen) mit Grisun S. G., Dirk Frenzel (Bückeburg) mit Kelim, Annika Gärtner (München/Bayern) mit Sparkfire, Connie Koller (Hanstedt/Hannover-Bremen) mit Mocha, Michael Schulz (Rohr/Bayern) mit El Mahanad und Stefan Zöller (Erlenbach/Bayern) mit Khamir. Bo |